Zeit für aktives Management

13.08.2026

(v.l.n.r.) Daniel Blum, Florian Friske und Karsten Marzinzik / Foto: © fw

finanzwelt: Wir gehen wieder einen Schritt zurück. Einige Takte zu Multi-Asset-Lösungen. In der Vergangenheit mal gefeiert als „Einstieg“ in die Aktienmärkte, kam mit 2022 die Ernüchterung.

Friske: Zunächst muss man sich die Frage nach ‚der‘ Definition von Multi-Asset stellen. Ein klassischer Mischfonds, bestehend aus Aktien und Renten, kann immer wieder vor eine harte Bewährungsprobe wie 2022 gestellt werden. Aktien runter, Anleihen runter. Dann ist der Nimbus der Alleskönner dahin. Bei LFDE sind wir sehr breit aufgestellt und spielen die ganze Klaviatur an Assetklassen. Sämtliche Finanzinstrumente wie beispielsweise Absolute Return oder Multi-Asset-Credit-Strategien können ein Baustein sein. Zur Einordnung: Bei LFDE liegen circa 20 % der gesamten Assets in MultiAsset-Lösungen.

Blum: Bei Jupiter bieten wir derzeit in Deutschland keine klassischen Multi-Asset-Lösungen an, adressieren aber den zugrunde liegenden Bedarf nach robusteren Portfolios, breiterer Diversifikation, bessere Risikosteuerung über Ansätze wie beispielsweise die systematische Aktienstrategie mit Absolute-Return-Charakter. So kann echte Diversifikation im Portfolio entstehen, weil die Strategie praktisch unkorreliert zu Aktien und Anleihen ist. Auf der anderen Seite denken wir, dass sich klassische 60/40-Portfolios überlebt haben und zumindest in der jüngeren Vergangenheit nicht wirklich den erhofften Erfolg brachten.

finanzwelt: Wie steht Swisscanto zum Thema Multi-Asset?

Marzinzik: Wir haben ein klares Commitment zu Multi-Asset-Produkten. Zum einen ein Fonds, der ausschließlich in Aktien und Renten investiert und sich über die lange Zeit von mehr als 20 Jahren am Markt bewährt hat. Der Artikel-9Fonds bringt regelmäßig eine Outperformance gegenüber den Vergleichsmärkten. Zum anderen haben wir ein Produkt, das neben den klassischen Assetklassen noch Gold und Alternatives hinzumischt. Ich glaube, dass derjenige Anleger, dem das reine Aktienrisiko zu groß ist, nach wie vor sehr gut in gemischten Fondslösungen aufgehoben ist.

finanzwelt: Wenn wir schon einen Vertreter eines Schweizer Hauses am Tisch haben, bietet es sich an, einige Worte zum Thema nachhaltiges Investieren zu verlieren. Ist Nachhaltigkeit bei Retailkunden (noch) ein Thema?

Marzinzik: Das Thema Nachhaltigkeit ist nicht weg, sondern hat in den vergangenen Jahren eher eine Art Konsolidierung erfahren. Andere Themen wie Rüstung, Inflation, Regulatorik überlagerten den Trend und ließen das Interesse an nachhaltigem Investieren abebben. Doch das Bedürfnis vieler Anleger, mit ihren Geldern etwas Positives in ökologisch-sozialer Hinsicht zu bewegen, bleibt. Ich erwähne beispielhaft unseren Sustainable-Climate-Fonds, der nachgefragt wurde und in den vergangenen zwei Jahren gut performt hat. Natürlich gab es allgemein einen Hype, der auf ein Mittelmaß zurückgekommen ist. Zudem waren viele Anleger verunsichert, was als nachhaltig gilt. Diese Unsicherheit sorgte auch für Zurückhaltung beim Investieren. Das ist ein strukturelles Problem, das mit klareren, strengen Standards gelöst werden kann.

Friske: Das sehe ich ähnlich. Ein gewisser Pragmatismus ist gefragt. Es gab Übertreibungen in beide Richtungen. Nachhaltigkeit ist auch bei uns ein integraler Bestandteil der Investmentstrategie und des Investmentprozesses. Unternehmen können nur auf ihre Umwelt und auf Veränderungen im Markt reagieren, wenn sie nachhaltig handeln. Energietransformation, ökologischer Wandel, Themen der Governance – alles Aspekte, die uns auf Dauer begleiten und nicht wegzudiskutieren sind.

finanzwelt: Wir haben es bereits angesprochen – die Trends der Branche. Wo sehen Sie diese, Herr Blum?

Blum: Der zentrale Trend ist eine breite Diversifikation im Portfolio, weg von eben starker US-Dominanz der vergangenen Jahre. Natürlich werden die USA immer ein wichtiger Markt bleiben, aber viele Anleger stellen mittlerweile fest, dass ihr US-Exposure sehr hoch ist. Bedeutet im Umkehrschluss, dass das Interesse an Lösungen in den Regionen Europa und insbesondere Asien zunimmt. Das soll natürlich nicht als eine Art Abgesang auf die USA oder US-Wirtschaft interpretiert werden. Doch es sind Anzeichen einer Normalisierung der globalen Allokation nach der sehr langen US-Outperformance erkennbar. Ferner gehören für uns im Rahmen einer möglichst breiten Diversifikation auch Gold und Edelmetalle dazu.

Marzinzik: Der Trend zu Schwellenmärkten im Kontext der Portfoliostreuung ist vorhanden. Sowohl auf der Aktien- als auch an der Anleiheseite. Zuletzt haben die Schwellenländer erneut ein starkes Quartal hingelegt, angeführt von Südkorea und Taiwan, die China überholten.

finanzwelt: Abschließend gefragt: Herr Friske, Ihr Blick in die Glaskugel. Wie schauen Sie in die nahe Zukunft?

Friske: Vorsichtig optimistisch. Die Sommermonate sind prinzipiell nicht einfach. Es könnte seitwärts volatil weitergehen ohne erkennbare klare Richtung. Aber wie gesagt, es führt kein Weg am Aktienmarkt vorbei. Dabei ist es lohnend, unter die Oberfläche zu schauen. Eine breite Diversifikation über Regionen, Sektoren und Stile scheint angebracht. Mitunter einen Blick auf die Nachzügler werfen, die mit den steigenden Märkten der Vergangenheit nicht mithalten konnten. (ah)