“Strukturierte Wertpapiere ermöglichen eine gezielte Risikotransformation”
19.02.2026

Serge Nussbaumer - Foto: Maverix Securities
Serge Nussbaumer ist Head of Public Solutions bei Maverix Securities. finanzwelt sprach mit ihm zu den Charakteristika strukturierter Wertpapiere, den Unterschieden zwischen dem Schweizer und dem deutschen Markt und zu seinem Blick auf das Anlagejahr 2026.
finanzwelt: Strukturierte Produkte sind vielfältig. Für wen eignen sich Zertifikate in der Portfolioallokation, Herr Nussbaumer?
Serge Nussbaumer: Sie sind weniger ein Ersatz für eine strategische Asset Allocation, sondern ein Präzisionsinstrument innerhalb dieser Architektur. Zertifikate eignen sich insbesondere für professionelle Investoren, Family Offices und vermögende Privatkunden, die Renditequellen gezielt isolieren, Markterwartungen mit klar definiertem Risikobudget umsetzen oder asymmetrische Auszahlungsprofile in ihre Portfolios integrieren möchten.
Gleichzeitig können sie auch für Privatanleger interessant sein, allerdings nur mit einer klaren Funktion im Portfolio, beispielsweise als Satellitenbaustein rund um ein solides Kerninvestment, etwa über ETFs. Zertifikate ermöglichen es Privatanlegern, eine gezielte Marktidee strukturiert umzusetzen, sei es eine Seitwärtsmeinung, ein defensiver Einstieg mit Puffer oder die bewusste Monetarisierung von Volatilität. Dabei ist Transparenz über Chancen, Risiken und Laufzeitprofil entscheidend. Richtig eingesetzt sind Zertifikate kein Spekulationsinstrument, sondern ein kontrollierter Weg, eine konkrete Markterwartung mit definierten Parametern umzusetzen.
Im Kern ermöglichen strukturierte Wertpapiere eine gezielte Risikotransformation: Sie verändern nicht die Marktmeinung, sondern die Art und Weise, wie diese in ein konkretes Risiko-Ertrags-Profil übersetzt wird. Gerade in einem Umfeld erhöhter Volatilität, geopolitischer Unsicherheiten und strukturell höherer Zinsen bieten sie die Möglichkeit, Marktchancen kontrolliert und mit klar definiertem Risikorahmen zu nutzen.
finanzwelt: Wie unterscheidet sich diese Produktgattung beispielsweise prinzipiell von einem aktiv gemanagten Fonds und/oder einem ETF?
Nussbaumer: Der Unterschied ist fundamental. Ein ETF liefert systematisches Beta-Exposure – kosteneffizient und transparent. Ein aktiv gemanagter Fonds verfolgt einen Alpha-Anspruch durch diskretionäre Titelselektion und taktische Allokationsentscheidungen. Ein Zertifikat implementiert hingegen eine vordefinierte Auszahlungslogik. Im Kern ist es eine verbriefte Optionsstrategie mit klar definiertem Payoff. Es gibt keinen laufenden Managementprozess, keine Umschichtung und kein diskretionäres Eingreifen, sondern eine mathematisch konstruierte Struktur. Damit verschiebt sich der Fokus von der Kompetenz des Managers hin zum Strukturdesign, zur Pricing-Qualität und zur Bonität des Emittenten. Für professionelle und erfahrene private Anleger liegt der Mehrwert genau in dieser Planbarkeit und Präzision.
finanzwelt: Aktuell sehen wir hohe Indexstände – das müsste Discount-Produkte auf den Plan rufen, oder?
Nussbaumer: Tatsächlich rücken Discount-Strukturen vor dem Hintergrund hoher Indexstände – etwa beim DAX oder beim S&P 500 – in den Fokus. Hohe Bewertungsniveaus führen häufig zu Zurückhaltung gegenüber uneingeschränktem Long-Exposure. Discount-Zertifikate ermöglichen einen Einstieg mit Abschlag auf den aktuellen Kurs, der durch die Begrenzung des Aufwärtspotenzials finanziert wird.
Entscheidend ist dabei weniger das absolute Indexniveau als die implizite Volatilität. Je höher diese ist, desto attraktiver fallen der Discount und die möglichen Seitwärtsrenditen aus. In einem Marktumfeld, das eher von moderatem Wachstum und erhöhter Schwankungsbreite als von einer linearen Hausse geprägt ist, können solche Strukturen ein überlegenes Risiko-Ertrags-Profil gegenüber einer Direktanlage bieten.
finanzwelt: Welche Trends stellen Sie derzeit am Markt für strukturierte Wertpapiere in der Schweiz und in Deutschland fest?
Nussbaumer: In der Schweiz beobachten wir weiterhin eine hohe Marktdurchdringung strukturierter Produkte, sowohl im professionellen als auch im semiprofessionellen Segment. Barrier Reverse Convertibles auf liquide Large Caps bleiben ein Kernsegment. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach Multi-Asset- und Basket-Lösungen. ESG-Kriterien werden zunehmend auch im strukturierten Bereich integriert.
In Deutschland nimmt das institutionelle Interesse an massgeschneiderten OTC-Strukturen zu, insbesondere seit der Zinswende. Kapitalschutzprodukte erleben durch das veränderte Zinsumfeld eine Renaissance und strukturierte Lösungen werden zunehmend als Baustein taktischer Asset-Allocation-Konzepte verstanden. In beiden Märkten ist eine klare Professionalisierung erkennbar: Investoren analysieren implizite Volatilitäten, Margen, Sekundärmarktqualität und Emittentenrisiken deutlich differenzierter als noch vor einigen Jahren.
finanzwelt: Abseits der Zertifikate – wie blicken Sie auf das Anlagejahr 2026?
Nussbaumer: 2026 dürfte kein einfaches Beta-Jahr werden, sondern ein Umfeld mit höherer Dispersion. Die globalen Wachstumsraten dürften moderat bleiben, während die Finanzierungskosten strukturell über dem Niveau der 2010er-Jahre liegen werden. Geopolitische Spannungen und fiskalische Herausforderungen bleiben Risikofaktoren. Gleichzeitig entstehen Chancen durch sektorale und regionale Divergenzen. Im Vorteil dürften Qualitätstitel mit robusten Cashflows, soliden Kapitalstrukturen und Preissetzungsmacht sein. Carry-Strategien gewinnen an Bedeutung und Volatilität wird eher die Regel als die Ausnahme sein. Für Investoren bedeutet das: Aktives Risikomanagement und eine differenzierte Allokation sind von zentraler Bedeutung.
finanzwelt: Viel wird über die Zinslandschaft gesprochen: Wie werden sich insbesondere die Fed und ihr neuer Chef im laufenden Jahr positionieren?
Nussbaumer: Das Federal Reserve System steht vor dem Balanceakt zwischen Preisstabilität und Konjunkturstabilisierung. Auch unter einem neuen Vorsitz wird der geldpolitische Kurs datenabhängig bleiben. Eine aggressive Serie von Zinssenkungen erscheint unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist ein graduelles, vorsichtiges Vorgehen, das die Inflationserwartungen stabilisiert und gleichzeitig die konjunkturellen Risiken berücksichtigt. Realzinsen dürften positiv bleiben, was die Kapitalallokation nachhaltig beeinflusst. Das klassische „Fed-Put“-Narrativ verliert an Überzeugungskraft – die Märkte müssen sich stärker an Fundamentaldaten orientieren.
finanzwelt: Abschliessend die Frage: Wofür steht die Maverix Securities?
Nussbaumer: Maverix Securities steht für Strukturierungskompetenz, Transparenz und partnerschaftliche Lösungsorientierung. Unser Anspruch ist es, strukturierte Wertpapiere nicht als standardisierte Verkaufsprodukte, sondern als massgeschneiderte Bausteine moderner Portfolioarchitektur zu verstehen. Wir denken vom gewünschten Payoff her, legen Wert auf nachvollziehbares Pricing und begleiten Investoren auf Augenhöhe. Unser Ziel ist es, Komplexität zu reduzieren und Klarheit in Bezug auf Risiko, Ertrag und strategische Funktion im Gesamtportfolio zu schaffen.

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