Lebenslang – 365 Tage Urlaub finanzieren

01.04.2013

Foto: © spotmatikphoto - Fotolia.com

Das Alter ist unheilbar und immer mehr Menschen werden immer älter. Die Frage, ob im Alter am Ende des Monats noch genügend Geld übrig ist, weitet sich in dieser Lebensphase dramatisch aus: Reicht die eigene Altersvorsorge bei stetig steigender Lebensdauer? Kann ich mir 20 Jahre oder mehr einen „lebenslangen" Urlaub leisten?

Jeder einzelne – egal ob jung oder alt – ist gefordert, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, zum Beispiel durch frühzeitige und präventive Gesundheitsvorsorge. Nicht minder wichtig ist das Stichwort „365 Tage Urlaub“, also die Fragestellung: „Reicht das zu erwartende Einkommen aus den diversen Quellen wie gesetzlicher, betrieblicher und privater Rente später aus, um den individuellen Lebensstandard im Alter zu sichern?“ Wer jeden Tag im Jahr Urlaub hat, braucht tendenziell eher mehr Geld – woran liegt das? Freizeit, Gesundheit, Pflege und die Selbstbestimmung, eigenständig zu leben, muss schließlich finanziert werden. „Menschen sind von der Notwendigkeit der Eigenvorsorge erst einmal zu überzeugen, um dann auch die passenden Lösungen wunschgemäß zu finden – das kann nicht jeder – aber das braucht jeder. Der Grund: Das Alter ist unheilbar und es braucht die Freiheit von finanzieller Unabhängigkeit und Selbstbestimmung in der Entscheidung. Wer Menschen in den wichtigsten Fragen des Lebens berät, wie die Finanzierung der längsten Urlaubsphase, die in der dritten Lebensphase jedes Jahr 365 Tage umfasst, der muss in Themen wie Berufsunfähigkeit, Pflege, Gesundheitsversorgung und privater Rente Bescheid wissen“, so der Rat des bekannten Trainers und Versicherungsexperten Hans D. Schittly an die Vermittler.

Die wenigsten der deutschen Bürger erkennen Versorgungslücken für das Alter. Viel zu lange hat die Politik in der Tradition von Norbert Blüm, früherer Arbeits- und Sozialmister, nach dem Motto „Die Rente ist sicher“ Eigenvorsorge dank der gesetzlichen Rente als nicht notwendig dargestellt. Erst unter der Ära Walter Riester gab es den politischen Durchbruch. Ab da galt, dass zwar eine Grundrente sicher ist, diese aber von der Höhe nicht alleine ausreicht und durch eine lebenslange Riester-Rente zu ergänzen ist. Mit der privaten Ba(h)r-Pflegepflicht-Rente werden seit 2013 auch Anreize für den wichtigen Bereich Pflege geschaffen. Alles richtig – aber die Menschen brauchen dringender denn je individuelle Beratung und passende Lösungen für die Vorsorge aus einer Hand. Der demografische Wandel per se ist kein Schreckgespenst, wenn Menschen rechtzeitig handeln und früher an später denken. Im demografischen Wandel liegen zahlreiche Chancen. Älter werden bietet eine großartige Lebensperspektive, da die Menschen dank medizinischer Fortschritte bis ins hohe Alter aktiv bleiben können.

Der „Club der Hundertjährigen“. Eine Allianz-Studie zur Altersentwicklung zeigt, dass der „Club der Hundertjährigen“ wächst. „Menschen und Familien, die ein extrem hohes Alter erreichen, werden in naher Zukunft keine Seltenheit mehr sein“, sagt Allianz-Expertin Dr. Michaela Grimm, Volkswirtin bei Allianz Group Economic Research und Corporate Development. Aktuell gibt es nach Schätzungen der Vereinten Nationen (UN) rund 343.000 Hundertjährige weltweit, bis zum Jahr 2050 dürften es 3,2 Millionen sein, also zehnmal so viel. Die besten Aussichten, eines Tages dem „Club der Hundertjährigen“ beitreten zu können, haben Frauen. „Heute ist die Zahl der hundertjährigen Frauen knapp viermal so hoch wie die der Männer“, betont Frau Dr. Grimm.

17.000 Einwohner in Deutschland durften bereits ihren 100. Geburtstag feiern! Noch äußerst gering ist die Zahl der Menschen, die älter als 110 Jahre sind. Heute werden weltweit lediglich 70 über 110-jährige Personen aufgeführt, von denen aber laut amtlich bestätigten Angaben 27 sogar bereits das 115. Lebensjahr erreicht haben. Bis zur heutigen Zeitrechnung gibt es nur Belege von wenigen Personen, die das Alter von 120 Jahren nachweislich erreicht haben. Aber schon die aktuellen Zahlen werden unsere Gesellschaft gewaltig herausfordern. In Deutschland leben gegenwärtig laut Statistischem Bundesamt rund 17.000 Einwohner, die bereits ihren 100. Geburtstag gefeiert haben – Tendenz steigend. „Durchschnittlich jedes zweite Neugeborene in Deutschland dürfte seinen 100. Geburtstag erleben", so Grimm. Bei der Allianz Leben erhalten heute bereits mehr als 105.000 Kunden, die über 85 Jahre alt sind, eine regelmäßige private Altersrente. Rund 635 Rentenempfänger der Allianz Leben sind sogar hundert Jahre oder älter.

Mit der zunehmenden Alterung der Gesellschaft wird sich das Verhältnis von Erwerbstätigen zu Rentnern weiter verschieben. Gleichzeitig wird sich auch die Verteilung der Altersgruppen in den Belegschaften der Unternehmen ändern. Arbeitsplätze müssen mit Blick auf alternde Gesellschaften so gestaltet werden, dass Unternehmen die Fähigkeiten und Möglichkeiten der älteren Belegschaft effektiv nutzen können. Bei dem Kampf und der Bindung junger Talente sind betriebliche Vorsorgen unerlässlich, aber der Rat und die Erfahrung älterer Kollegen erhöhen deren Belegungsquoten. Die Alterung der Gesellschaft erfordert völlig neue Konzepte in vielen Lebensbereichen: Bei der Planung der Infrastruktur von Städten müssen die Bedürfnisse der älteren Menschen stärker berücksichtigt werden, dazu gehören beispielsweise kurze und barrierefreie Wege zu Einkaufszentren, Dienstleister oder Arztpraxen. Das gilt noch mehr im Eigenheim, da erfordert „barrierefrei“ viel Geld.

Banken und Versicherungen müssen ihre Finanzprodukte anpassen. Die Branche tut dies, aber unter welchen Rahmenbedingungen? Die Zinsen sind dauerhaft niedrig, weil die Staaten ihre Schulden zulasten der Zinspapiere und auf dem Rücken der Vorsorgesparer abbauen. Die Lebenserwartung von Männern und Frauen ist faktisch nicht nur mathematisch unterschiedlich, trotzdem mussten nach dem Europarecht Unisex-Tarife eingeführt werden. Die schlimmste Situation schafft die Politik, indem sie von qualifizierten Vermittlern nicht nur verlangt, dass diese ihr Einkommen offenlegen und täglich rechtfertigen, sondern sie pauschal, vor allem mit der Hilfe von staatsfinanziertem Verbraucherschutz, unter den Verdacht von Falschberatung und Betrug stellt. Das hat der Berufsstand der Vermittler wirklich nicht verdient und wird dem auch nicht gerecht, der jährliche Beweis sind die nur in Promille-Zahlenmessbaren Beschwerden beim Ombudsmann.

Fazit. Das Tragische am Thema „Private Vorsorge“ ist, dass es meist zu spät ist, wenn Menschen erkennen, dass sie besser vorgesorgt hätten. Um bezahlbar das Richtige zu tun, muss früher an später gedacht werden. Das tun Menschen nicht aus Eigenantrieb. Dazu bedarf es einer aufwändigen Überzeugungsarbeit zur Notwendigkeit und die Ausarbeitung der nachhaltigen und individuell passenden Lösungen – eben das, was Vermittler oft seit Generationen täglich leisten, trotz Gegenwind der Politik und staatlich finanziertem Verbraucherschutz.

_

Dietmar Braun_

Altersvorsorge - Printausgabe 02/2013