Deutschland bleibt Land von Immobilienmuffeln

15.04.2026

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In keinem europäischen Land leben so viele Immobilienmuffel wie in Deutschland. Das ist ein Ergebnis des Europa-Wohnimmobilien-Trendreports des Immobilienmakler-Netzwerks Remax mit europaweit mehr als 21.000 Befragten. Danach hat nahezu jeder Dritte in Deutschland (31 Prozent) keinerlei Interesse an eigenem Wohneigentum. Mit diesem Wert belegt die Bundesrepublik den absoluten Spitzenplatz. Er ist mehr als doppelt so hoch wie europäische Durchschnitt von 15 Prozent.

Entsprechend bleibt Deutschland ein Land der Mieterinnen und Mieter. Laut der Umfrage ist deren Anteil mit 63 Prozent so hoch wie nirgendwo sonst in Europa. Die Schweiz erfolgt zwar mit dichtem Abstand (62 Prozent), Platz drei in der Rangliste der Länder mit hoher Mieterquote teilen sich dann aber erst Österreich und Finnland mit 48 Prozent. Im europäischen Schnitt liegt der Anteil der Mieter dort nur bei 29 Prozent.

Die Gründe für das fehlende Interesse an selbstgenutztem Immobilieneigentum sind vielfältig: Besonders stark fällt ins Gewicht, dass die Befragten mit der aktuellen Situation zum Beispiel als Mieter zufrieden sind (57 Prozent) oder die Verpflichtungen vermeiden wollen, die mit Wohneigentum in Verbindung stehen (30 Prozent). Nahezu jeder fünfte Immobilienmuffel (18 Prozent) schätzt die Flexibilität des Mietens.

Loredana Scirè, Pressesprecherin von Remax Germany: „Die hohe Mietquote sorgt immerhin dafür, dass Mieter flexibler auf Jobwechsel reagieren können. Gerade die immensen Grunderwerbsteuern in Deutschland hemmen flexible Immobilienwechsel bei Eigentümern.“

In der aktuellen Umfrage geben 32 Prozent der Befragten an, dass sie in einer selbstgenutzten eigenen Immobilie leben, die ihnen entweder bereits gehört oder die sie gerade abbezahlen.

Loredana Scirè: „Der konstant niedrige Anteil der Eigentümer in Deutschland ist ein Warnsignal. Vor allem im Hinblick auf die Altersvorsorge ist eine Immobilie ein wesentlicher Faktor, da sie mietfreies Wohnen im Ruhestand ermöglicht und damit die monatlichen Fixkosten drastisch senkt oder zusätzliche Einnahmen aus einer Vermietung bringt.“

Europaweit die höchsten Eigentumsquoten finden sich in Süd- und Osteuropa. Rumänien hat mit 83 Prozent die Nase vorn, gefolgt von Bulgarien und Kroatien mit jeweils 80 Prozent. Auf dem dritten Platz liegen Italien und Litauen, wo jeweils 79 Prozent der Befragten in selbstgenutztem Wohneigentum leben.

Loredana Scirè: „Die sinkende Eigentumsquote in Deutschland ist ein Hinweis darauf, dass staatliche Förderprogramme, die Interessierte beim Kauf einer eigenen Wohnimmobilie unterstützen, offensichtlich ins Leere laufen. Sie sind meist eher Symbolpolitik als wirksames Instrument, unter anderem weil die Förderung im Verhältnis zu den hohen Bau- und Erwerbskosten gering ist. Eine Senkung der Kaufnebenkosten würde hier mehr helfen“.

„Für viele Bürgerinnen und Bürger ist die Finanzierung weiterhin die größte Hürde für den Erwerb einer selbstgenutzten Immobilie. Um mehr Menschen in Eigentum zu bringen, wäre auch eine Senkung des notwendigen Eigenkapitalanteils hilfreich. Maklerinnen und Makler sind dann aber gefordert, nicht nur bei der Auswahl einer Immobilie, sondern auch bei der Finanzierung beratend unterstützen zu können“, so Scirè.

Aufgrund der vergleichsweise satten Kaufnebenkosten brauchen Käuferinnen und Käufer in Deutschland im Schnitt 10,2 Jahre, um eine Anzahlung für ihre erste Immobilie anzusparen. Damit liegt Deutschland europaweit auf dem letzten Platz. Im Durchschnitt sparen Europäer rund 7,3 Jahre auf ihre Immobilien-Anzahlung. Am schnellsten geht es mit lediglich vier Jahren in Finnland. (mho)