„Betrugserkennung bleibt ein Hase-Igel-Rennen“
13.03.2026

Von links: Anatol Maier, CTO und Geschäftsführer sowie Martin Sondenheimer, Chief Commercial Officer der Neuramancer AI Solutions GmbH Fotos: © Neuramancer / Cindy Ngo
Deepfakes, manipulierte Schadensfotos und KI-generierte Dokumente: Versicherungsbetrug wird durch generative KI zunehmend professioneller. Versicherer stehen vor der Herausforderung, immer realistischere Fälschungen zu entlarven und Schäden frühzeitig zu verhindern. Das Start up Neuramancer hat sich darauf spezialisiert, KI-Deepfakes zu erkennen.
Im Interview erklären Anatol Maier, CTO und Geschäftsführer sowie Martin Sondenheimer, Chief Commercial Officer der Neuramancer AI Solutions GmbH, wie KI-basierte Forensik Deepfakes aufdeckt, welche Risiken für Versicherer entstehen und warum der Wettlauf zwischen Betrügern und Betrugsabwehr gerade erst begonnen hat.
Herr Sondenheimer, Wirtschaftskriminelle werden dank KI-Tools immer professioneller. Wie zeigt sich das im Bereich Versicherungsbetrug? Wie werden Deepfakes hier vor allem eingesetzt?
Martin Sondenheimer: Versicherungsbetrug ist kein neues Phänomen, allerdings werden mit KI die Eintrittsbarrieren für betrügerische Aktivitäten geringer. Denn mittels KI können existierende Bilder, Dokumente und Videos an entscheidenden Stellen manipuliert oder gänzlich generiert werden. Manipulierte und vollständig KI-generierte Medien sind mittlerweile so täuschend echt, dass selbst professionelle und trainierte Experten die Unterschiede nicht feststellen können. Konkret haben wir bei unseren Kunden Beispiele gesehen, wo Fotos von Fahrzeugschäden so manipuliert wurden, dass der Schaden deutlich größer wirkte. Auch haben wir komplett KI-generierte Bilder von defekten Smartphones entdeckt, die bei unseren Versicherungskunden eingereicht wurden. Ein weiteres Beispiel ist, dass bei einem Tierkrankenversicherer mehrfach vermeintliche Operationen an Hunden mittels KI-generierten Röntgenbildern und gefälschten Rechnungen erfolgreich vorgetäuscht wurden.
Wie hoch schätzen Sie aktuell das dadurch entstehende Geschäfts- und Kostenrisiko für Versicherungen ein?
Sondenheimer: Versicherungsbetrug ist bereits heute ein Milliardenproblem. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) schätzt den jährlichen Schaden durch Versicherungsbetrug in der Schaden- und Unfallversicherung inzwischen auf über 6 Mrd. Euro jährlich. Wie hoch der Anteil durch KI-generierte und manipulierte Medien ist, ist derzeit noch Untersuchungsgegenstand. Wir gehen allerdings davon aus, dass mit der schnellen Verbreitung generativer KI sowie dem stetigen Besserwerden der KI das Risiko durch generierte und manipulierte in naher Zukunft stark ansteigen wird. Laut einer Studie von Crowdstrike erwarten 87 % aller befragten deutschen Unternehmen, dass Deepfakes ein wichtiger Vektor für zukünftige Angriffe werden wird.
Versicherungen sind Ihr Hauptmarkt. Wie reagieren die Häuser auf das Thema? Wie stark wird bisher bei Deepfake-Erkennung KI eingesetzt? Wie verändert KI-basierte Deepfake-Erkennung konkret das Schadenmanagement?
Sondenheimer: Die meisten Versicherer haben dieses wachsende Risiko im Versicherungsbetrug auf dem Radar. Allerdings fehlt es unserer Erfahrung nach in den allermeisten Versicherern an effektiven technologischen Lösungen zur zuverlässigen Erkennung von betrügerischen Medien – auch weil die bisher genutzte Technologie nicht mit der rasanten Entwicklung der KI-Generatoren mithalten kann. Effektive Lösungen für die Erkennung von KI-generierten und manipulierten Medien setzen an zwei Stellen an. Erstens erkennen diese wie ein großer Filter alle gefälschten Medien sobald diese beim Versicherer ankommen. Zweitens geben sie dem Betrugsabwehrspezialisten zielgerichtete und konkrete Hinweise wo und wie Medien manipuliert wurden. Das führt bei Einsatz der richtigen Lösungen zu ressourceneffizienterem Schaden- und Betrugsmanagement und gleichzeitig zu weniger Leakage.

Nick Studer wird President & CEO von Marsh Risk









