Trendwende in der AKS
03.08.2026

Foto: SwissLife Binz © Swiss Life
„Die Diskrepanz zwischen den geäußerten Absicherungspräferenzen und der tatsächlichen Verbreitung von AKS-Lösungen sowie das lückenhafte Wissen um bestehende Absicherungsoptionen weisen auf die Wichtigkeit der persönlichen Finanzberatung hin – gerade in Zeiten steigender Unsicherheit und erhöhten Drucks am Arbeitsplatz.“, sagt Dirk von der Crone.
Der Industriestandort Deutschland durchlebt schwere Zeiten. Entspannung scheint zunächst nicht in Sicht: Die Mehrheit der Beschäftigten geht davon aus, dass der Transformationsdruck weiter zunimmt. Entsprechend erwartet mehr als jeder Zweite (54 Prozent) steigende und ein Drittel (33 Prozent) teilweise steigende Anforderungen an die persönliche Flexibilität und Belastbarkeit. Nur 10 Prozent sehen diese eher nicht oder überhaupt nicht auf sich zukommen.
Zugleich zwingt die kriselnde deutsche Konjunktur viele Industrieunternehmen zum Handeln. Die Belegschaften spüren die Folgen. So geben 44 Prozent der Befragten an, im letzten Jahr durch den Wandel eine erhöhte physische oder psychische Belastung zu verspüren, auf ein knappes Drittel (29 Prozent) trifft das immerhin teilweise zu, während nur rund jeder Vierte (26 Prozent) keine Mehrbelastung registriert. Als Ursache nennen die mehrbelasteten Beschäftigten vor allem drei Gründe: Zusätzliche Arbeit durch Kosteneinsparungen und Effizienzprogramme (49 Prozent) sowie Personalabbau oder nicht nachbesetzte Stellen (48 Prozent) sorgen bei fast der Hälfte für Mehrbelastung. Häufige Umstrukturierungen und kurzfristige Prozessänderungen (40 Prozent) sind dritthäufigste Stressursache und spiegeln den beschleunigten Anpassungsdruck in den Industrieunternehmen wider. Aber: In Panik verfallen Industriebeschäftigte ob der schwierigen Lage nicht. Fast jeder Zweite (45 Prozent) gibt sich mit Blick auf den eigenen Arbeitsplatz für die kommenden 5 Jahre optimistisch.
„Die Arbeitsverdichtung steigt und steigt, genauso wie der Veränderungsdruck und das eigene Stresslevel: Die Belastung am Arbeitsplatz hat für die Mehrheit der Industriebeschäftigten weiter zugenommen. Das zeigt unsere aktuelle Umfrage eindrucksvoll", sagt der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis. „Wirtschaft und Politik sollten das als Weckruf aus der Mitte der industriellen Realität verstehen."
Die Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz (KI) stellen ganze Sektoren auf den Prüfstand – und beschäftigt auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der in die Studie miteinbezogenen Industriebranchen. Allerdings altersabhängig in höchst unterschiedlichem Ausmaß. Während übergreifend nur 25 Prozent der Befragten befürchten, in den nächsten 10 Jahren durch KI-Automatisierung ersetzt zu werden, treibt die Angst vor KI-Konkurrenz mehr als ein Drittel (37 Prozent) der unter 30-Jährigen um. Zum Vergleich: Nur 17 Prozent der Gen X (Jahrgang 1965 – 1980) sehen ein sehr oder eher hohes KI-Risiko für ihre Tätigkeit. Auch generell leidet die jüngste Generation deutlich mehr unter der industriellen Transformation in Deutschland: Rund 6 von 10 Gen Z-Befragten (59 Prozent) stimmen der Aussage zu, dass der aktuelle Wandel in der Branche die psychische oder physische Belastung spürbar erhöht hat – bei den Millennials und der Gen X sind es nur 38 Prozent und 41 Prozent.
„Die Studie zeichnet ein klares Bild von den starken Mehrbelastungen, mit denen sich Beschäftigte wichtiger deutscher Industriesparten in der aktuellen Zeit konfrontiert sehen“, so Dirk von der Crone. „Steigende physische wie psychische Belastungen bedrohen mit der eigenen Arbeitskraft unmittelbar das Fundament der finanziellen Existenzsicherung. Umso wichtiger ist es, dass wir die aufgedeckten Wissens- und Vorsorgelücken in einem so elementaren Bereich wie der Arbeitskraftsicherung – auch mithilfe der wertvollen Aufklärungsarbeit durch Gewerkschaften wie der IGBCE – schnellstmöglich schließen.“
„Wir müssen damit rechnen, dass sich Berufsbilder verändern und Tätigkeiten wegfallen, wo künstliche Intelligenz bestimmte Aufgaben rationaler erledigen kann. Die entscheidende Frage ist: Mit welcher Geschwindigkeit und in welcher Dimension passiert das? Das muss gestaltbar bleiben“, macht Vassiliadis deutlich. Auf keinen Fall dürfe die oder der Einzelne mit der Entwicklung allein gelassen werden. „Rationalisierung durch KI kann und darf nicht einfach Beschäftigungsabbau bedeuten. Nur weil KI eine Aufgabe schneller erledigt, heißt das nicht: Die Leute sind raus. Im Gegenteil: Aus unserer Sicht werden der Mensch und das, was er kann, kostbarer. Deshalb müssen wir ihn stärker in die Lage versetzen, das zu tun, was nur der Mensch kann – und was sinnvollerweise nur der Mensch tun sollte.“ (mho)

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