Öffentliche Versicherer mit Erfolg und klaren Positionen

07.02.2013

Der Verband der öffentlichen Versicherer legt gute Ergebnisse vor. Die öffentlichen Lebensversicherer sprechen sich für lebenslange Garantien aus. Der Marktführer in der Gebäudeversicherung befürchtet Mehrkosten aufgrund der Energieeinsparverordnung.

(fw/db) Die öffentlichen Versicherer haben das Geschäftsjahr 2011 erfolgreich abgeschlossen. Die mehrheitlich zur Sparkassen-Finanzgruppe gehörenden elf Erstversicherergruppen erzielten ein Vorsteuerergebnis von mehr als 680 Millionen Euro.

"Über alle Sparten erzielte die Gruppe ein Ergebnis auf konstant gutem Niveau. Das macht die Öffentlichen zu einem Erfolgsfaktor für die Träger und Eigentümer aus der Sparkassen-Finanzgruppe", so der Vorsitzende des Verbandes Ulrich-Bernd Wolff von der Sahl.

Weniger Einmalbeiträge in Leben

Die marktweite Normalisierung des Einmalbeitragsgeschäfts führte geplant zu weniger Beitragseinnahmen, in der Sparte Leben wurde mit 3,38 Milliarden Euro wieder das Niveau des Geschäftsjahrs 2009 erreicht. Die Einmalbeiträge gingen um 38 % zurück.

Das langfristige Geschäft gegen laufenden Beitrag konnte um 16 Prozent ausgebaut werden. Trotz der angespannten Situation an den Finanzmärkten betrug das Ergebnis aus den Kapitalanlagen 3,3 Milliarden Euro, nach 3,6 Milliarden Euro im Jahr zuvor.

Erfolge in der Krankenzusatzversicherung

Das Prämienvolumen der öffentlichen Krankenversicherer wuchs 2011 um 4,2 % auf nahezu 2,2 Milliarden Euro. Wachstum verzeichnete das Geschäft mit Zusatzversicherungen, hier wurden stark Pflegegeldtarife nachgefragt. Wolff von der Sahl begrüßte die aktuellen Pläne zur steuerlichen Förderung der privaten Pflegevorsorge ausdrücklich. Ebenso klar sprach er sich, mit Blick auf die bevorstehende Diskussion über eine Einheitskasse im Vorfeld der 2013 anstehenden Bundestagswahl, für die Beibehaltung des bewährten dualen Systems mit der Wahl zwischen einer gesetzlichen Kasse und der privaten Krankenversicherung aus.

Kraftfahrtsparte läuft besser

In der Kraftfahrtversicherung stellt die Gruppe eine Wende im Preiszyklus fest. Zum ersten Mal seit 2004 wächst hier das Prämienaufkommen wieder - und zwar mit einem Plus von 2,7 %. Aufgrund einer Vielzahl regionaler Schadenereignisse blieb der Schadenaufwand im Vergleich zum Vorjahr mit 6 Milliarden Euro nahezu unverändert hoch. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote betrug im gesamten Schaden-Unfall-Geschäft 97,2 %, in der Sachversicherung nur rund 90 %.

Wolff von der Sahl: "Unser versicherungstechnisches Ergebnis in Höhe von 206 Millionen Euro zeigt, dass wir die konkurrierenden Ziele Wachstum und Ertrag erfolgreich miteinander verbunden haben." Insgesamt steigerte die Gruppe in der Schaden- und Unfallversicherung die Beitragseinnahmen um 2,2 % auf rund 7,4 Milliarden Euro.

Bekenntnis zur klassischen Lebensversicherung und Garantien

Thomas Krüger, Vorsitzender des Versicherungsausschusses Leben, berichtete über aktuelle Entwicklungen bei den Produkten und dem Geschäftsmodell der Lebensversicherer. Er stellte klar: "Bisher ist es uns gelungen, die Folgen volatiler Kapitalmärkte und niedriger Zinsen für unsere Kunden weitgehend abzupuffern. Die Bereitstellung von klassischen Produkten mit lebenslangen, garantierten Leistungen ist und bleibt auch in Zukunft eine Kernkompetenz der öffentlichen Lebensversicherer."

Gebäudeversicherer vermelden auch Sorgen

Der CO2-Ausstoß treibt nachgewiesen den Klimawandel voran. Dabei sieht sich Deutschland als Vorreiter bei der Reduktion von CO2-Emissionen. Das stellt die Gebäudeversicherer vor Herausforderungen. Weil rund 40 Prozent des deutschen Endenergieverbrauchs und etwa ein Drittel der CO2-Emissionen auf den Gebäudebereich entfallen, konzentriert sich der Gesetzgeber bei der Umsetzung der EU-Richtlinien zur "Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden" und "Erneuerbare Energien" verstärkt auf diesen Bereich.

Bei der Sanierung von Gebäuden und Gebäudeteilen müssen die EU-Mitgliedstaaten energetische Mindestanforderungen erfüllen. Zusätzlich müssen ab dem Jahr 2021 Neubauten als Niedrigstenergiegebäude gebaut werden. Diese Vorgaben sollen hierzulande vor allem durch die Energieeinsparverordnung - kurz EnEV - erreicht werden.

"Als Marktführer spüren wir schon heute den Einfluss der EnEV auf die Schadenquoten der Gebäudeversicherer", erläutert Thomas Vorholt, Vorsitzender des Versicherungsausschusses Privatkunden. Er erklärt die Konsequenz für die Versicherungswirtschaft: "Richtet zum Beispiel ein Sturm einen Totalschaden an einem Haus aus den 1970er Jahren ohne jegliche Wärmedämmung und mit veralteter Heizungsanlage an, so muss das neue Haus als Niedrigstenergiehaus aufgebaut werden. Das führt zu enormen Kosten und damit zu einer Mehrbelastung aller Gebäudeversicherer am Markt. Wir haben die Auswirkungen eingehend untersucht und in den GDV getragen, um entsprechende Maßnahmen zur Finanzierung der Mehrkosten zu entwickeln."

Die öffentlichen Versicherer sehen aber auch Handlungsbedarf bei der Aufklärung der Bevölkerung. Vorholt betont, dass durch die EnEV auch die Kunden in vielerlei Hinsicht profitierten. "Sie erhalten im Schadenfall ein saniertes oder neues Gebäude, sparen dadurch merklich Energiekosten und tragen durch verminderte Emissionen und den Einsatz Erneuerbarer Energien dazu bei, die Folgen des Klimawandels zu beschränken."

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