Stimmen der Investmentprofis

24.04.2026

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Was bewegt die Märkte? Welche Themen liegen im Trend? Die Chefredaktion hat wiederum Assetmanager zu ihren Schwerpunkten und aktuellen Highlights befragt. Was ist en vogue, was eher out etc. Insofern lesen Sie auf zwei Seiten kompakt Statements zu diversen inhaltlichen Sujets.

Frühjahr 2026. Der Iran-Krieg ist das zentrale Thema. An der Tankstelle wie an den Kapitalmärkten. Zumindest hat es so den Anschein. Es wird suggeriert, die Inflation käme zurück. Ist dem wirklich so? Vielfach liest man wieder von möglichen Zinsanhebungen. Wirklich? Das zarte europäische Wachstumspflänzchen im Keim ersticken? Wie allokiert man in diesen Zeiten? Welche Konsequenzen ergeben sich für Anleiheportfolios oder gemischte Fondslösungen? Viele Fragen, die exemplarisch in nachstehenden Antworten aufgegriffen werden. So sind Sie immer up to date. (ah)

Comeback der Qualität

Dividendenaktien rücken wieder in den Fokus: Nach einem herausfordernden Jahr 2025 erleben wir aktuell ein Comeback von Qualitätstiteln. Zudem bieten historisch niedrige Ausschüttungsquoten und solide Bilanzen Spielraum für steigende Dividenden. Die zumeist defensiven Dividendenwerte überzeugen in der aktuellen Phase von Marktunsicherheit durch Stabilität und verlässliche Erträge. In Zeiten geopolitischer Risiken und Volatilität dienen Qualitätsaktien als Stabilitätsanker im Portfolio und eröffnen attraktive Perspektiven für langfristig orientierte Anleger. Nicht zuletzt notieren viele Dividendentitel aktuell mit einem deutlichen Bewertungsabschlag zum Gesamtmarkt, was zusätzliches Potenzial eröffnet.

– Sam Witherow, Executive Director, Portfolio Manager, J.P. Morgan Asset Management

Iran und die US-Administration

Die Iran-Eskalation trifft das energieabhängige Europa 2026 härter als die USA. Dennoch wirkt die Krise massiv auf den US-Dollar: Trotz des innen politischen Ziels der Trump-Administration, den Greenback zu schwächen, flüchten Anleger in den „Safe Haven“. Dieser geopolitische Druck konterkariert die US-Wirtschaftspolitik direkt: Während man für den Export einen schwachen Dollar anstrebt, stärkt die eigene Außenpolitik ihn ungewollt und torpediert so die eigenen Ziele. Ein Grund mehr für die US-Regierung, den Konflikt schnell zu beenden.

– Jörg Held, Head of Portfolio Management, ETHENEA

Zwischen den USA und China: Resilienz statt Abhängigkeit

Zunehmender Protektionismus trifft die EU-Wirtschaft hart. Dabei nutzen Washington und Peking Handelshemmnisse als geopolitisches Druckmittel, besonders bei kritischen Rohstoffen, Energie und Schlüsseltechnologien, wo Europas Abhängigkeiten am größten sind. Neue Abkommen mit den Mercosur-Staaten und Indien sind deshalb keine Kür, sondern wirtschaftspolitische Vorsorge gegen künftige Schocks. Auch wenn sich die Effekte erst zeitverzögert materialisieren und der unmittelbare wirtschaftliche Nutzen nicht überschätzt werden sollte, senden die Abkommen ein klares Signal: Die EU setzt auf Diversifizierung, reduziert strategische Verwundbarkeiten und stärkt ihre wirtschaftliche Handlungsfähigkeit.

– Simon Landt, Kapitalmarkt-Experte, M.M.Warburg & CO

Small Caps als Diversifikation in einem Umfeld hoher Konzentration

Börsennotierte Small Caps wurden in den vergangenen Jahren von einigen Investoren vernachlässigt, die größere Unternehmen bevorzugten oder Small Cap Exposure über private Märkte suchten. Mit zunehmender Marktkonzentration können Small Caps jedoch wichtige Diversifikationsvorteile bieten. Unserer Ansicht nach gibt es berechtige Vorbehalte bei rein indexbasierten Small-Cap-Allokationen. Daher denken wir, sollte ein breit diversifiziertes Small Cap Investment einen Platz haben, welches Fundamentaldaten der zugrunde liegenden Unternehmen berücksichtigt. Darüber hinaus sollte ein Ansatz mit täglicher aktiver Überwachung einem Index vorzuziehen sein, der nur ein oder zweimal pro Jahr angepasst wird.

– Pay Fahlbusch, Head of Wholesale & ETFs DE/AT, Avantis Investors

Warum „Old-Economy“-Aktien plötzlich wieder gefragt sind

Angesichts der Sorgen über eine mögliche Disruption durch KI und deren Auswirkungen auf Unternehmen mit immateriellen Vermögenswerten – insbesondere Softwareunternehmen – sind traditionelle Sektoren wie Versorger, Telekommunikation und Basiskonsumgüter plötzlich wieder stärker gefragt. Diese Sektoren mit substanzstarken Geschäftsmodellen und langer wirtschaftlicher Beständigkeit bilden historisch das Rückgrat vieler Einkommensfonds, da diese etablierten Unternehmen im Zeitverlauf tendenziell verlässliche Cashflows und Dividendenströme erwirtschaften. Genau diese Qualität hat Anleger dazu veranlasst, hier Schutz zu suchen. Auch wenn wir erwarten, dass KI die Märkte weiterhin maßgeblich antreiben wird, sind Anleger gut beraten, sich weniger auf die Identifikation von Gewinnern und Verlierern zu konzentrieren, sondern vielmehr auf Unternehmen mit widerstandsfähigen Erträgen und stabilen laufenden Einnahmen, die sich über lange Zeit bewährt haben.

– Richard Saldanha, Portfoliomanager Global Equities, Aviva Investors