Wohneigentum ist für viele Amerikaner kaum noch erschwinglich

17.08.2026

Martin Stoß, Geschäftsführer der BVT Holding / Foto: © BVT

Steigende Hypothekenzinsen, Wohnungsknappheit und ein wachsender Mietermarkt prägen derzeit den US-Immobiliensektor. Gleichzeitig eröffnen sich für Investoren attraktive Chancen im Segment hochwertiger Mietwohnanlagen. Martin Stoß, Geschäftsführer der BVT Holding und Leiter des Geschäftsbereichs Immobilien USA, erläutert im Interview, welche Trends den Markt 2026 bestimmen, warum US-Wohnimmobilien weiterhin gefragt sind und welche Perspektiven sich für deutsche Anleger ergeben.

finanzwelt: Herr Stoß, welche Trends bestimmten den USImmobiliensektor im bisherigen Jahresverlauf 2026?

Martin Stoß: Im bisherigen Jahresverlauf war der US-Immobiliensektor vor allem durch eine Phase der Konsolidierung nach dem Bauboom von 2022 bis 2024 geprägt. Insbesondere im Sunbelt wird aktuell ein Überangebot abgebaut, während die Zahl der Neubauten deutlich zurückgegangen ist – eine Entwicklung, die bis Ende 2027 wieder zu einem knapperen Angebot führen dürfte. Gleichzeitig bleibt der Multi-Family-Sektor äußerst robust: Steigende Kosten für Wohneigentum und eine strukturelle Wohnraumknappheit sorgen dafür, dass Mieten im Vergleich zum Kauf deutlich attraktiver bleiben. Diese wachsende Unerschwinglichkeit von Wohneigentum führt zu einer Art ‚permanenter Mieterschicht‘. Auffällig ist zudem ein Strategiewechsel vieler Betreiber: Statt kurzfristig maximale Mietsteigerungen durchzusetzen, liegt der Fokus auf hoher Mietauslastung. Das zeigt sich in großzügigen Zugeständnissen für neue Mieter und gleichzeitig historisch hohen Verlängerungsquoten, die 2026 voraussichtlich weiter steigen werden.

finanzwelt: Wie haben Sie sich bisher geschlagen?

Stoß: Wenn ein Asset-Manager auch in schwierigen Zeiten bedeutsame Exits erzielt, ist das im Marktvergleich wie ein ‚Proof of Concept‘. So konnten wir im 1. Quartal dieses Jahres bereits zwei sehr erfolgreiche Objektverkäufe in den USA in Höhe von 250 Mio. US-Dollar realisieren. Mit den beiden Objektverkäufen haben Privatanleger bzw. institutionelle Investoren Renditen zwischen 8 und 11 % erzielt. Die Anlageergebnisse bestätigen, dass wir ziemlich genau das erreicht haben, was wir vor drei oder vier Jahren versprochen haben – und das, obwohl die Märkte damals einfacher waren als heute. Auch bei der Anbindung neuer Projekte bescherte uns das 1. Quartal schon Erfreuliches, und wir können mit unserem langjährigen Development-Partner Criterion unser neuntes Großprojekt in Boston realisieren.

finanzwelt: Was ist Ihr USP und warum sollten deutsche Anleger in US-Immobilien investieren?

Stoß: Unser USP liegt in der Kombination aus tiefgehendem eigenem Research, strenger Partnerauswahl und einem klar strukturierten Investitionsansatz mit Fokus auf die US-Ostküste. Wir entwickeln Class-A-Mietwohnanlagen gemeinsam mit lokal verankerten, erfahrenen Projektentwicklern, die über eine nachweisbare Erfolgsbilanz und exzellentes Marktverständnis verfügen. So identifizieren wir frühzeitig attraktive Chancen und setzen Projekte zielgerichtet um. Für deutsche Anleger bieten Beteiligungen über unsere BVT Residential-USA-Fonds vor allem Zugang zu dynamischen Märkten mit positiven demografischen Trends, wachsender Beschäftigung und steigenden Einkommen. Gleichzeitig achten wir konsequent darauf, dass die regionale Mietnachfrage nicht durch ein Überangebot vor Ort konterkariert wird. Unsere umfassende Standort- und Marktanalyse – ergänzt durch strenge Due-Diligence-Prozesse sowie die Berücksichtigung von ESG-Kriterien wie LEED- oder PassivhausStandards – stellen sicher, dass jede Investition sowohl nachhaltig als auch marktgerecht ist. Damit schaffen wir ein ausgewogenes Portfolio mit Fokus auf stabile Metropolregionen sowie wachstumsstarke Standorte mit attraktiven Renditeperspektiven.

finanzwelt: Wie eine Redfin-Studie zeigt, wuchs die Gruppe der Mieter in den USA zuletzt dreimal so stark wie die der Immobilienbesitzer. Was bedeutet das für den Markt, und wird sich dieser Trend weiter fortsetzen?

Stoß: Die derzeit hohen Hypothekenzinsen, aber auch enorm gestiegen Kosten für die Gebäudeversicherung, machen den Eigentumserwerb für eine Vielzahl der Amerikaner unerschwinglich. In der Regel genügt derzeit selbst ein überdurchschnittliches Haushaltseinkommen nicht, um Wohneigentum zu erwerben. Neben den Menschen, die sich den Eigentumserwerb nicht leisten können, steigt seit Ende der Finanzkrise 2009 auch die Anzahl gutverdienender Amerikaner, die räumlich und monetär flexibel bleiben wollen und deshalb gar kein Wohneigentum mehr anstreben. Ein Trend, der sich schon seit längerem zeigt und sich zunehmend verfestigt hat.

finanzwelt: Wie entwickelt sich die Immobilie aktuell als Sachwert-Investment im Vergleich zu anderen Asset-Klassen?

Stoß: Während liquide Asset-Klassen wie Aktien oft volatil auf geopolitische Ereignisse reagieren, bleibt die Immobilie der strategische Anker im Portfolio – primär aufgrund ihrer Funktion als natürlicher Inflationsschutz und ihrer Fähigkeit, stabile Cashflows zu generieren. Im Vergleich zu anderen Sachwerten gewinnen vor allem nachhaltige und zukunftsorientierte Immobilienstrategien an Bedeutung. Für Investoren bedeutet das: Die Rendite liegt heute weniger im Marktwachstum als vielmehr in der selektiven Auswahl von Objekten und der aktiven Wertsteigerung. Die Immobilie bleibt damit ein unverzichtbarer Stabilisator.

finanzwelt: Wie entwickelt sich die Nachfrage bei Ihnen?

Stoß: Bei Privatanlegern herrscht im Neugeschäft weiterhin Zurückhaltung. Sehr erfolgreich sind wir hingegen im Vertrieb bei Anlegern, die Rückflüsse aus bestehenden Beteiligungen – gerade auch aus unserer ‚Residential USA‘-Serie – erhalten. Hier konnten wir mit dem Verlauf unserer Projektentwicklungen überzeugen und verzeichnen viele Wiederanlagen.

finanzwelt: Wie ist Ihr Ausblick für das Gesamtjahr 2026?

Stoß: Besonders interessant sind derzeit zwei unterschiedliche Marktsegmente. Zum einen etablierte Metropolregionen, in denen Wohneigentum für viele Haushalte kaum noch erschwinglich ist. Dadurch entsteht eine dauerhaft hohe Nachfrage nach hochwertigen Mietwohnungen. Zum anderen sehen wir Möglichkeiten in wachstumsstarken Regionen mit anhaltendem Bevölkerungszuzug und einer positiven Beschäftigungsentwicklung. Dort wächst die Nachfrage schneller als das Angebot neuer Wohnungen. Beide Entwicklungen führen zum selben Ergebnis: Der Bedarf an professionell entwickelten, gut gelegenen Mietwohnanlagen bleibt hoch. Für Investoren entstehen dadurch attraktive Voraussetzungen für langfristige Wertschöpfung. (mho)