Über Herausforderungen, Chancen und Risikobereitschaft

12.12.2023

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Die aktuelle Studie von Principal Asset ManagementSM, bei der 100 Vermögensverwalter, IFAs, private Bankberater und Family Offices in Deutschland zwischen September und Oktober 2023 befragt wurden, ergab, dass 76 % der Befragten eine Umstrukturierung auf dem Arbeitsmarkt als das größte Risiko für die Portfolioperformance im nächsten Jahr ansehen.

Die Studie zeigt außerdem, dass Zinserhöhungen zu den Hauptsorgen von 72 % der deutschen Berater zählen. Die Befragten in Deutschland äußerten in dieser Hinsicht größere Besorgnis als ihre Fachkollegen in anderen Märkten. Die deutsche Umfrage ist Teil einer umfassenderen Studie von Principal AM unter insgesamt 400 Vermögensberatern, auch in Frankreich, der Schweiz und Großbritannien. So will Principal einen Überblick erhalten, wie diese ihre Kunden zur Erreichung ihrer Anlageziele positionieren. 

Die Herausforderungen, Chancen und die Risikobereitschaft, denen Vermögensberater in den kommenden sechs bis zwölf Monaten beim Investieren im Auftrag ihrer Kunden gegenüberstehen, rücken in den Mittelpunkt.

Ergebnis ist ein vergleichender Überblick über die strategische Vermögensallokation in einem schwierigen Marktumfeld. Die Stimmung der Anleger und die Ziele bei der Vermögensallokation unterscheiden sich in den jeweiligen Märkten erheblich und unterstreichen die besonderen Herausforderungen, mit denen die Anleger konfrontiert sind. 76 % der deutschen Vermögensberater nennen einen angespannten Arbeitsmarkt als das größte Risiko für die Portfolioperformance im Jahr 2024

Angespannter Arbeitsmarkt

Im Gegensatz zu den Sorgen der deutschen Vermögensberater gaben britische Berater Fehlentscheidungen bei der Zentralbank (68 %), französische Berater ein verhaltenes globales Wachstum (67 %) und Schweizer Berater Deflation (74 %) als vorrangiges Risiko an.  Im Durchschnitt nahmen Vermögensberater in Deutschland ein viel höheres Risiko in allen Bereichen wahr, als dies in den anderen Märkten der Fall war. Diese Stimmung spiegelt sich unter Umständen darin wider, wie sie in den nächsten sechs bis zwölf Monaten im Auftrag ihrer Kunden investieren wollen.   

Deutsche Vermögensberater sind im Vergleich zu den anderen Märkten die einzigen, die Allokationen in US-Aktien, Direktkredite und Vorzugsaktien erhöhen wollen. Ein weiterer Befund der Studie: Deutsche Berater wollen ihr aktuelles Engagement in allen Anlageklassen eher beibehalten als ändern – insbesondere bei Allokationen in sicheren Häfen. Auf Sicht der kommenden sechs bis zwölf Monate wollen 46 % in Staatsanleihen und 44 % in Unternehmensanleihen mit Investment Grade die Allokationen unverändert lassen.

Allerdings ist es wahrscheinlicher, dass die deutschen Vermögensberater ihre Allokationen in US-Aktien (25 % Anstieg vs. 22 % Rückgang), Vorzugsaktien (31 % Anstieg vs. 27 % Rückgang) und Private Debt (32 % Anstieg vs. 28 % Rückgang) erhöhen. Bei den Befragten in Großbritannien, Frankreich und der Schweiz ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie ihre Allokationen in diesen Anlageklassen reduzieren. 

Seema Shah, Chief Global Strategist, Principal AM dazu: „Die Erholung nach der Pandemie verliert an Schwung, während sich globale Gewitterwolken zusammenziehen. Die Aussichten weltweit sind besorgniserregend, da steigende Zinsen, die Ölpreise und der US-Dollar die Konjunkturabschwächung verschärfen könnten. Eine Diversifizierung der Vermögensallokation ist dabei entscheidend, da die Marktunsicherheiten zunehmen. Die Untersuchungen geben Aufschluss über die Herausforderungen, mit denen Anleger bei der Vermögensberatung und -allokation im Auftrag ihrer Kunden konfrontiert sind, und über die jeweiligen Strategien der verschiedenen europäischen Märkte, um den bevorstehenden Sturm zu überstehen.“

Eine Vorliebe für das eigene Land

Die befragten Vermögensberater aller Märkte zeigen eine ausgeprägte Vorliebe für den eigenen Markt, wenn sie darüber nachdenken, welche europäischen Märkte die attraktivsten Investitionschancen bei Immobilien bieten. So geben mehr als drei Viertel (77 %) der deutschen Vermögensberater an, dass Deutschland ihrer Ansicht nach in dieser Anlageklasse die attraktivsten Anlagemöglichkeiten in ganz Europa biete, während 78 % der britischen Vermögensberater Großbritannien, 88 % der französischen Berater Frankreich und 55 % der Schweizer Berater die Schweiz nennen. 

Abgesehen von der Vorliebe für den eigenen Markt ist Deutschland laut 30 % aller Befragten insgesamt der zweitattraktivste Markt für Immobilieninvestitionen verglichen mit den anderen Regionen. In dieser Hinsicht wurde Deutschland nur von Frankreich übertroffen. 35 % der Befragten geben an, dass es sich um den Markt mit den attraktivsten Renditen handelt. 

Bei der Betrachtung von Teilsektoren im Immobilienbereich geben mehr als ein Drittel der deutschen Berater Industrieimmobilien (37 %) und Self-Storage (34 %) als Assets an, die die besten Anlagegelegenheiten bieten. 

Gottfried Hoerich, Head of Distribution Germany & Austria von Principal AM: „Anleger, die sich auf langfristige Trends und historische Sicherheit konzentrieren, sind angesichts des vor uns liegenden unsicheren wirtschaftlichen Umfelds für 2024 gut positioniert. Immobilien spielen eine wichtige Rolle, um Portfolios vor den Auswirkungen hoher Inflation zu schützen. Der polyzentrische Charakter des Immobilienmarktes, insbesondere in Deutschland, ist ein wichtiger Vorteil für Anleger. 

Deutsche Berater haben Private Credit als potenziellen Lichtblick im kommenden Jahr identifiziert. Obwohl die öffentlichen Märkte im Laufe des Jahres 2023 stark zugelegt haben, sind die Chancen für Anleger in Bereich der mittelständischen privaten Unternehmenskredite weiter attraktiv. In den nächsten Quartalen könnten Rezessionsängste, eine hohe Inflation und Volatilität an den öffentlichen Märkten die Anleger bei einer Allokation in diese Anlageklasse zögern lassen. Wir sind jedoch der Meinung, dass die Darlehen, die während des aktuellen und des kommenden Zeitraums gewährt wurden, einen Mehrwert liefern werden.“ (ml)