Psychische Erkrankungen belasten Wirtschaft

29.04.2026

Heike Hommel, Chief Underwriting Officer Individual Life, Zurich Gruppe Deutschland Foto: © Zurich

Zudem zeigen sich wie in anderen Ländern auch in Deutschland ein deutliches geschlechtsspezifisches Muster. Frauen stellen 56 Prozent aller Fälle psychischer Erkrankungen, verglichen mit 45 Prozent bei Männern. Männer hingegen sind überproportional von vorzeitiger Sterblichkeit betroffen und machen 72 Prozent aller Todesfälle infolge von Suizid aus.

Deutschland verfügt über ein im internationalen Vergleich leistungsfähiges System der psychischen Gesundheitsversorgung. Gleichzeitig zeigen sich wachsende Belastungen, insbesondere im ambulanten Bereich. Verzögerungen beim Zugang zur Unterstützung erhöhen das Risiko, dass kurzfristige Belastungen zu langfristigen Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit werden.

„Je länger Menschen ohne passende Unterstützung bleiben, desto größer wird das Risiko eines dauerhaften Rückzugs aus dem Arbeitsleben“, so Hommel. „Genau hier kommt es darauf an, früh zu begleiten und Übergänge in neue Lebens‑ und Arbeitsphasen zu schaffen.“

Der Bericht macht deutlich: Stärkung der persönlichen Resilienz, früher Zugang zu wirksamer Unterstützung, eine bessere Verzahnung von Gesundheitsversorgung und Arbeitswelt sowie strukturierte Wiedereinstiegs‑ und Begleitmodelle sind zentrale Hebel, um Produktivitätsverluste zu begrenzen.

„Als Versicherer unterstützen wir Menschen im Leistungsfall unter anderem durch unser internes Case Management – mit individueller Beratung und begleitenden Gesundheitsangeboten“, sagt Hommel. „Unser Ziel ist es, zu helfen, den Übergang in einen neuen Alltag zu erleichtern und Teilhabe möglichst lange zu sichern.“

In dem Bericht „The Value of Mental Health“ werden die aktuellen und künftigen Auswirkungen psychischer Erkrankungen in Australien, Chile, Deutschland, Malaysia, den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Vereinigten Königreich anhand einer Analyse öffentlicher Daten bewertet. In der Studie sind somit sowohl Schwellenländer als auch entwickelte Märkte vertreten. Der Bericht misst die Auswirkungen auf Menschen, Produktivität und Schutzsysteme bis zum Jahr 2030 anhand von Kennzahlen wie verlorene gesunde Lebensjahre, Lücken in der Erwerbsbeteiligung sowie Kosten auf Systemebene. (mho)

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