Steigende Zinsen als Zeitbombe
07.01.2026

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Zum Jahresende hat die Fed den US-Zins noch einmal um 0,25 Prozent gesenkt, auf die neue Spanne 3,5 bis 3,75 Prozent. Ein „Weihnachtsgeschenk“ für Präsident Trump?
Denn bei vier Prozent Wachstum ist eine Zinssenkung nicht notwendig. Das Argument „Arbeitsmarkt“ nur eine Ausrede. Zumindest dann, wenn die Fed nicht eine starke Eintrübung kommen sieht. Die EZB beließ den Leitzins bei den bereits erreichten zwei Prozent. Aber Deutschland steht trotz Niedrigzins noch immer am Rande der Rezession. Da könnte man meinen: Da stimmt was nicht! Unterstützt wird dieser Gedanke durch den Goldpreis, der in 2025 um über 70 Prozent gestiegen ist. Dessen „kleiner Bruder“ Silber stellte mit über 150 Prozent alles in den Schatten (DAX plus 22 Prozent, Nasdaq plus 21 Prozent, Bitcoin minus 21 Prozent).
Für den Goldpreisanstieg werden immer wieder der Inflationsanstieg, der Ukraine-Krieg und -welch Ironie- die fallenden Zinsen genannt. Gerne verschweigen die Regierungen den Hauptgrund: Die immer weiter steigenden Staatsverschuldungen. So geht die USA Ende 2025 mit Riesenschritten auf die 40 Billionen zu, Deutschland auf die 2,6 Billionen. Weitere 500 Mrd. sollen in 2026 dazukommen. Allerdings sind bereits genehmigte bzw. in Anspruch genommene Schulden in „Sondervermögen“ in Höhe von nahezu 1 Billion „versteckt“. Während Wörter wie „Mohrenkopf“ oder „Zigeunerschnitzel“ abgeschafft wurden, ist das Wort „Sondervermögen“ für die Bündelung von Schulden Standard. Ich würde hier eher für „Irreführung“ plädieren. Wer rechnen kann, ahnt schon warum. Die Gesamtschulden dürften ab 2026 bei etwa 4,1 Billionen liegen. Das BIP wurde 2024 bei 4.329 Billionen ausgewiesen. Dann liegt die Verschuldung bei etwa 95 Prozent des BIP. Es ist nur ein schwacher Trost für uns, dass diese Relation in Amerika bei etwa 125 Prozent liegt.
Aber genau diese immer höher steigenden Staatsverschuldungen, die weltweit zirka das 3-fache Welt-BIP betragen, ist das Damokles-Schwert des Finanzsystems. Denn diese Summen sind nur bei niederen Zinsen überhaupt noch finanzierbar. Welches Alarmsignal neben dem Goldpreis senden die Kapitalmärkte noch? Die zehnjährigen Zinsen! In Deutschland haben wir die höchsten Zinsen (2,85 Prozent) seit Mitte 2011! Und dies nach drei Jahren Fast-Rezession und trotz von 4,5 Prozent im September 2023 auf besagte zwei Prozent gesunkenen Leitzinsen. Auch in USA stiegen die zehnjährigen mit 4,15 Prozent höher wie seit 2008 (Ausnahme 2023) nicht mehr.
Genau deshalb tickt hier eine Zeitbombe. Fast jede Prolongation von Altschulden verteuert die Finanzierung, jede Neuverschuldung muss jetzt zu höheren Konditionen finanziert werden. Das bedeutet, dass der Zinsaufwand der Staaten einen immer größeren Teil der Steuereinnahmen einnimmt, mit der Folge, dass immer weniger Geld für notwendige Investitionen zur Verfügung steht. Eine solche Entwicklung erhöht -aus Sicht des Anlegers- das Risiko. Also fordert „er“ noch höhere Zinsen (s. Frankreich). Das hieße, jeder Refinanzierungszyklus wird teurer als der vorherige.
Ein ausgewachsenes Problem kommt auf Amerika zu. Die Prognosen lauten, dass die Relation Schulden zu BIP bis 2030 auf 140 Prozent steigt, weil die Schulden dann bei 50 Billionen liegen. Der Durchschnittszins wird von der Fed mit derzeit 3,3 Prozent angegeben. Hier wirken noch die Niedrigzinsen der letzten 15 Jahre. Im nächsten Jahr müssen die USA zwischen acht bis neun Billionen fällige Schuldenpapiere refinanzieren, deren Zinsen noch aus der Zeit stammen, in der fast keine Zinsen zu zahlen waren. Der jährliche Zinsaufwand wird daher von bisher 1,2 Billionen überdimensional steigen. Eine Rezession in den USA würde das Problem noch kräftig verstärken.
Achtung rufen auch etliche technische Daten. So sind die Cash-Bestände der Fonds laut einer Umfrage der Bank of America auf dem niedrigsten Stand seit 3 Jahrzehnten!!! Auch der Optimismus ist rekordnah hoch. Aus all diesen Hinweisen muss nicht zwangsweise ein Crash resultieren. Aber auch eine länger anhaltende Erosion der Finanzmärkte wäre eine Entwicklung, die eine weitere Rallye torpedieren könnte.
Vor diesem Hintergrund sollten die Anleger ihre aktuelle Strategie überprüfen. Die „buy-the dip“-Aera könnte sich dem Ende zu neigen und in eine „verkaufe-die-Erholung“-Strategie wechseln. Daher ist eine erhöhte Liquiditätshaltung, einen 15 bis 20 Prozent Edelmetall-Anteil, aber auch einmal einen Gewinn realisieren und weitestgehend nur Qualitätsaktien die bessere Vermögenseinteilung. Vielleicht nicht für die mögliche Rendite, aber im Falle des Falles für die Vermögenserhaltung.
Ein Beitrag von Rolf Ehlhardt, Vermögensverwalter, I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH

Rolf Ehlhardt / Foto: © I.C.M.

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