Portfoliokonstruktionen müssen überdacht werden!

31.08.2015

Björn Siegismund

Ende August kam es an den globalen Aktienmärkten zu dramatischen Kursverlusten, die an die Finanzmarktkrise 2008/ 2009 erinnerten.

Der DAX-Index verlor innerhalb von nur zwei Handelstagen in der Spitze rund zehn Prozent, für den US-Leitindex Dow Jones ging es am „schwarzen Montag“ innerhalb weniger Stunden um mehr als sechs Prozent in die Tiefe. In einem solchen Umfeld verkaufen Anleger panikartig ihre Aktien und suchen den „sicheren Hafen“ für ihr Geld. In der Vergangenheit waren das vor allem Staatsanleihen, die von der Flucht aus den Aktien profitierten.

Korrelation von Aktien und Anleihen ändert sich

Eine Mischung von Aktien und Anleihen konnte durch diesen Zusammenhang ein Portfolioverlauf stabilisieren. Sinkende Aktienkurse wurden durch Gewinne bei den Anleihen abgemildert. Steigenden Zinsen hingegen deuten auf eine boomende Wirtschaft hin, was tendenziell gut für die Aktienmärkte ist. Doch dieser historische Zusammenhang ist in der jüngeren Vergangenheit bei einer Reihe von Ereignissen nicht mehr zu beobachten gewesen.

Der Zinsanstieg der Bundesanleihe Ende Mai 2015 zeigte kaum Auswirkungen auf die Kursentwicklung der deutschen Aktien. Ebenso hatte der Flash Crash der US-Staatsanleihen kaum eine korrespondierende Reaktion auf die Aktienmärkte. Umgekehrt zeigten beim aktuellen Kurseinbruch der Aktien die Kurse der Bundesanleihen kaum eine Reaktion. Das ist bei einem derartig krisenhaften Umfeld ungewöhnlich.

Über die Gründe für eine Entkoppelung von Aktien und Anleihen kann gerätselt werden, klingt doch die Argumentation für die historischen Muster plausibel. Wir gehen davon aus, dass die unkonventionellen Maßnahmen der weltweiten Zentralbanken die Gesetze des Marktes sabotieren. Eine bisher nicht dagewesene Flutung der Kapitalmärkte mit Liquidität hat die Vermögenspreise global rasant ansteigen lassen. Für Anleger stellt sich angesichts der hohen Preise für Anleihen zunehmend die Frage, ob diese tatsächlich als sicherer Hafen dienen können. Bei nur 0,7 Prozent für 10-jährige Bundesanleihen darf dies durchaus kritisch hinterfragt werden. Hält das historische Handelsmuster von Aktien und Anleihen im heutigen Umfeld nicht an, ist ein Umdenken bei der Wertpapieranlage gefordert.

Alternative Bausteine bei der Portfoliokonstruktion

Entfällt die Staatsanleihe als diversifizierendes Element in einem Wertpapierportfolio, müssen Alternativen gefunden werden. Bisher sind Mischdepots mit Aktien- und Anleihenanteil in unterschiedlicher Gewichtung die Standardantwort für Bankberater, Mischfondsmanager und Vermögensverwalter. Im heutigen Umfeld ist es aber umso relevanter zu hinterfragen, ob verschiedene Anlageklassen in Wahrheit weniger Diversifizierung bieten und in Praxis mehr Risikofaktoren gemeinsam haben, als viele traditionell denken. Das Aktien und Anleihen gleichzeitig fallen können, ist weiterhin für viele Marktteilnehmer unvorstellbar. Ein naiv zusammengesetztes Portfolio droht jedoch bei verstärktem Gleichlauf beider Anlageklassen größere Verluste einzufahren, als diese auf Basis der historischen Zusammenhänge zu erwarten sind.

Für uns ist es daher wichtig, unsere Kundendepots so zu strukturieren, dass die Risiken breit balanciert sind. Deshalb sind neben Aktien und Renten auch Absolute-Return Strategien wichtige Portfoliobausteine. Diese sind deutlich komplexer als klassische Anleihen. Eine umfassende Analyse und tiefes Verständnis ist obligatorisch. Wir sind jedoch fest überzeugt, dass sich dieser Mehraufwand am Ende bezahlt macht. Denn angesichts mangelnder adäquater Alternativen bieten Absolute-Return Strategien oft die einzige Möglichkeit, die Ertragschancen zu erhalten und gleichzeitig den Portfolioverlauf zu stabilisieren.

Autor: Björn Siegismund, Chief Investment Officer der LARANSA PWM GmbH