Gute Performance im Portfolio – Zeit für Rebalancing?

23.02.2026

Bewertungsprobleme bei Finanztiteln

Auch Finanztitel liefen im Jahr 2025 sehr gut. Der Kurs der Deutschen-Bank-Aktie konnte sich verdoppeln, die Aktie der Commerzbank konnte das wegen Sondereffekten noch toppen. Ähnliche Steigerungen gab es bei der italienischen UniCredit, der spanischen Banco Santander sowie den französischen Häusern Société Générale und – mit Abstrichen – bei BNP Paribas.

Trotzdem gibt es Investoren, die sowohl auf der Aktien- als auch auf der Rentenseite Finanztitel konsequent meiden. Mal abgesehen davon, dass über einige Kreditinstitute ganze Bücher geschrieben wurden, in denen es nur um Managementfehler und Marktmanipulation geht, stört sich diese Anlegergruppe meist an den komplexen, schlecht lesbaren Bilanzen und der Tatsache, dass die Bonität von schwankenden Vermögenswerten abhängt.

Auch die Abhängigkeit von den vorhandenen Kreditportfolien (Ausfallrisiken) hält einige Investoren grundsätzlich von Investitionen ab. Zusätzlich bieten einige Handelsregularien große Bewertungsspielräume für Finanzinstrumente, was für einige Fondshäuser, Stiftungen oder Pensionskassen ein Ausschlusskriterium darstellen kann. „Überraschungen“ wie in der Finanzkrise, als Anlagen mit Toprating hohe Bewertungsabschläge erfuhren, sollen sich möglichst nicht wiederholen.

Edelmetalle mit hohen Wertsteigerungen

Extrem waren auch die Preissteigerungen bei „der Währung der letzten Instanz“, Gold, oder dem eher als Industriemetall deklarierten Silber. Allein im letzten Jahr konnten Europäer trotz Währungsverlusten Steigerungen von 45 bzw. 108 Prozent verbuchen, wobei der Jahresstart 2026 weitere Zuwächse brachte.

Insbesondere der Vertrauensverlust in die Leitwährung US-Dollar und damit verbundene Umschichtungen in großen Portfolios der Zentralbanken sind für einen Großteil dieser Performance verantwortlich. Bekannte große Asset-Manager integrieren in ihren Grundstrategien zumindest Zehn Prozent Gold als Reservewährung. Das hat in einigen Fällen auch die Performance des vergangenen Jahres „gerettet“.

Trotzdem gibt es professionelle Anleger, die nicht investiert sind, weil sie in Edelmetallen nur eine Rohstoffspekulation ohne Zins und Dividende sehen. So gab es beispielsweise auch längere Phasen, wie von 2012 bis 2020, in denen das Edelmetall keine positiven Ergebnisbeiträge lieferte. Zu berücksichtigen ist auch, dass es sich um ein Dollar-Investment handelt, sodass Europäer stets ein Währungsrisiko eingehen.

US-Big-Tech/KI mit hohen Investitionen

Schließlich konnte man in den letzten Jahren extreme Überrenditen erzielen, wenn man direkt über Einzeltitel oder indirekt über Indexfonds oder aktive Aktien- und Mischfonds Übergewichtungen amerikanischer „Magnificent-Seven“-Werte im Portfolio hatte. Einige aktive Fondsmanager reduzieren seit einiger Zeit allerdings die Quoten und haben diese Titel mittlerweile auch nicht mehr so häufig in den Top-Ten-Gewichtungen ihrer Hauptstrategien.

Man argumentiert, dass die extrem hohen lancierten Investitionen, die pro Jahr in KI fließen sollen, nicht die erwarteten Erträge bringen und dass „normale, gute Ergebnisse“ hohe Rückschlagpotenziale bergen. Weiterhin kann man nicht automatisch annehmen, dass die Unternehmen, die am meisten investieren, auch die Gewinner sein werden. Zudem muss immer damit gerechnet werden, dass neue Akteure, insbesondere aus Asien, auf den Markt kommen. Bereits 2025, aber auch zum Start ins neue Jahr, mussten viele große Tech-Titel stärkere Kursabschläge hinnehmen. Bei den bekannten Indexprodukten hat sich allerdings noch nicht so viel geändert, da die Marktkapitalisierung dieser Aktien immer noch sehr hoch ist.

Stabile, disziplinierte Investmentansätze vorziehen

Auch wenn es für einige Vermögensverwalter schwierig sein kann, die Investmentphilosophie stabil weiterzuführen und ggf. einige Zeit nicht bei jedem positiven Trend dabei zu sein, ist es wichtig, erfolgreiche Strategien nicht einfach über Bord zu werfen und nicht jedem Trend zu folgen. Privatanleger müssen darauf achten, das Portfolio nicht nach Hitlisten zu strukturieren, sondern sollten unterschiedliche Investmentansätze kombinieren.

Gewichtungen überprüfen

Nach längeren Zeiten permanenter Wertsteigerungen mit vermeintlich niedrigem Arbeitsaufwand und einem Risikopuffer aus Kursgewinnen verliert man leicht den Blick auf das Chance-Risiko-Profil eines Portfolios. Es fühlt sich oft „sicherer“ an, als es ist. Auch wenn es schwerfällt, sollte man zumindest die Quoten von gut gelaufenen Anlagen im Gesamtportfolio überprüfen, um extreme Übergewichtungen und damit verbundene Rückschlaggefahren zu reduzieren.

Marktkommentar von Andreas Görler, sen. Wealth Manager zert. Fachmann für nachhaltige Investments, -Wellinvest- Pruschke & Kalm GmbH