Warum 2026 zum Jahr der Managerselektion wird
09.03.2026

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Private Equity tritt 2026 in eine Phase ein, in der sich die Spielregeln spürbar verschieben. Hohe Zinsen und niedrigere Exit-Multiples begrenzen den Beitrag von Financial Engineering und Multiple-Expansion. Damit sind Manager zunehmend gezwungen, sich auf jene Werttreiber zu konzentrieren, die sie tatsächlich kontrollieren können – vor allem die operative Entwicklung der Portfoliounternehmen. In diesem Umfeld nimmt die Renditespreizung zu, und die Auswahl der richtigen Manager wird für Investoren zum entscheidenden Erfolgsfaktor.
Geringere Effekte von Leverage und Multiple-Expansion
Nach der spürbaren Belebung im 2. Halbjahr 2025, mit wieder gefüllten Deal-Pipelines, stabileren öffentlichen Märkten und anziehenden Exit-Werten, ist das Marktumfeld konstruktiver geworden. Gleichzeitig wäre es ein Trugschluss, darin eine Rückkehr zu früheren Mustern zu sehen. 2026 belohnt der Markt nicht mehr primär Struktur, sondern Substanz. Für viele Investoren bedeutet das eine Rückkehr zu Fragestellungen, die lange im Hintergrund standen: Wie belastbar ist das operative Wertschöpfungsmodell eines Managers – und wie konsequent wird es umgesetzt?
Operative Exzellenz wird zum Differenzierungsmerkmal
Vor diesem Hintergrund hält die Rückkehr zu den Grundlagen der Wertschöpfung weiter an. Allerdings mit einem deutlich höheren Anspruch. Tiefes Sektorverständnis, klar strukturierte operative Playbooks und der systematische Einsatz von Daten und Analytik sind heute zentrale Differenzierungsmerkmale. Dass bei Exits im Jahr 2024 der überwiegende Teil der Wertsteigerung aus Umsatzwachstum resultierte, unterstreicht diesen Wandel. Multiple-Expansion spielt eine deutlich geringere Rolle als noch vor wenigen Jahren. Gleichzeitig offenbart sich eine zunehmende Fähigkeitslücke. Viele Private-Equity-Häuser stehen noch am Anfang, die notwendigen operativen Strukturen und Teams aufzubauen. Manager, die hier belastbare Kompetenzen etabliert haben, setzen sich bereits heute über mehrere Marktphasen hinweg vom breiten Markt ab – eine Differenzierung, die sich auch im laufenden Selektionsprozess sehr klar zeigt. Vor diesem Hintergrund gewinnt Managerselektion weiter an Bedeutung. Renditespreizungen sind im Private-EquityMarkt nichts Neues. Neu ist jedoch die Erwartung, dass sich der Abstand zwischen den besten Managern und dem Mittelfeld weiter vergrößert. Outperformance konzentriert sich zunehmend auf jene, die auch in einem volatileren Umfeld aktiv und nachhaltig Wert schaffen können.
Realisation als neuer Maßstab für Erfolg
Parallel hat sich der Blick der Investoren auf Erfolgskriterien verändert. Distributions to Paid-in Capital (DPI) sind 2025 für viele zum zentralen Fortschrittsindikator geworden. Wert zu schaffen, reicht nicht mehr aus – er muss auch realisiert werden. Das prägt ein Fundraising-Umfeld, das sich zunehmend polarisiert. Klar positionierte Manager mit überzeugender Erfolgsbilanz ziehen weiterhin Kapital an, während andere mit viel längeren Fundraising-Zeiten und geringerer Planungssicherheit konfrontiert sind.
Mid-Market und Secondaries als strukturelle Gewinner
Besonders in Europa profitieren agile Mid-Market- und Spezialfonds von diesem Umfeld. 2026 können sie zu attraktiveren Bewertungen investieren, operative Hebel konsequenter nutzen und auf mehrere Exit-Kanäle zugreifen. Gleichzeitig gewinnt der Secondary-Markt weiter an Bedeutung. Angesichts verlängerter Haltedauern und hoher nicht realisierter Werte sind Secondaries längst mehr als ein reines Liquiditätsinstrument. Sie haben sich zu einem festen Bestandteil aktiver Portfoliosteuerung entwickelt – für Investoren ebenso wie für Manager. Ein weiterer prägender Faktor für 2026 ist künstliche Intelligenz. Auf Portfolioebene beschleunigt sie Effizienzgewinne und unterstützt operative Transformation. Gleichzeitig entstehen entlang der notwendigen Infrastruktur langfristig relevante Investitionsfelder – von Rechenzentren bis zur Energieversorgung. Gemeinsam mit der Energiewende und essenziellen Dienstleistungen zählen sie zu den robusteren Themen in einem Umfeld moderaten Wachstums.
Qualität als Prüfstein der nächsten Phase
War 2025 von der Wiederöffnung des Marktes geprägt, wird 2026 für viele Investoren zum Prüfstein ihrer Allokationsentscheidungen. Private Equity richtet sich neu aus: mit größerer Disziplin, stärkerem Fokus auf operative Exzellenz und konsequenter Managerselektion. Auch wenn Qualität schon immer entscheidend war, wird sie in diesem Umfeld zum alles bestimmenden Faktor.
Ein Beitrag von Steffan Pauls, Founder und CEO, Moonfare

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