Vom Diplom-Soziologen zum RiskManager
27.04.2026

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Ich bin Diplom-Soziologe. Mein Studium der Soziologie, Kommunikationswissenschaft und Sozialpädagogik an der TU Dresden habe ich 2005 abgeschlossen. Meine Diplomarbeit trug den Titel: „Events – individualisierende Vergemeinschaftungsform der postmodernen Gesellschaft“. Darin habe ich mich mit der Frage beschäftigt, ob Menschen sich primär über Gemeinschaften definieren – oder über individuelle Motive und Bedürfnisse innerhalb gemeinschaftlicher Strukturen.
Was damals theoretisch klang, prägt heute meine tägliche Arbeit sehr konkret. Jedes Unternehmen ist individuell. Jede Unternehmerpersönlichkeit folgt eigenen Entscheidungslogiken, Erfahrungen und Prioritäten – bewegt sich dabei jedoch immer innerhalb rechtlicher, wirtschaftlicher und organisatorischer Rahmenbedingungen. In genau diesem Spannungsfeld entsteht für mich verantwortungsvolle Risikoberatung. Ich beginne nicht bei Produkten, sondern bei Menschen und ihren unternehmerischen Realitäten.
Ich arbeite gern mit Menschen, weil Beratung für mich Beziehung bedeutet. Mich motiviert, Unternehmer langfristig zu begleiten – mit Struktur, Klarheit und einem ehrlichen Interesse an ihren individuellen Situationen. Ich sehe meine Aufgabe darin, Komplexität zu ordnen und daraus Handlungssicherheit zu schaffen. Standardlösungen widersprechen meinem Anspruch. Jede Beratung beginnt für mich neu – beim konkreten Unternehmen, bei den Menschen dahinter und bei den tatsächlichen Risiken.
Mein Weg in die Beratung – und warum Unabhängigkeit für mich entscheidend ist
Nach dem Studium wollte ich ursprünglich im Bereich Öffentlichkeitsarbeit arbeiten. Der damalige Arbeitsmarkt ließ diesen Weg jedoch kaum zu. Durch eine zufällige Begegnung ergab sich für mich die Möglichkeit, eine fundierte Ausbildung im Versicherungsbereich zu absolvieren. Die Verbindung aus betriebswirtschaftlichen Inhalten und der intensiven Arbeit mit Menschen hat mich überzeugt.
Der entscheidende Wendepunkt kam 2014 mit dem Wechsel vom gebundenen Vermittler zum unabhängigen Versicherungsmakler. Dieser Schritt war für mich weniger eine fachliche als eine grundsätzliche Haltung: Ich wollte Beratung konsequent aus der Perspektive des Unternehmers denken – nicht aus der Perspektive einzelner Anbieter. Die spätere Spezialisierung auf Gewerbekunden und Risikomanagement war die logische Weiterentwicklung dieses Anspruchs. Ich arbeite bewusst mit wenigen Mandanten intensiv zusammen, statt viele oberflächlich zu betreuen. Diese Form der Zusammenarbeit erlaubt mir, Verantwortung wirklich wahrzunehmen und nachhaltige Lösungen zu entwickeln.
Beratungsalltag: Strukturiert, persönlich und nah am Unternehmen
Mein Arbeitsalltag folgt klaren Strukturen: Analyse, Vorund Nachbereitung, Gespräche im Büro, digital und vor Ort im Unternehmen. Gerade die Termine im Betrieb sind für mich unverzichtbar, weil Risiken nur dort wirklich greifbar werden. Ich arbeite prozessorientiert, dokumentiere bewusst und überprüfe Annahmen regelmäßig, da sich Unternehmen permanent verändern.
Was mich fordert, sind zeitintensive Abstimmungen und Prozesse, die nicht immer so effizient laufen, wie es im Sinne der Mandanten wünschenswert wäre. Umso mehr bestärkt mich die Wertschätzung meiner Kunden, wenn Lösungen greifen, Schäden im Sinne des Unternehmens reguliert werden und sich über die Zeit eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickelt. Empfehlungen sind für mich dabei die ehrlichste Form von Anerkennung und ein Zeichen dafür, dass meine individuelle Arbeitsweise verstanden und geschätzt wird.
§ 1 StaRUG: Gesetzlicher Auftrag und persönlicher Anspruch
In der Praxis erlebe ich häufig, dass Unternehmer von einem vermeintlich ausreichenden Versicherungsschutz ausgehen. Eine strukturierte Risikoanalyse zeigt jedoch regelmäßig Lücken und Annahmen, die auf trügerischer Sicherheit beruhen. Hinzu kommt, dass der gesetzliche Auftrag zur Risikofrüherkennung nach § 1 StaRUG vielfach unbekannt ist – mit erheblichen Haftungsrisiken für die Unternehmensleitung.
Für mich ist § 1 StaRUG kein abstrakter Paragraf, sondern ein klarer Arbeitsauftrag. Meine Arbeitsweise folgt dabei einem strukturierten Prozess: Risiken werden identifiziert, bewertet, dokumentiert und in konkrete Maßnahmen überführt. Die größte Wirkung entsteht im gemeinsamen Auswertungsgespräch. Dort wird aus Analyse Orientierung – und aus Orientierung konkrete Handlung. Genau dieser Übergang von der Theorie in die Praxis entspricht meiner persönlichen Haltung zur Beratung.
Meine Haltung: Individuelle Beratung statt standardisierter Antworten
Gute Beratung beginnt für mich mit echtem Zuhören. Ich möchte die Logik eines Unternehmens verstehen, seine internen Zusammenhänge, Entscheidungswege und Besonderheiten. Daraus entstehen individuelle Lösungen – keine Schablonen. Ich arbeite bewusst mit Spezialisten zusammen, wenn es fachlich sinnvoll ist. Verantwortung bedeutet für mich auch, Nein zu sagen – etwa dann, wenn Erwartungen nicht zusammenpassen oder angedachte Lösungen für das Unternehmen nicht zielführend sind.
Risikoberatung ist kein einmaliger Vorgang, sondern ein fortlaufender Prozess. Nachhaltige Sicherheit entsteht nicht durch schnelle Absicherung, sondern durch kontinuierliche Auseinandersetzung mit Risiken, Veränderungen im Unternehmen und neuen Rahmenbedingungen.
Ausblick: Der RiskManager als Teil des Unternehmens
Die Beratung von Unternehmern wird individueller, komplexer und zugleich persönlicher. Digitale Werkzeuge unterstützen Prozesse, ersetzen jedoch nicht das Gespräch vor Ort, die gemeinsame Analyse und die Erfahrung aus dem direkten Austausch. Ich erlebe zunehmend, dass Unternehmer Berater als ausgelagerte, spezialisierte Funktion ihres Unternehmens verstehen. Diese Nähe erhöht die Verantwortung – und entspricht meinem Verständnis von Begleitung auf Augenhöhe.
Ich habe großen Respekt vor dem Mut von Unternehmern. Risiko gehört zum Unternehmertum. Entscheidend ist, wie bewusst damit umgegangen wird. Meine Aufgabe sehe ich darin, Risiken planbar, bewertbar und bearbeitbar zu machen – damit unternehmerische Entscheidungen nicht aus Unsicherheit, sondern aus Klarheit heraus getroffen werden.
Ein Beitrag von Robert Radicke, BVSV Gewerbezentrum, Dresden (West)

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