Weiterbildung als Schlüssel für die Arbeitswelt von morgen
05.11.2026

Marcus Aßmuth, Mitglied des Vorstands der Deutschen Vermögensberatung (DVAG). Foto: © DVAG
Der Fachkräftemangel prägt seit Jahren die wirtschaftspolitische Diskussion. Doch die aktuelle Entwicklung am Arbeitsmarkt deutet auf eine tiefgreifendere Veränderung hin. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und neue Anforderungen an Unternehmen verändern nicht nur einzelne Tätigkeiten, sondern ganze Berufsbilder. Damit rückt zunehmend die Frage in den Mittelpunkt, wie Menschen auf eine Arbeitswelt vorbereitet werden können, die sich kontinuierlich verändert.
Wie groß die Herausforderung bereits heute ist, zeigt eine aktuelle Fachkräftemangel-Studie*: 86 Prozent der Unternehmen in Deutschland berichten von Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen. Der Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte hat sich damit zu einer der zentralen Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft entwickelt. Gleichzeitig verändern Digitalisierung und technologische Entwicklungen die Anforderungen an zahlreiche Berufsbilder grundlegend. Gefragt sind deshalb mehr denn je Qualifikation, Lernbereitschaft und die Fähigkeit, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Qualifizierung als kontinuierlicher Prozess
Die Vorstellung, dass ein Berufs- oder Hochschulabschluss die Grundlage für ein gesamtes Berufsleben bildet, verliert in vielen Bereichen an Bedeutung. Gerade in wissensintensiven Branchen ist Qualifikation heute kein abgeschlossener Zustand mehr. Fachwissen muss regelmäßig aktualisiert und um neue Kompetenzen ergänzt werden. Unternehmen investieren daher zunehmend in Ausbildungs- und Weiterbildungskonzepte, die Lernen als dauerhaften Entwicklungsprozess verstehen. Ein Beispiel dafür ist die Finanzberatung. Neue regulatorische Anforderungen, digitale Technologien und veränderte Erwartungen von Kundinnen und Kunden entwickeln auch die Anforderungen an professionelle Beratung kontinuierlich weiter. Für Vermittlerinnen und Vermittler bedeutet das: Entscheidend ist nicht allein der einmal erworbene Wissensstand, sondern ebenso die Bereitschaft, die eigenen fachlichen und persönlichen Kompetenzen fortlaufend auszubauen.
„Die gegenwärtige Entwicklung ist nicht ausschließlich als quantitativer Fachkräfteengpass zu interpretieren, sondern als struktureller Wandel der Kompetenzanforderungen am Arbeitsmarkt“, erläutert Marcus Aßmuth, Mitglied des Vorstands der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) und u.a. verantwortlich für die Kooperation mit der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW). „Eine langfristig erfolgreiche Begleitung beruflicher Entwicklung setzt daher voraus, Qualifizierung als kontinuierlichen Prozess zu verstehen. Zukünftig wird weniger der einmal erworbene Wissensstand entscheidend sein als vielmehr die Fähigkeit, Wissen fortlaufend zu aktualisieren, in neue Kontexte zu übertragen und zur Bewältigung veränderter Anforderungen anzuwenden“, so Aßmuth weiter.
Information allein schafft noch keine Klarheit
Der Zugang zu Wissen war selten so einfach wie heute. Digitale Plattformen und KI-gestützte Anwendungen stellen innerhalb weniger Sekunden umfangreiche Informationen bereit. Gleichzeitig wächst jedoch der Bedarf an verlässlicher Orientierung. Gerade bei komplexen Entscheidungen reicht es häufig nicht aus, Informationen lediglich verfügbar zu machen. Entscheidend ist vielmehr die Fähigkeit, Zusammenhänge zu verstehen, Prioritäten einzuordnen und Informationen auf die individuelle Situation zu übertragen. Diese Einordnungsfunktion gewinnt auch in der Finanzberatung zunehmend an Bedeutung. Qualifizierte Beratung besteht heute vor allem darin, Komplexität verständlich zu machen und Menschen dabei zu unterstützen, fundierte Entscheidungen zu treffen.
Kontinuierliche fachliche Weiterbildung bildet dafür eine wesentliche Voraussetzung. Rund acht Millionen Kundinnen und Kunden setzen bei den Themen Absicherung, Altersvorsorge und Vermögensaufbau auf die Kompetenz und Erfahrung der Vermögensberaterinnen und Vermögensberater der Deutschen Vermögensberatung. In 5.200 Direktionen und Geschäftsstellen bieten die Finanzcoaches eine branchenübergreifende und individuelle Beratung.
Nicht der Einstieg entscheidet, sondern die Entwicklung
Der Wandel zeigt sich auch bei Ausbildung und beruflicher Entwicklung. Klassische Karrierepfade werden zunehmend durch flexible Modelle ergänzt. Dazu gehören berufsbegleitende Qualifizierungen, duale Studiengänge und modulare Weiterbildungsangebote. Dabei ist häufig weniger der ursprüngliche Bildungsweg entscheidend als die Bereitschaft, sich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln. Besonders gefragt sind Konzepte, die theoretisches Wissen mit praktischer Erfahrung verbinden und junge Menschen frühzeitig an Verantwortung und unternehmerisches Denken heranführen. Wie groß das Interesse an solchen Entwicklungswegen ist, zeigte zuletzt der Karrieretag „STARTKLAR“ der Deutschen Vermögensberatung in Marburg. Nachwuchskräfte, Vermögensberaterinnen und Vermögensberater sowie Bildungspartner diskutierten dort über Karrierewege, Qualifizierungsmöglichkeiten und die Zukunft der Finanzberatung. Im Mittelpunkt standen Bildungsmodelle, die Studium, Praxiserfahrung und persönliche Entwicklung miteinander verbinden. Die Deutsche Vermögensberatung investiert nach eigenen Angaben jährlich mehr als 90 Millionen Euro in die Aus- und Weiterbildung ihrer Vermögensberaterinnen und Vermögensberater. Dahinter steht die Überzeugung, dass Beratungsqualität eng mit kontinuierlicher Qualifizierung verbunden ist.
Weiterbildung als strategischer Erfolgsfaktor
Der Wandel am Arbeitsmarkt spricht dafür, Weiterbildung künftig nicht mehr als ergänzendes Angebot zu betrachten. In vielen Branchen entwickelt sie sich zu einem festen Bestandteil beruflicher Laufbahnen. Unternehmen stehen damit vor der Aufgabe, Menschen nicht nur für konkrete Tätigkeiten zu qualifizieren, sondern sie langfristig bei ihrer fachlichen und persönlichen Entwicklung zu begleiten. Die Fähigkeit, neues Wissen aufzunehmen und sich an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen, wird zunehmend zu einem zentralen Erfolgsfaktor für Beschäftigte und Unternehmen gleichermaßen.
Weiterbildung entwickelt sich damit von einer einzelnen Qualifizierungsmaßnahme zu einer strategischen Voraussetzung für langfristige Zukunftsfähigkeit. Für die Finanzberatung bedeutet das: Qualifikation, die Fähigkeit zur verständlichen Einordnung komplexer Informationen und die kontinuierliche persönliche Weiterentwicklung gehören untrennbar zusammen. Sie schaffen die Grundlage dafür, Kundinnen und Kunden auch unter veränderten Rahmenbedingungen fundiert zu begleiten und zugleich neue berufliche Perspektiven zu eröffnen.
* Quelle: ManpowerGroup: Studie Fachkräftemangel 2025, abrufbar unter: https://www.manpowergroup.de/de/insights/studien-und-research/studien/2025/01/20/15/32/mpg-studie-fachkraeftemangel-2025
Ein Beitrag der Deutschen Vermögensberatung (DVAG).

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