Klappern gehört zum Handwerk

22.11.2019

Volker Schilling, Gründer und Mitglied des Vorstandes der Greiff capital management AG  / Foto: © Greiff capital management AG

Kaum einer beherrscht dies besser als Universalvisionär Elon Musk, der diese Woche den Cyber Truck vorstellte. Ein E-Pick-up, der bereits ab 36.000 Euro in der Basisversion zu haben ist. Wenngleich Pick-ups bei uns so gut wie keine Rolle spielen, ist es für die Amerikaner der Traum von Freiheit. Und genau den will Musk für Tesla besetzen. Die Premiere des Cyber Trucks, der mehr wie ein Marsfahrzeug als ein Truck aussieht, war mit protzigen Vergleichen zu Ford und Porsche spektakulär. Auch eine Behandlung mit dem Vorschlaghammer hat der Truck ohne einen Kratzer weggesteckt. Die ultraharten Fenster allerdings gingen trotz gegenteiliger Ankündigung zu Bruch. Und so musste Elon Musk die Hälfte seiner Präsentation vor einem ramponierten Wagen stehen. Fast schon symptomatisch fand ich dieses Bild als Metapher zum Zustand von Tesla. Soweit zum „Klappern“. Bleibt die Frage, ob das Klappern den Weg zum Handwerker findet!? Zum US-Bürger in den Weiten der Prärie, der seinen Pick-up über alles liebt. Oder kommt dieser Blade Runner Pick-up am Ende doch nur in martialischen Gangster-Rap-Videos zum Einsatz? Dann hoffentlich mit kugelsicheren Scheiben.

Des einen Leid, des anderen Freud

Diese Woche gab es zwei interessante Jahrestage, die besser nicht zusammenpassen könnten. Da ist zum einen Bill Gates, der exakt am 20. November 1984 als 30-Jähriger mit der ersten Windows-Version eine IT-Revolution verursachte. Der Aufstieg von Microsoft zu einem der erfolgreichsten Unternehmen begann. Und da ist zum anderen die Deutsche Telekom, die am 18. November 1996 die ersten Aktien zu 14,32 Euro (28,50 DM) an die Börse brachte. Mit einem Hoch bei 104,90 Euro war die T- Aktie am Ende im Tief bei 7,71 Euro aufgeschlagen. Oder wie Christian W. Röhl (Dividendenadel.de) dies nennt: Ein „T-Saster“. Näher können Freud und Leid in einem Sektor wohl kaum beieinanderliegen. Kleiner Trost: Auch hier hätte die Diversifikation aus beiden Aktien geholfen, den Verlust zu vermeiden. Das gilt übrigens auch für die Anleger, die aktuell überlegen, Aktien eines der beiden Unternehmen zu kaufen.

Sie dürfen nicht alles glauben, was Sie denken

Schon C. G. Jung sagte, dass Denken schwer sei und deshalb die meisten Menschen lieber urteilen. Wir erleben dies in unserer Zeit allzu oft in vielen Diskussionen, die eher einen kritischen Denkansatz bräuchten, als immer gleich ein festgefahrenes, oft stereotypes Urteil. Ein Beispiel gefällig: Junge Menschen verurteilen im Zuge der Klimabewegung die meisten Minengesellschaften, die Rohstoffe aus dem Boden holen. Gleichzeitig würden sie ohne ihr I-Phone nur wenige Tage oder gar Stunden überleben. Vor dem Urteil sollte aber erst das Denken stehen: Von den 83 stabilen und nicht-radioaktiven Elementen des Periodensystems, werden 62 Metalle für das durchschnittliche Mobiltelefon benötigt. Es wäre daher sinnvoller, darüber nachzudenken, wie man Minenbetreiber zur nachhaltigen Gewinnung von Rohstoffen anhält, anstatt diese pauschal zu verurteilen. Innovationen, Konsumverhalten und eine marktwirtschaftliche Bepreisung von Umweltversagen sind dabei entscheidende Faktoren. Denken Sie darüber nach, bevor sie urteilen.

Kolumne von Volker Schilling, Gründer und Mitglied des Vorstandes der Greiff capital management AG 

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