Bleibt der US-Dollar noch ein Safe Haven ?
05.05.2026

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Zum einen ist es nicht weg zu diskutieren, dass die US-Army die stärkste Armee weltweit darstellt. So sollten die Europäer froh sein, wenn der Nato-Austritt einer der nicht eingelösten Drohungen von Trump bleibt. Außerdem verärgert „Gott-Donald“ immer mehr Verbündete und erst recht die Widersacher der USA. Grönland, Venezuela, Kuba und jetzt Iran. Der Größenwahn lässt grüßen. Die Amerikaner haben zwar noch immer die größte Wirtschaft und die größte Börse. Aber speziell bei den Finanzen braut sich Unschönes zusammen.
Ein erster wichtiger Faktor ist das immer größer werdende Haushaltsloch. Lag das Minus zu Beginn des Jahrhunderts noch bei überschaubaren 57 Milliarden, wird der diesjährige Fehlbetrag auf 2,4 Billionen geschätzt. Der Iran-Krieg ist ein zusätzlicher Kostenpunkt. Vor allem, wenn er länger dauert, als Trump immer verkündet hat.
Daraus erwächst der nächste kritische Punkt für die USA-Finanzen: Der Schuldenberg wird immer höher. Die Wahrscheinlichkeit wächst, dass in diesem Jahr die 40 Billionen-Grenze überschritten wird. Dies bedeutet eine Verschuldung von über 125% zum BIP. Man kann aber nicht einfach die Schuldenbremse „reinhauen“, denn das BIP in den USA entsteht zu fast 40% aus den Staatsausgaben. So würde jede Reduzierung des Defizits auch das Wirtschaftswachstum negativ beeinflussen. Aber das Land ist zum Wachstum verdammt. Wachstum um jeden Preis.
Zum Damokles-Schwert werden daher die Zinsen. Die Zinsausgaben im letzten Bilanzjahr beliefen sich bereits auf 1,2 Billionen, und zwar bei einer Durchschnittsverzinsung von 3,3 Prozent. Diese Zinsen resultieren noch aus der Pandemie-Zeit, als die Zinsen unter zwei Prozent gelegen haben. Doch die Finanzierungen laufen aus. In 2026 müssen acht bis neun Billionen Kredite verlängert werden, zusätzlich zu den „neuen“ Schulden. Der zehnjährige Zins liegt in den USA bei zirka 4,40 Prozent, die zweijährigen bei 3,90 Prozent. Dies bedeutet: Jede Prolongation verteuert den Kreditzins, also erhöht den Zinsaufwand. Bei heutigen Zinsen und Schulden dürfte die Zinsposition in der Bilanz 2026 auf 1,6 bis 1,8 Billionen steigen und somit zur größten Position im Staatshaushalt anwachsen.
Zu all diesen Problemen gesellt sich ein menschliches Problem: Donald Trump! Er hat offensichtlich keinen Plan. Es scheint, er glaubt, Politik wäre eine Aneinanderreihung von Deals. Und so ändert er seine Aussagen in kurzen Abständen. Damit kann man vielleicht -wie wiederholt vermutet wurde- seinen eigenen Reichtum mehren, aber nicht ein Land aus einem Meer von Unwegsamkeiten führen. Umfragen bestätigen, dass seine Anhänger immer mehr von ihm enttäuscht sind. Seine Reden voller Selbtbeweihräucherungen und Falschdarstellungen werden immer unglaubwürdiger. Seine Politik ist voller Drohungen, Beeinflussungen und Manipulationen. Der US-Dollar ist zwar seit dem Angriff auf den Iran leicht gestiegen. Aber das ist zum Großteil auch dem gestiegenen Ölpreis (wird in US-Dollar gehandelt) geschuldet.
Trump versuch auch auf die Handlungen der Notenbank Einfluss zu nehmen. Sowohl der alte als auch der eventuell neue Fed-Chef werden durch Trump´s Forderungen zumindest verunsichert. Dabei ist die aktuelle Problematik ein schier unlösbares Problem. Der Iran-Krieg hat die Energiepreise stark ansteigen lassen. Dies löst steigende Inflation aus. Je länger der Krieg anhält, je größer die langfristige Wirkung. Höhere Inflation müsste gemäß Wirtschaftslehre höhere Zinsen nach sich ziehen. Höhere Zinsen beeinflussen aber das Wirtschaftswachstum negativ. Der wichtigste Indikator sind die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen. Selbst wenn die Fed die kurzen Zinsen senkt, könnten die längeren Zinsen steigen (vielleicht sogar deshalb). Und erst recht, wenn die Fed versucht durch Käufe dieser Staatsanleihen den Zins niedrig zu halten. Das würde allerdings die Geldmenge erhöhen. Steigende Geldmenge führt meist auch zu steigender Inflation. Ein Teufelskreis für die Notenbänker.
Würden Sie Aktien kaufen von einem Unternehmen, der aufgrund seiner sinkenden Bonität höhere Zinsen zahlen muss? Die militärische Macht wird dann nicht mehr ausschlaggebend sein. Was könnte dann den Dollar als „safe haven“ ersetzen: Die Umsetzung ist spätestens seit 2016 im Gange: Edelmetalle! Das Gold ist langlebig, knapp und hat kein Gegenpartrisiko. Und es hat seine Vorzüge seit über 5.000 Jahre bewiesen. Der Preis hat sich seit zwei Jahren noch immer verdoppelt, obwohl er in der aktuellen Konsolidierung um etwa 20 Prozent gefallen ist.
Für mich befindet er sich in der „buy-the-dip-Phase. Warum? Ich bin überzeugt, dass die Fed dem Wachstum mehr Priorität gibt als der Bekämpfung der Inflation. Auch der Markt selbst sendet positive Signale. Während die Nachfrage nach physischem Gold im letzten Quartal um über 40 Prozent gestiegen sind, haben Anleger ihre Gold-ETF´s und Goldaktien verkauft. Bei dem riesigen Kursanstieg sind Gewinnmitnahmen verständlich. Auch haben sie den Vermögensanteil nach der Hausse wieder etwas reduziert. Und die Presse hat über den Rückgang der letzten zwei Monaten öfter berichtet, als über den 250prozentigen Anstieg seit 2024. Aber aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Zustände ist die nächste Rallye nur eine Frage der Zeit.
Marktkommentar von Rolf Ehlhardt, Vermögensverwalter, I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH.

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