Unser Anspruch ist, dass Vermittler mit Blau schneller wachsen als der Markt

04.02.2026

Stephan Schinnenburg, Chief Commercial Officer bei blau direkt. Foto: © blau direkt

finanzwelt sprach mit Stephan Schinnenburg, Mitglied des Managements beim Lübecker Maklerpool blau direkt, dort verantwortlich für den Einkauf.

finanzwelt: Herr Schinnenburg, herzlichen Glückwunsch zu Ihrer neuen Aufgabe bei blau direkt. Sie sind nun seit rund drei Monaten im Amt und hatten Ihre erste Network Convention in dieser Funktion. Wofür tragen Sie bei blau direkt konkret die Verantwortung – und wo setzen Sie Ihren persönlichen Fokus?

Stephan Schinnenburg: Vielen Dank. Vereinfacht gesagt verantworte ich den Einkauf, also den strategischen Dialog mit den Versicherern. blau direkt ist Vermittlungsplattform für Versicherungsprodukte – und mein zentraler Auftrag ist es, unser Wachstum systematisch abzusichern. Dabei geht es längst nicht nur um Konditionen. Wir sprechen mit den Versicherern sehr intensiv über Produktdesign, technische Anbindungen und Prozesse. Die entscheidende Frage lautet nicht: Was können wir theoretisch gemeinsam machen, sondern: Was braucht der Markt, was brauchen unsere Vermittler und deren Kunden? Unser Anspruch ist klar: Produkte müssen so gestaltet sein, dass sie Vermittlern helfen zu wachsen. Unsere Ambition ist, dass ein Vermittler mit blau direkt mindestens doppelt so schnell wächst wie ohne uns.

finanzwelt: Ihre berufliche Laufbahn vereint Konzern-, Versicherer- und Maklerperspektiven. Wie prägt diese Vielschichtigkeit Ihre Arbeit in einem technologiegetriebenen Maklerpool wie blau direkt?

Schinnenburg: Diese Perspektivenvielfalt ist aus meiner Sicht ein großer Vorteil. Wir sind Serviceanbieter für Vermittler – deshalb müssen wir genau verstehen, wie Beratung funktioniert, wie Vermittler arbeiten und wie Kunden reagieren. Gleichzeitig ist es essenziell, die Bedürfnisse und Rahmenbedingungen der Versicherer zu kennen. Wir bewegen uns im gleichen Markt, haben aber unterschiedliche Geschäftsmodelle. Es gibt gemeinsame Interessen, aber auch Reibungspunkte. Wenn man beide Seiten kennt – ergänzt um internationale Erfahrungen aus dem englischen und US-amerikanischen Markt –, kann man diesen Dialog deutlich konstruktiver führen. Das hilft sowohl den Vermittlern als auch den Versicherern.

finanzwelt: Wo sehen Sie aktuell den größten Handlungsbedarf in der Zusammenarbeit zwischen Versicherern und Pools?

Schinnenburg: Ganz klar im Bereich der technischen Anwendungen und Prozesse. Ein gutes Produkt allein reicht nicht. Entscheidend ist, wie es technisch eingebunden wird und wie der gesamte Lebenszyklus des Vertrags abgebildet ist. Es geht nicht nur darum, wie ein Antrag ins Haus kommt, sondern auch um Bestandsverwaltung, Kommunikation, Änderungen, Dokumente – alles muss durchgängig funktionieren. Mit der simplr App haben wir eine der meistgenutzten Apps im Markt. Unser Anspruch ist: Alle relevanten Prozesse – vom Antrag bis zur Vertragsänderung – müssen dort abgebildet sein.

finanzwelt: blau direkt positioniert sich stark als Innovationstreiber. Besteht die Gefahr, dass Vermittler bei dieser technologischen Geschwindigkeit nicht mehr mitgenommen werden?

Schinnenburg: Ich beantworte das gern in drei Ebenen.

Erstens: klassische Technologie wie Maklerverwaltungsprogramme. Unser Ziel ist es, Bürokratie abzubauen und den Dialog zwischen Vermittler und Versicherer effizient zu gestalten.

Zweitens: Künstliche Intelligenz. Hier geht es um Prozessvereinfachung – etwa durch unsere Scan-Lösungen, die nicht nur Dokumente erfassen, sondern komplette Vorgänge automatisiert anstoßen.

Drittens – und das ist die entscheidende Frage: Überfordern wir Vermittler manchmal? Ehrlich gesagt: ja, gelegentlich. Deshalb ist unsere zentrale Botschaft: Verlass dich auf blau direkt.

Es ist unsere Pflicht, technologische Innovation so umzusetzen, dass der Vermittler im Mittelpunkt bleibt. Vertrauen entsteht nur, wenn wir sagen und zeigen: Wir nehmen dich mit.

finanzwelt: Welche Schwerpunkte setzen Sie für das laufende Jahr?

Schinnenburg: Ich sehe drei klare Schwerpunkte. Erstens tiefere datengetriebene Verzahnung mit Versicherern, um mehr Mehrwert und Wachstum für Vermittler zu generieren. Zweitens Weiterentwicklung unserer Plattformstrategie: Welche zusätzlichen Tools helfen Vermittlern konkret, erfolgreicher zu werden und schlussendlich den Ausbau unterrepräsentierter Geschäftsfelder, insbesondere Gewerbe sowie betriebliche Vorsorge (bAV und bKV). Unser Ziel ist klar: Es soll kein Geschäftsfeld geben, das ein Vermittler aus technischen Gründen nicht über blau direkt abwickeln kann. Denn nur ein vollständiger Bestand erlaubt eine saubere Analyse und optimale Kundenberatung.

finanzwelt: Welche Bedeutung hat für Sie die Pool-Alliance?

Schinnenburg: Es ist eine strategische Antwort auf Marktkonsolidierung und steigende technologische Anforderungen. Wir bieten unsere Technologie bewusst auch anderen Pools an – unabhängig davon, ob sie regional oder fachlich spezialisiert sind. Unser Ansatz ist: gleiche Technik, unterschiedliche Stärken. Diese technische Basis ermöglicht Zusammenarbeit, ohne Vielfalt zu zerstören. Fusionen sind dabei kein Muss, aber auch kein Tabu. Das Beispiel Maxpool zeigt sehr gut, wie aus technischer Kooperation Vertrauen und später ein Zusammengehen entstehen kann – ohne dass dies von Anfang an geplant war.

finanzwelt: Rechnen Sie langfristig mit weiteren Zusammenschlüssen innerhalb der blau-Familie?

Schinnenburg: Der Markt wird sich weiter konsolidieren, auch aus technologischem Druck heraus. Nicht jeder mittelständische Pool kann dauerhaft die nötigen Investitionen stemmen. Unser Modell ist offen: Schritt eins ist gemeinsame Technik. Schritt zwei – ein engeres Zusammengehen – kann daraus entstehen, muss aber nicht. Wir schließen das nicht aus, zwingen es aber auch niemandem auf. (hs)