Mehr Sicherheit statt Garantie
26.03.2013
Im exklusiven finanzwelt-Interview äußert sich Sven Enger, Hauptbevollmächtigter und CEO für Standard Life Deutschland, zur Zukunft privater Altersvorsorge und der Rolle von modernen Fondspolicen als flexible Lösung für Kunden, Versicherungsmakler, Pools und unabhängige Versicherungsvermittler.
finanzwelt: Welche Kombination von Risiko und Ertrag ist in der Altersvorsorge mit Fondspolicen von Vorteil?
Enger: Diese Entscheidung hängt von der individuellen Risikoorientierung des Kunden ab. Sicherlich haben die vergangenen, sehr volatilen Jahre zu großen Veränderungen geführt. Die Kunden sind verunsichert und wollen bei ihrer Altersvorsorge kein allzu hohes Risiko eingehen. Konzepte, die das Risiko des Kunden reduzieren können, haben deutlich an Bedeutung gewonnen. Eine moderne Fondspolice sollte mit einer attraktiven Fondsauswahl für gute Renditechancen sorgen. Sie sollte aber auch moderne Konzepte bieten, die das Risiko bei der Kapitalanlage minimieren und für mehr Sicherheit sorgen können. Diese Kombination macht Fondspolicen attraktiv.
finanzwelt: Sehen Sie Lösungen, ohne Garantien ein Risikomanagement für sichere Altersvorsorge zu betreiben?
Enger: Lösungen ohne Garantien gewinnen an Bedeutung. Garantien sind häufig mit hohen Kosten verbunden, sie schränken die Anlagemöglichkeiten ein und gehen zulasten der Rendite – die klassische Lebensversicherung ist das beste Beispiel. Wie eine sinnvolle Alternative zu Garantien aussieht, hat Standard Life mit der Einführung des Capital Security Managements (CSM) bewiesen. Mit Hilfe eines automatisierten Trendfolgesystems können die Auswirkungen länger anhaltender Abwärtsbewegungen an den Kapitalmärkten auf das individuelle Investment reduziert und die Chancen bei Aufwärtstrends ausgenutzt werden. Risikoreduzierung ohne Garantien hat auch der Global Absolute Return Strategies (GARS) im Fokus. GARS hat das Ziel, über den Einsatz von ca. 25 unabhängigen Strategien eine aktienähnliche Rendite bei deutlich geringerer Volatilität zu erreichen. Seit Auflage im Jahr 2006 hat GARS eine jährliche Performance von 8,1 % bei einer Volatilität von 5,8 % erreicht (Stand: 31.12.2012).
finanzwelt: Was unterscheidet die deutsche „Sicherheitskultur“ von anderen Märkten?
Enger: Die deutschen Kunden sind bei ihrer Altersvorsorge im Vergleich zu ihren europäischen Nachbarn deutlich konservativer und sicherheitsorientierter. Ein zentraler Unterschied ist dabei, dass in Deutschland Sicherheit oft mit Garantie gleichgesetzt wird. Dass es Lösungen gibt, die auch ohne Garantien für mehr Sicherheit sorgen können, setzt sich erst langsam durch. In den kommenden Jahren wird hier ein Umdenken stattfinden.
finanzwelt: Wie unterscheiden sich britische Broker von unabhängigen Vermittlern und Maklern im deutschen Markt? Was wollen Sie deutschen Vermittlern bieten, außer Lösungen auf der Produktseite?
Enger: Britische Makler arbeiten in einem stark regulierten Markt. Kostentransparenz und hohe Qualifikationsstandards sind Pflicht. Ich rechne damit, dass es auch in Deutschland aufgrund des Drucks von europäischer Ebene zu weiteren Regulierungsschritten kommen wird. Vermittler sollten nicht zu lange abwarten und sich bereits jetzt auf die Änderungen vorbereiten. Standard Life wird die Makler auf ihrem Weg zu mehr Professionalität umfassend unterstützen. Wir werden einen besonderen Schwerpunkt auf die betriebswirtschaftliche Beratung der Vermittler legen. Für den künftigen Erfolg der Makler ist eine betriebswirtschaftlich effiziente Unternehmensführung unerlässlich. Aufgrund unserer Erfahrungen aus Großbritannien können wir unseren Vermittlern weitreichende Unterstützung anbieten und sie hervorragend auf die künftigen Herausforderungen vorbereiten.
finanzwelt: Wie sehen Sie die derzeitige Stellung der Versicherungsbranche?
Enger: Aus meiner Sicht befindet sich die Versicherungsbranche in einer Innovationsund nicht in einer Vertrauenskrise. Versicherer haben zu lange am Status quo festgehalten und die Entwicklung notwendiger Innovationen versäumt. Die Überwindung der Innovationskrise ist die zentrale Herausforderung der kommenden Jahre.
Das Gespräch führte Dietmar Braun
Interview mit Sven Enger - Printausgabe 02/2013

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