Ein (un)lösbares deutsches Drama?
06.03.2013

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Die Zahl der Geburten hat sich halbiert. Die heute schon berechenbare Zahl der als Eltern zur Verfügung stehenden Deutschen sinkt dramatisch.Wer seine Rente plant, muss über private Vorsorge beraten werden. Die Sozialkassen haben Probleme und auch manche neue private Vorsorge wird in Zukunft etwas teurer als erwartet.
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Deutschland hatte im Jahr 2011, nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes, die niedrigste Geburtenzahl seiner Geschichte. Nur 663.000 Kinder wurden lebend geboren. Im Vergleich zum bisherigen geburtenstarken Rekordjahr 1964 mit 1.357.304 Geburten waren das 694.304 Neugeborene weniger, der Rückgang beträgt etwas mehr als 51 %. Politiker führen wilde Debatten darüber, wie dieses Desaster in Zukunft verändert werden kann. Die Familienministerin Dr. Kristina Schröder erkennt zwar aufgrund ihrer Interpretation der Zahlen eine Notwendigkeit für weitere familienpolitische Maßnahmen und plant neue Ausgaben aus nicht vorhandenen Steuereinnahmen, aber ist das real-politisch vernünftig?
Ein mathematischer Blick auf die amtliche Statistik führt zu völlig anderen Erkenntnissen: Der Zug in ein kinderreiches Deutschland ist in der Realität längst abgefahren. Was braucht das Land, wenn wir deutschen mehr Kinder haben wollen? Zusätzliche Kinderbetreuungsanstalten oder andere neue Milliardenausgaben des deutschen Staates werden da kaum helfen.
Kinder brauchen schlicht Eltern. Kinder, die nie geboren wurden, können später nie Eltern werden. Bei der Geburt des ersten Kindes sind die Eltern im Durchschnitt 30 Jahre alt. Derzeit wird also der Nachwuchs der Kinder der 80er Jahre geboren. In den 80ern lag die Geburtenzahl etwa bei zwei Dritteln der geburtenstarken 60er Jahre. Führt man diese Zahlenreihe fort, so wird schnell erkennbar, dass die Geburtenzahlen unvermindert weiter sinken müssen. Dieser Trend lässt sich nicht durch mehr Kinderbetreuungsanstalten oder durch noch höhere Eltern- oder Betreuungsgelder ändern.
Der weitere Absturz ist berechenbar. Wenn im nächsten Jahrzehnt die Kinder aus den 90ern in die Elternschaft kommen, wird es 49.080 Eltern oder 24.540 Elternpaare weniger geben. Bei einer Geburtenrate von 1,39 Kindern je Paar werden die Geburtenzahlen um weitere 34.356 Köpfchen zurückgehen, aber noch über 600.000 bleiben.
Im folgenden Jahrzehnt, das 2030 beginnt, sind dann nur noch 591.743 Geburten zu erwarten. Unter diesen Umständen ist nicht zu verantworten, wenn ein überschuldetes Land hektisch weitere Kinderbetreuungsanstalten schaffen würde, um Planstellen für Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen abzusichern, deren Dienste künftig nicht mehr gebraucht werden.
Hilfe verspricht die Zunahme an Zuwanderung qualifizierter junger Menschen aus Südeuropa. Allerdings kann dies einen neuen Transfer innerhalb Europas auslösen, den die jungen talentierten Griechen, Italiener, Spanier und Portugiesen fehlen in ihrem Herkunftsland als Steuerzahler, Sozialversicherungsmitglieder und auch als potentielle Eltern zur Gründung von Familien. Experten wie Professor Dr. Herwig Birg, Universität Berlin, erwarten durch diese Zuwanderung zwar eine Abmilderung der demographischen Herausforderung, aber keine Lösung für die Entwicklung in Deutschland.
Besser wäre es da die private Vorsorge wieder stärker staatlich zu fördern, um die absehbaren Einnahmeausfälle der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) sowie der anderen sozialen staatlichen Absicherungen abzumildern. Den Sozialkassen fehlen dramatisch die jungen Einzahler. Zur ständigen Baustelle für politische Reformen dürften sich die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung und die staatliche Pflegeversicherung entwickeln.
Spezialisten für private Vorsorge werden gebraucht, trotz aller Häme und Hass, die der Verbraucherschutz und auch einige Politiker über den Berufsstand täglich verbreiten. Der viel diskutierte Zwang zu einer Einheitskasse in der Krankenversicherung wird unter den Aspekten einer soliden Finanzierung fragwürdiger. Aber auch die neue und ab diesem Jahr geförderte private Pflegeabsicherung droht etwas teurer zu werden, als ursprünglich geplant.
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Dietmar Braun_
Die Demographie

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