Hohe Risikolage für Schiffsversicherer in Golfregion
16.04.2026

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Der internationale Transportversicherungsmarkt zeigt sich trotz der anhaltenden Blockade der Meerenge von Hormus widerstandsfähig. Deckungen für Warentransport- und Schiffsversicherung bleiben verfügbar, auch wenn die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten die Risikolage spürbar verändert haben. „Der Markt funktioniert, auch unter schwierigen Bedingungen. Versicherer passen Konditionen und Preise an, ziehen sich aber nicht zurück", sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). „Wer Ladung in der Golfregion zu verschiffen hat, wird Versicherungsschutz finden – zwar zu veränderten Bedingungen, aber er wird ihn finden."
Für den deutschen Markt sind die Auswirkungen insbesondere in der Warentransportversicherung spürbar. Warenversicherer müssen prüfen, in welchem Umfang sie in den von der Blockade betroffenen Regionen exponiert sind. „Auf dieser Grundlage ist zu entscheiden, inwieweit bestehende Kriegsdeckungen für diese Gebiete unter angepassten Konditionen weiter zur Verfügung stehen”, so Asmussen. Dennoch bleibt erhebliche Kapazität verfügbar. Umgeleitete Transporte und gesunkenes Schiffsaufkommen rund um die Straße von Hormus erhöhen die Komplexität, ohne jedoch die grundsätzliche Versicherbarkeit in Frage zu stellen.
In der Kaskoversicherung ist das Bild ähnlich stabil. Die erhöhte Risikolage im Persischen Golf hat dazu geführt, dass Versicherer von ihrem vereinbarten Recht zur Vertragsanpassung Gebrauch gemacht haben. Dies betrifft ausschließlich das Kriegsrisiko; die regulären Deckungen für die klassischen Seegefahren bestehen unverändert fort. Für die betroffenen Gebiete unterbreiten Versicherer den Versicherungsnehmern Angebote zur Fortführung der Kriegsdeckung, in der Regel verbunden mit einer risikoadäquaten Kriegszulage.
„Dass Versicherer Schiffe in der Straße von Hormus generell nicht mehr versichern, trifft nicht zu“, erklärt Asmussen. „Es findet der gängige Marktmechanismus bei gestiegenem Kriegsrisiko statt.“ Auf den deutschen Erstversicherungsmarkt wirkt sich die Situation im Persischen Golf ohnehin nur begrenzt aus, da Kriegsdeckungen in der Seekaskoversicherung hierzulande traditionell eine untergeordnete Rolle spielen.
Insgesamt sind aktuell nach Angaben der Lloyd’s Market Association rund um die Straße von Hormus etwa 1.000 Schiffe von der Blockade betroffen, auf denen rund 20.000 Seeleute ausharren. 25 Schiffe wurden im Verlauf des Konflikts von Beschuss getroffen.
Die rund 80 in Deutschland tätigen Transport- und Luftfahrtversicherer bieten Deckungen für Reisen und Transporte auf dem Luft-, Land- und Seeweg und versichern Flugzeuge und Schiffe jeder Größe vom Wassersportfahrzeug bis zum Containerschiff und deren Ladung. Rund 80 Prozent der Beitragseinnahmen in Höhe von über 2,5 Milliarden Euro (2025) entfallen auf Unternehmen und Gewerbetreibende.
Der deutsche Transport- und Luftversicherungsmarkt zeichnet sich durch eine starke Position in Europa und eine hohe Internationalisierung mit Fokus auf der Exportabsicherung aus. Im vergangenen Jahr haben die Transport- und Luftfahrtversicherer Schäden in Höhe von 1,4 Milliarden Euro reguliert. (mho)

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