Schwellenländer – ein Muss in jedem Depot

16.04.2026

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Viele Schwellenländer-Börsen konnten in die Renditeerwartungen vieler Anleger in den vergangenen Jahren nicht immer erfüllen. Das Jahr 2026 könnte in einigen Emerging Marktes jedoch eine nachhaltige und langfristige Wende einläuten. Vor allem das Zusammenspiel aus soliden Fundamentaldaten, sinkenden Schuldenlasten und einem günstigen Währungsumfeld könnte sich für Investoren auf lange Sicht auszahlen.

An den internationalen Kapitalmärkten vollzieht sich bereits ein langsamer und noch recht stiller Umbruch. Die Herausforderung besteht für Investoren vor allem darin, solche Entwicklungen frühzeitig zu identifizieren und die entsprechenden Weichen zu stellen – und das ist alles andere als trivial. Der Reihe nach.

US-Aktienmarkt war und bleibt attraktiv

In den vergangenen Jahren war die Anlagestrategie für viele Privatanleger oftmals sehr simpel: „Kauf den S&P 500 oder den MSCI World und vergiss den Rest.“ Verstärkt wurde dieser Trend zusätzlich vom Boom rund um die KI und der Dominanz der sogenannten „Magnificent Seven“ – zwei Faktoren, die vor allem den US-Börsen in den vergangenen Jahren ordentlich Rückenwind verliehen haben. Verstehen Sie mich nicht falsch, der US-Aktienmarkt bietet auf mittlere und lange Sicht auch weiterhin attraktive Renditeaussichten. Richtig ist aber auch, dass die globale politische, wirtschaftliche und geopolitische Gemengelage an Komplexität gewonnen hat – und damit eingehend die Anforderungen für einen erfolgreichen Vermögensaufbau größer du komplizierter geworden sind.

Emerging Markets gewinnen an Bedeutung

Dies bedeutet auch, dass Anleger ihre mögliche Skepsis gegenüber den Emerging Markets überdenken sollten – und zwar aus mehreren Gründen. Zum einen präsentieren sich die Schwellenstaaten als Wachstumsmotor der Weltwirtschaft, wenngleich dies freilich nicht für alle Emerging Markets zutrifft. Aber: Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet für alle Schwellenstaaten 2026 ein durchschnittliches Wachstum von immerhin 4,0 Prozent, wobei die Impulse primär aus den dynamischen Volkswirtschaften Asiens kommen. Zum Vergleich: Für den Euroraum prognostizieren die IWF-Ökonomen lediglich einen BIP-Zuwachs von 1,1 Prozent.

Der „Greenback“ als Zünglein an der Waage

Zugute kommt einigen Emerging Markets dabei der immer noch – historisch betrachtet – schwache Dollar. Die Gründe: Zahlreiche Schwellenstaaten weisen hohe Schulden in Dollar auf. Verliert der Greenback an Boden, sinkt einerseits die reale Last der auf Dollar lautenden Schulden. Andererseits steigen die in Lokalwährung gerechneten Gewinne der Exporteure, sobald sie ihre Erlöse zurücktauschen. Diese Entlastung der Bilanzen schafft Spielraum für Investitionen und Dividenden.

Emerging Marktes an institutionelle Reife gewonnen

Und: Wer bei Emerging Markets noch ausschließlich an politische Instabilität und galoppierende Inflation denkt, verkennt die Fortschritte einiger Schwellenstaaten in den zurückliegenden Jahren.

  • Fiskal- und Geldpolitik: Die Disziplin in der Haushaltsführung hat deutlich zugenommen. Zudem haben viele Zentralbanken in den Emerging Markets den Inflationskampf früher und entschlossener aufgenommen als die EZB oder die Fed
  • Strukturelle Reformen: Von der Digitalisierung der Verwaltung bis hin zu marktfreundlichen Reformen – die institutionellen Rahmenbedingungen haben sich deutlich verbessert, allen voran in einigen asiatischen Staaten.
  • Widerstandsfähigkeit: Die Abhängigkeit von ausländischem Kapital ist durch die Entwicklung lokaler Rentenmärkte gesunken.

Diese „institutionelle Reife“ sorgt auch dafür, dass die Volatilität von Aktien sukzessive abnimmt, wenngleich sie noch immer höher ist als in den westlichen Industriestaaten. Kurzum: Die Märkte in den Emerging Markets werden erwachsener. Die Zeiten, in denen die Schwellenländer eine Grippe bekommen, wenn die USA einen Husten haben, neigen sich also langsam, aber sicher dem Ende.

Emerging Markets: geringere, aber nicht zu unterschätzende Risiken

Doch Vorsicht: Die Risiken von Emerging Markets-Investments sind in den zurückliegenden Jahren gesunken, aber nach wie vor größer als Investitionen in Industriestaaten. Die zunehmenden geopolitischen Spannungen, Handelsstreitigkeiten oder löchrige Lieferketten können jederzeit für vergleichsweise kräftige Rücksetzer sorgen. Und: Sollte der Dollar wieder an Stärke gewinnen, dürfe das dem einen oder anderen Schwellenstaat zusätzlich zu schaffen machen.

Dennoch: Einige Emerging Markets – allen voran aus Südost-Asien und vereinzelt aus Südamerika – sind inzwischen nicht mehr nur eine spekulative Beimischung, sondern ein Kernbestandteil eines diversifizierten Depots, wenngleich dieser nach wie vor kleiner ausfallen sollte als der der westlichen Industrienationen. Die Kombination aus einem vorteilhaften Währungsumfeld und robusten Wachstumsraten sowie strukturellen Reformen haben die Attraktivität einiger Emerging Markets in den vergangenen Jahren Stück für Stück erhöht.

Ein Beitrag von Dr. Markus C. Zschaber, Gründer der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft in Köln