Warum 80 % der neuen Makler scheitern und wie man es richtig aufsetzt
23.04.2026

Sabrina Teteruck, Unternehmensberaterin und Gründerin der Makler Starter Akademie. Foto: © Sabrina Teteruck
Als Versicherungsmakler durchzustarten ist ein schlüssiger und nächster Schritt, wenn man bereits einige Jahre in der Versicherungsbranche vollbracht hat. Der Drang nach dem eigenen Unternehmen und einem eigenen Bestand wird im Laufe der Jahre immer größer. Also kommt schlussendlich auch der Gedanke: Ich will mein eigenes Maklerbüro starten, doch genau dann trennt sich die Spreu vom Weizen. Gerade der Weg aus der Ausschließlichkeit ist kein leichter. In der gesamten Laufbahn wurden Struktur und Rahmenbedingungen vorgegeben und auf einmal steht man wie ein Kind im Süßigkeiten Laden und weiß gar nicht so recht, wo man zuerst hinschauen und zugreifen soll.
Genau dort passieren die ersten Fehler, der Makler will alles auf einmal. Na klar will ich alle Maklerpools ausprobieren und 5 Direktanbindungen gleichzeitig und ehe man sich versieht, hat man sich sein eigenes Verwaltungsmonster geschaffen. Die meisten Makler fangen an sich mit dem Markt und den verschiedenen Versicherungsprodukten auseinanderzusetzen – versteht mich nicht falsch, das ist ebenfalls essenziell und wichtig! Dennoch beginnt das eigene Business viel früher – und zwar beim Businessplan – der ist zuerst unabdingbar, um sich den Existenzgründerzuschuss zu sichern und zweitens, um selbst zu überlegen, wo man hin möchte und was für ein Unternehmen man aufbauen will.
Denn 80% der Neumakler - das ist meine Beobachtung aus der täglichen Arbeit mit Gründern in der Branche - gehen mit dem Gedanken rein, dass sie „einfach“ weiter Versicherungen verkaufen, ohne zu berücksichtigen, dass sie gerade Ihr eigenes Unternehmen gründen. Ein Unternehmen braucht zuerst eine Mission und eine Vision, denn wenn du in dein Navi kein Ziel eingibst, ist es sehr unwahrscheinlich, dass du am Ende dort ankommst, wo du hin möchtest.
Wie kann man das ganze jetzt also vermeiden und direkt erfolgreich durchstarten? Zuerst sollte man sich die Frage stellen, wer man selbst ist und welche Werte man vertritt. Denn ein eigenes Unternehmen ist der ehrlichste Spiegel, den man sich selbst vorhalten kann. So bald feststeht, was das Ziel ist und was die Zwischenziele sind, kann man sich eine eigene Roadmap bauen und Schritt für Schritt auf das eigene Ziel hinarbeiten. Beispielweise hast du dich dafür entschieden, dass du Einzelmakler werden möchtest. Dann solltest du von Anfang an ehrlich zu dir selbst sein und deine 5 größten Schwächen aufschreiben und genau für diese Schwächen holst du dir Hilfe. Hier darf das eigene Ego nicht im Weg stehen; niemand von uns ist perfekt und es ist eine Stärke seine Schwächen zuzugeben. Das kann zum Beispiel Technik, Organisation, Marketing, Buchhaltung oder etwas anderes sein. Die größte Schwäche, die ich immer wieder beobachte, ist Kontrolle. Der Makler hat Angst Kontrolle abzugeben und will alles im Blick behalten, auch wenn er deutlich mehr Ruhe und Geld hätte, wenn er sich auf den Vertrieb konzentrieren würde. Das Backoffice ist nämlich am Ende das entscheidende. Wenn du deinem Backoffice (ob Personen oder Automationen) nicht vertraust, dann wirst du jeden Tag Stunden damit verbringen, deine Mails und WhatsApp Nachrichten selbst zu bearbeiten und alles doppelt zu checken. Am Anfang wird das noch machbar sein, aber sobald du 1.000 oder 1.500 Kunden erreicht hast, ist der Arbeitsaufwand so nicht mehr zu schaffen.
Ich habe Makler begleitet, die mit 800 Kunden völlig am Limit waren – und andere, die mit 1.500 Kunden entspannt in den Urlaub gefahren sind. Der Unterschied war nie das Talent. Es war immer die Struktur. Ein funktionierendes Backoffice bedeutet: Prozesse, die auch ohne dich laufen. Ein Maklerverwaltungsprogramm oder CRM, das gepflegt wird. Automatische Erinnerungen. Klare Zuständigkeiten. Wer früh investiert – ob in Mitarbeiter, virtuelle Assistenten oder smarte Tools – der kauft sich das zurück, was am Ende über alles entscheidet: Zeit und Fokus.
Wir halten also fest: Zuerst einen ehrlichen und gut ausgearbeiteten Businessplan schreiben, ich empfehle hier eine ganz pragmatische Lösung: 20 Minuten, Zettel und Stift, alle Geräte auf „nicht stören" schalten und dann alles aufschreiben, was dir durch den Kopf geht. Diese Übung bekommen alle meine Makler immer mal wieder als „Hausaufgabe". Es hilft den Fokus nicht zu verlieren und es schafft die perfekte Grundlage für die eigene Zukunft. Und als zweites ein solides Fundament im Backoffice aufbauen, dem du selbst vertraust.
Wer diese zwei Dinge von Anfang an ernst nimmt, gehört nicht zu den 80%. Und das liegt nicht am Glück – das liegt an der Entscheidung, es von Beginn an richtig anzugehen. Du hast den Schritt gewagt, selbstständig zu werden. Jetzt bau es so auf, dass es wirklich trägt.
Ein Gastbeitrag von Sabrina Teteruck, Unternehmensberaterin und Gründerin der Makler Starter Akademie.

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