Qualität, Ertrag und Stabilität als Handlungsmaximen

23.02.2026

Daniel Happ - Foto: Copyright Ampega

Wie entwickelt sich 2026? Der vergangene Börsenjahrgang war gut. Geht das so weiter? Und wenn ja, wo sind die attraktiven Regionen und Sektoren? Daniel Happ ist Head of Equity and Multi Asset bei Ampega. Die Chefredaktion traf ihn kurz vor der Jahreswende in Köln.

finanzwelt: Herr Happ, 2025 war ein guter Jahrgang. Zumindest aus Aktiensicht lässt sich das resümierend festhalten. Wird die Luft nun dünner?

Daniel Happ: Auf den ersten Blick war 2025 ein guter Jahrgang. Zweistellige Zuwächse an vielen internationalen Leitbörsen. Doch bei aller Euphorie vergisst man leicht, welche Auf- und Abwärtsbewegungen es im Jahresverlauf gab. Geopolitische Spannungen kamen zeitweise hinzu. All diesen Faktoren zum Trotz war 2025 ein guter, wenngleich nicht stressfreier und stromlinienförmiger Bilderbuchjahrgang. Ist nun die Luft raus? Ich glaube schon, dass der Markt durch eine Verbreiterung der Renditetreiber noch weitere Unterstützung erfahren könnte. Allerdings deutlich diversifizierter als zuvor.

finanzwelt: Der Blick unter die Motorhaube zeigt, dass vergleichsweise wenige Segmente oder Werte die Rally getragen haben.

Happ: Absolut. Insbesondere in den USA, dem Nukleus der Finanzmärkte, haben wir erneut eine sehr geringe Marktbreite gesehen. Sprich, die Renditeentwicklung war durch eine geringe Partizipation geprägt, da nur eine Handvoll der großen Mega-Caps für eine Großteil der Zuwächse verantwortlich war. Daraus resultiert eine historisch hohe Konzentration im Bereich Tech/KI. Die glorreichen Mag7 vereinen ca. 36 % der gesamten Marktkapitalisierung des S&P 500 auf sich. Andere Segmente hinken in der Wertentwicklung hinterher. Eine derart hohe Konzentration führt unweigerlich zur Frage, ob wir bereits in einer KI-Blase sind oder auf eine solche zusteuern. Zumindest sind die Bewertungen hoch – und solche Klumpenrisiken machen den Markt zunehmend korrekturanfällig.

finanzwelt: Bleiben wir noch in Übersee. Über das Dilemma der US-Notenbank wurde viel berichtet. Was wird die Fed 2026 tun?

Happ: Die US-Notenbank ist in einer Zwickmühle angesichts der wachsenden politischen Einflussnahme auf ihre Entscheidungsfindung. Das macht Prognosen schwieriger. Nach unserer Ansicht wird die Fed 2026 noch zwei Zinssenkungen vornehmen. Das ist allgemeiner Marktkonsens und ist so bereits eingepreist. Wohlgemerkt, obwohl die Preisentwicklung in den USA seit vielen Jahren deutlich über dem Zentralbankziel von 2% liegt. Übrigens, die mitunter zu beklagende Politisierung in den USA bedeutet nicht, dass wir aktienseitig kein US-Exposure mehr eingehen. Die Vereinigten Staaten sind und bleiben der zentrale Treiber des Weltwirtschaftswachstums. Aber wir sichern das Wechselkursrisiko zumindest teilweise ab, da das Vertrauen in die Unabhängigkeit der US-Institutionen erodiert und sich das in einem strukturell schwächeren US-Dollar niederschlagen dürfte.

finanzwelt: Sie haben es bereits angerissen, Opportunitäten jenseits von Tech & Co. Kehren wir zu Europa zurück. Wie attraktiv ist der Kontinent?

Happ: Zunächst muss man sich klarmachen, dass der Aktienmarkt nicht die europäische Volkswirtschaft widerspiegelt. Volkswirtschaftliche Reformen, wie beispielsweise durch den Draghi Report angestoßen, benötigen Zeit. Europa, so vielfältig der Kontinent auch sein mag, hinkt hinterher. Doch in der langen Sicht sehen wir durchaus Potenzial, dass europäische Titel outperformen. Von ‚MAGA zu MEGA‘. Bereits heute lassen sich Segmente erkennen, die attraktiv sind. Beispiel europäische Finanzinstitute. Das ist ein Sektor, bei dem wir strukturell positiv eingestellt sind. Viele Banken sind heute besser aufgestellt als noch in der Vergangenheit – solide kapitalisiert, profitabel und eben effizient. Die Kreditqualität ist gut; die Branche als Ganze hat ihre Hausaufgaben gemacht. Natürlich hat der europäische Bankensektor schon eine Outperformance gegenüber breiteren Aktienindizes hingelegt, sogar teilweise die Mag7 hinter sich gelassen; dennoch bleiben die Vorzeichen positiv. Insgesamt, abseits der regionalen Fokussierung, folgen wir der Philosophie konservativer Qualitätstitel, das betrifft sowohl die Aktien- als auch die Anleihenseite. Qualität, Ertrag und Stabilität sind die Maximen unserer Selektion. Bedeutet aber nicht, dass wir Risiko grundsätzlich ablehnen.

finanzwelt: Ist Europa kurzfristig nicht interessant?

Happ: Zu kurz gesprungen. Europäische Unternehmen erzielen einen signifikanten Teil ihrer Gewinne im Ausland. Somit haben Anleger indirekt eine globale Marktexponiertheit. Gleichzeitig weisen europäische Aktien und Sektoren weiterhin einen deutlichen Abschlag gegenüber US-Aktien auf. So ergibt sich weiteres Aufholpotenzial. Der Mix diverser Gründe (globale Exponierheit, niedrigere Bewertungen, fiskalpolitische Lockerungsmaßnahmen und strukturelle Fortschritte) lässt europäische Aktien nicht nur strukturell, sondern auch kurzfristig zuversichtlich erscheinen.

finanzwelt: Blicken wir nach Asien. China als Lokomotive. Das war einmal, oder?

Happ: China als Wirtschaftsstandort an sich ist und bleibt wichtig. In vielen wichtigen Wirtschaftssegmenten, wie anspruchsvollem verarbeitendem Gewerbe oder Seltenen Erden, sind die Chinesen dominierend. Dennoch bleibt die Skepsis gegenüber dem chinesischen Aktienmarkt bestehen. Oftmals ein unkalkulierbares politisches Risiko. Insofern ist Vorsicht angebracht. Allerdings lassen sich durchaus thematisch interessante Werte finden. So sind US-Technologieaktien teuer und dominieren die Indizes, chinesische Tech-Aktien gibt es vergleichsweise günstig. Beispiel E-Fahrzeuge oder Robotik. Hier ist China weltweit führend. 

finanzwelt: Ganz grundsätzlich gefragt: Viele Gelder werden in ETFs allokiert. Revival für aktives Management?

Happ: ETFs sind populär aus gutem Grund. Kostengünstig, transparent, liquide, und zuletzt sehr renditestark. Doch geht das so weiter? Steckt man sein Erspartes beispielsweise in den S&P 500, so hat der Anleger auch ein nicht zu unterschätzendes Klumpenrisiko im Portfolio. Wir leben in einer Phase tief­greifender Veränderungen und des steten Wandels. Gerade deshalb sind ein aktiver Ansatz, breite Diversifikation und Anpassungs­fähigkeit entscheidender denn je. Ein aktiver Manager kann breit diversifizieren, das Chance-Risiko-Verhältnis besser einschätzen und anpassen.

finanzwelt: Wie starten Sie ins neue Jahr?

Happ: Trotz relativ hoher Bewertungen sind die Aussichten für (globale) Aktien nicht unbedingt negativ. Eine positive wirtschaftliche Dynamik, robuste Gewinne und strukturelle Investitionen könnten die Märkte noch weiter unterstützen. Wir sind konstruktiv für Aktien in 2026, gehen selektiv ins Risiko und investieren breit diversifiziert mit Vorsicht. (ah)