Rekord-Niedrigwasser des Rheins erhöht Risiko von Transportschäden

18.08.2026

Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer, GDV / Foto: © GDV

Der Rhein führt so wenig Wasser wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Am maßgeblichen Pegel Kaub in Rheinland-Pfalz lag der Wasserstand zu Wochenbeginn im einstelligen Bereich. Der bisherige Tiefstwert von 25 Zentimetern aus dem Oktober 2018 ist damit deutlich unterboten. Weil Schiffe nur noch einen Bruchteil ihrer Ladung fahren können, werden Güter auf Lastwagen, Schiene und andere Häfen umgeleitet. Das verursacht zusätzliche Umschläge und Zwischenlagerungen und erhöht das Risiko von Transportschäden.

„Niedrigwasser ist nicht nur ein Problem für die Schifffahrt, sondern hat auch große Auswirkungen auf die gesamte Logistik", sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). „Für Versicherer ist die veränderte Transportstruktur von besonderer Bedeutung. Denn aus direkten Transporten entstehen oft komplexe Ketten mit vielen Umschlägen und Lagerungen. Jeder dieser Schritte erhöht das Schadensrisiko."

Eine amtliche Sperrung der Wasserstraße gibt es nicht. Anders als bei Hochwasser entscheidet jeder Schiffsführer selbst, ob eine Fahrt noch möglich und wirtschaftlich ist. Faktisch können Binnenschiffe derzeit aber vielfach nur mit einem Drittel oder weniger ihrer regulären Ladung fahren.

Der Rhein zählt zu den bedeutendsten Wasserstraßen Europas. Über ihn werden zahlreiche Güter wie Erz, Kohle, Mineralölprodukte, Chemikalien, Getreide und Container transportiert. Die Binnenschifffahrt ist insbesondere für die Industrie ein zentraler Bestandteil der Lieferketten. Nach Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft könnte die Industrieproduktion in Deutschland um rund ein Prozent zurückgehen, wenn der Rhein einen Monat lang Niedrigwasser führt.

Üblicherweise werden Güter direkt vom Ausgangshafen zum Ziel transportiert. Bei Niedrigwasser ist dies jedoch häufig nicht möglich. In solchen Fällen müssen Güter auf Lastwagen umgeladen, zu einem anderen Hafen transportiert und dort erneut verladen werden.

Aus Sicht der Versicherer birgt jeder zusätzliche Umschlag neue Risiken. Bei Gütern wie Getreide, Kohle oder Erz können Mengenverluste, Verunreinigungen oder Feuchtigkeitsschäden auftreten. Auch der Einsatz von Kränen und Förderbändern kann zu Beschädigungen führen.

Bei Containern können beim Heben und Absetzen Schäden entstehen. Längere Zwischenlagerungen erhöhen das Risiko von Diebstahl oder Verladefehlern. Besonders empfindlich sind Kühlcontainer, Gefahrgut und hochwertige Waren. Hier kann ein Ausfall der Kühlung oder unsachgemäße Lagerung schnell zu erheblichen Schäden führen.

Ein Beispiel verdeutlicht die Auswirkungen: Muss ein Binnenschiff mit 90 Containern aufgrund von Niedrigwasser umdisponiert werden, entstehen durch Entladen, zusätzlichen Lkw-Transport und erneutes Verladen mehrere hundert zusätzliche Containerbewegungen.

Die Bundesregierung hat inzwischen Maßnahmen zur Verbesserung der Situation angekündigt. Dazu zählen eine verstärkte Nutzung von Straße und Schiene sowie vorübergehende Ausnahmen von Lkw-Fahrverboten. Zudem werden langfristige bauliche Anpassungen an den Wasserstraßen erwogen. (mho)

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