Nachgefragt bei Johannes Neder, VEMA

05.05.2026

VEMA-Vorstand Johannes Neder. Foto: © VEMA

Exklusiv

Vor kurzem hat die VEMA Versicherungsmakler Genossenschaft eG 9,9 Prozent der Anteile an der BCA AG übernommen. Damit vertiefen die beiden Unternehmen ihre seit 2023 bestehende Kooperation.

Im Interview erklärt VEMA-Vorstand Johannes Neder die strategischen Hintergründe der Beteiligung, konkrete Vorteile für die angeschlossenen Makler sowie die strategische Positionierung der VEMA im Wettbewerb mit anderen Maklerpools.

Herr Neder, was waren die entscheidenden Beweggründe für die Beteiligung der VEMA an der BCA und warum gerade jetzt?

Johannes Neder: Für uns war dieser Schritt die logische Fortentwicklung einer bereits seit 2023 bestehenden Kooperation. Wir haben in dieser Zeit erlebt, dass sich VEMA und BCA in ihrer Grundüberzeugung decken: Beide Häuser sind nicht von Investoreninteressen getrieben, sondern dem freien, unabhängigen Makler verpflichtet. Die VEMA als Genossenschaft der Makler und die BCA als Gesellschaft, deren Aktionäre ausschließlich Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit mit Wurzeln im Maklermarkt sind, ergänzen sich strukturell nahezu ideal. Der Zeitpunkt ergibt sich aus zwei Bewegungen. Zum einen verschärft sich die Konsolidierung im Maklerpool- und Plattformmarkt, getrieben durch Private Equity und konzerngebundene Strukturen. Zum anderen steigt die Bedeutung integrierter Beratung über Versicherung und Investment hinweg, nicht zuletzt durch regulatorische und demografische Entwicklungen. Wer in dieser Phase als unabhängiger Makler arbeitsfähig bleiben will, braucht einen Verbund, der Investmentkompetenz dauerhaft, leistungsfähig und investorenunabhängig sicherstellt. Mit dem Erwerb der 9,9 % Anteile, die zuvor von der Knörrer GmbH und der bbg Betriebsberatungs GmbH gehalten wurden, sichern wir unseren Mitgliedern genau diesen Zugang. Es ist eine langfristige strategische Entscheidung, kein Finanzinvestment.

Welche konkreten Vorteile ergeben sich dadurch für die angeschlossenen Makler?

Neder: Der unmittelbare und greifbarste Vorteil ist der gesicherte und perspektivisch erweiterte Zugriff auf leistungsfähige Investmentlösungen, einschließlich der Vermögensverwaltungs- und Haftungsdach-Strukturen der BCA-Gruppe. Damit kann ein VEMA-Makler, der bislang vor allem im Versicherungsbereich aufgestellt ist, sein Geschäftsmodell um den Bereich Investment und Vermögensaufbau ergänzen, und zwar auf einer Plattform, die in ihrer Eigentümerstruktur denselben Unabhängigkeitsanspruch verfolgt wie die VEMA selbst.

Mittelbar entstehen daraus weitere Vorteile. Erstens eine integrierte Beratungsmöglichkeit, also Versicherung und Kapitalanlage aus einer Hand, was im Privatkundensegment ebenso wie bei Gewerbekunden mit Altersvorsorge- und Vermögensthemen einen klaren Wettbewerbsvorteil darstellt. Zweitens eine Stabilitätszusage: Unsere Mitglieder müssen nicht befürchten, dass der Investmentpartner kurz- oder mittelfristig in eine Investorenlogik überführt wird. Drittens, und das halte ich für unterschätzt, ein Beitrag zum Werterhalt des Unternehmens des Maklers selbst. Wer sein Lebenswerk aufgebaut hat, will dieses in eine Struktur einbringen können, die seine Unabhängigkeit auch nach einem Generationenwechsel respektiert. Die konkreten operativen Bausteine werden wir gemeinsam mit der BCA im Laufe des Jahres vorstellen.

Der Markt ist hart umkämpft. Inwiefern verändert die Beteiligung die strategische Positionierung der VEMA im Wettbewerb mit anderen Maklerpools und Plattformen?

Neder: Der Markt der Maklerpools und Plattformen ist tatsächlich hart umkämpft, und er polarisiert sich. Auf der einen Seite sehen wir eine zunehmende Zahl von Pool- und Plattformmodellen, die ganz oder teilweise von Finanzinvestoren getragen werden, mit den dazugehörigen Renditeerwartungen und Exit-Logiken. Auf der anderen Seite stehen Strukturen, deren Eigentümer dauerhaft im Markt verankert sind und kein Interesse an einem Verkauf haben.

Mit dieser Beteiligung positionieren wir die VEMA gemeinsam mit der BCA klar im zweiten Lager, und zwar als bewusste Alternative. Unser Wettbewerbsvorteil liegt nicht im aggressivsten Preis oder im lautesten Marketing, sondern in einer Eigentümerstruktur, die der unternehmerischen Logik unserer Mitglieder entspricht. Genossenschaft trifft auf Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit, beides Rechtsformen mit langfristigem Zeithorizont, mit Mitglieder- bzw. Versichertenorientierung und ohne Exit-Druck.

Strategisch bedeutet das: Wir konkurrieren nicht primär mit anderen Pools um den nächsten Provisionspunkt, sondern um Makler, die ihre unternehmerische Souveränität auch in zehn oder zwanzig Jahren noch erhalten wollen. Genau dieses Segment wächst, und genau für dieses Segment sind wir die strukturell passende Heimat.

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