Aktive ETFs als Erweiterung der passiven Strategien
13.03.2026

Martin Bechtloff, Vice President ETF Distribution, Franklin Templeton / Foto: © Franklin Templeton
Der ETF-Markt ist erwachsen geworden. Die Nettomittelzuflüsse der Vergangenheit stehen symbolisch dafür. Martin Bechtloff, Vice President ETF Distribution Deutschland & Österreich bei Franklin Templeton stand zur Jahres wende für ein Gespräch zu den Trends allgemein und im Speziellen zur Verfügung.
finanzwelt: Herr Bechtloff, der ETF-Markt ist längst er wachsen. Seit mittlerweile 25 Jahren gibt es ETFs im europäischen Markt. Welche Bedeutung hat Deutschland generell im europäischen ETF-Konzert?
Martin Bechtloff: Laut BVI ist Deutschland der wichtigste europäische Absatzmarkt für ETFs. Deutsche Investoren halten demnach mindestens 500 Mrd. Euro der schätzungsweise 3 Bio. Euro an ETFs, die in Europa aufgelegt sind. Auch für uns als global aufgestellter Assetmanager ist Deutschland einer der zentralen Kernmärkte. Ich möchte ergänzend erwähnen, dass in den vergangenen Jahren ein grundlegender struktureller Wandel stattgefunden hat, betreffend der Akzeptanz bei Privatanlegern. Hier nimmt der deutsche Markt eine Vorreiterrolle ein. Schauen Sie sich beispielsweise nur die monatlichen Sparplan-Ausführungen an.
finanzwelt: Die Zahl der Wertpapierdepots als auch die der ETF-Sparpläne ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Worauf führen Sie das zurück?
Bechtloff: Tatsächlich ist die Anzahl der ETF-Sparpläne besonders seit 2020 steil angestiegen. Zum einen liegt es sicherlich daran, dass diese Wachstumsdynamik auch durch neue Anbieter wie die zahlreichen Neobroker befeuert wurde. Damit zusammenhängend ist der zweite Grund – das Thema Altersvorsorge. In den Jahren der Pandemie hatten viele Anleger, ob jung oder alt, mehr Zeit, sich mit ihrer eigenen finanziellen Vorsorge zu beschäftigen. Corona hat hier sicherlich als eine Art Trendbeschleuniger fungiert. Und erfreulicherweise ist das keine Momentaufnahme. Der positive Trend hat bis heute, trotz Inflationspeak und teilweise erhöhter zwischenzeitlicher Kurskorrekturen, angehalten. Das zarte Pflänzchen der Wertpapierkultur gedeiht.
finanzwelt: Und das Wachstum geht breit über alle Kundenschichten?
Bechtloff: Absolut. Auch immer mehr institutionelle Investoren bilden größere Teile ihres liquiden Equity-Exposures über ETFs ab. Transparenz und Kostengründen spielen neben der Diversifikation eine Rolle. So lassen sich speziell die hochliquiden Märkte sehr kosteneffizient über passive Strategien abbilden.
finanzwelt: Welche Trends machen Sie aktuell am ETF Markt aus?
Bechtloff: Aktien dominieren klar das Wachstum bei ETFs. Die höchsten Zuflüsse entfallen demnach auf Aktienstrategien. Aber auch Anleihen-ETFs erfreuen sich zunehmend größerer Beliebtheit. Viele Investoren haben eben in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass aktiv gemanagte Fonds ihre jeweilige Benchmark nicht schlagen. Insofern die logische Schlussfolgerung, dann auf passive ETFs zu setzen, die neben günstigeren Kosten zusätzlich für Anleger noch Transparenz und Diversifikation bieten. Insgesamt haben wir in den mehr als zwei Jahrzehnten eine Art ETF-Evolution gesehen. Von Smart Beta-ETFs, über thematische ETFs, ETFs mit dem Fokus Nachhaltigkeit bis hin neuerdings zu aktiven ETFs. Letztere sind keine temporäre Modeerscheinung, sondern ein sich verstetigender Trend mit beachtlichem Wachstumspotenzial. Schaut man sich die Zuflüsse genauer an, so war und ist es im Besonderen das Thema Technologie, das bei Investoren auf großes Interesse stößt. Daneben Commodities, man muss nur einen Blick auf die steigenden Notierungen bei Gold etc. werfen. Auch die Schwellenländer, hier sollte man natürlich differenzieren, steigen in der Gunst der Anleger.
finanzwelt: Stichwort aktive ETFs, die sind stark im Kommen. Wie sehen Sie das aus Marktsicht und wo eignen sich aktive ETFs im Besonderen?
Bechtloff: Generell muss man sagen, dass es immer Assetklassen beziehungsweise Zeiträume geben wird, in denen aktive Manager einen Mehrwert generieren können. Insofern sind aktive ETFs eine Erweiterung der passiven Strategien, sozusagen das ‚Beste aus zwei Welten‘. Zum einen bieten sie, analog zu den ETFs, Kostenvorteile und deren Liquidität. Sie ergänzen aber das Ganze mit einer ak tiven Steuerung, die Anlegern hilft, sich nicht vollends den Schwankungen eines Index auszusetzen. Fondsmanager können theoretisch schnell auf Marktveränderungen re agieren, ihre Portfolios dynamisch anpassen und insbe sondere in ineffizienten Märkten oder Nischenbereichen bessere Ergebnisse erzielen. Diese Anpassungsfähigkeit erlaubt es, Chancen zu nutzen und Risiken gezielt zu mi nimieren, was besonders in volatilen Marktphasen wertvoll sein kann.
finanzwelt: Vor kurzem haben Sie den ersten aktiven Aktien-ETF für europäische Anleger auf den Markt gebracht. Was hat es mit diesem Produkt auf sich?
Bechtloff: Mit dem neuen Produkt, dem Franklin Clear Bridge US Smaller Companies ETF, weitet Franklin Templeton das aktive ETF-Geschäft in Europa aus. Für die Verwaltung zeichnet Clearbridge Investments verantwortlich, ein auf US-Aktien spezialisierter Investmentmanager innerhalb von Franklin Templeton. Das Team konzentriert sich auf Small- und Mid-Cap-Unternehmen und verfolgt einen aktiven Auswahlprozess bei der Titelauswahl. Der ETF investiert in 60 bis 90 US-Wachstumsunternehmen aus dem Anlageuniversum des Russell 2500 Growth Index, der die Performance des Small- bis Mid-Cap-Wachstumssegments des US-Aktienuniversums misst.
finanzwelt: Man hört und liest viel über die Dynamik im ETF-Markt. Wie wichtig sind Innovationen und Zusammenarbeit für das künftige Wachstum? Was haben Sie sich vorgenommen?
Bechtloff: Man kann durchaus sagen, dass die Grenzen zwischen ETF-Anbieter und Onlineplattformen zunehmend verschwimmen. Ja, man findet immer engere Kooperationen zwischen der Abwicklungsplattform und dem Anbieter. Wir nennen das die Verzahnung zwischen ETF-Produktion und ETF-Vertrieb. Diese Grenze wird fließender. Die Begründung hierfür ist ganz einfach: Die Plattformen haben den direkten Zugang zu den Anlegern. Die Zusammenarbeit drückt sich beispielsweise in gemeinsamen Produktlaunches oder anderen Formen der Kooperation aus. Generell verstärkt sich der Trend, dass der ETF-Markt noch kompetitiver wird. Davon profitieren letztlich die Anleger. Als global aufgestelltes Haus haben wir uns vorgenommen, insbesondere das Angebot aktiver ETFs weiter auszubauen. Aber auch bei passiven ETFs gibt es immer noch weiße Flecken. Mit der erweiterten Produktpalette geht zwangs läufig einher, dass wir uns auch personell verstärken. (ah)

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