US-Nebenwerte in absoluter Feierlaune

25.08.2026

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Der Russell 2000 überspringt die 3.000 Punkte-Marke, zum ersten Mal in seiner Geschichte. Der Index für US-amerikanische Nebenwerte profitiert vor allem von tiefgreifenden Veränderungen in den USA.

Ende Juni 2026 feierte man an der Börse einen Rekord. Auch wenn in den Medien kaum darüber berichtet wurde, der Russell 2000 sprang zum ersten Mal seit Auflegung im Jahr 1984 über die 3.000er-Marke. Ein Rekord der Nebenwerte, denn der Russell 2000 bildet die Wertentwicklung von Nebenwerten ab, sogenannten Small Caps. Allerdings muss man hier etwas vorsichtig sein, nicht alle im Russell 2000 gelisteten Unternehmen sind wirklich „small“. Die nach Marktkapitalisierung größten Unternehmen im Index kommen immerhin auf über 50 Milliarden Dollar.

Das ist nicht unbedingt klein, weisen einige DAX-Werte doch eine deutlich geringere Marktkapitalisierung als 50 Milliarden Dollar auf. Dennoch gilt der Russell 2000 als wichtigstes Kursbarometer für Small Caps aus den USA, da neben den MilliardenSchwergewichten auch viele kleine Unternehmen im Index vertreten sind, die wirklich nur wenige Millionen Dollar auf die Waage bringen und diesbezüglich mit Werten aus dem deutschen SDAX zu vergleichen sind, dem Kursbarometer für heimische Small Caps.

Nebenwerte wurden länger nicht beachtet, doch das ändert sich nun

Also, Ende Juni der Rekord der US-Nebenwerte. Doch was hat dieses Allzeithoch ausgelöst? War es einfach nur das Umschichten von Kapital in vergleichsweise günstig bewertete Aktien? Ja und nein. Ja, weil viele Nebenwerte in der Tat relativ günstig an der Börse gehandelt werden. In Zeiten der Big Caps, in denen vor allem die großen und bekannten Blue-Chips-Leitindizes wie der Dow Jones und der Nasdaq 100 einen Boom erleben, sind viele Aktien aus der zweiten Reihe schlichtweg aus dem Fokus der Anleger gefallen.

Das sieht man etwa an der historischen Entwicklung. Der Russell 2000 übersprang zum ersten Mal die 1.000-Marke im Jahr 2013. Bis heute hat er sich dann verdreifacht. Hört sich nach viel an, ist es aber gar nicht. Der Nasdaq 100, der die größten Techwerte in den USA bündelt, hat sich im gleichen Zeitraum verzehnfacht. Und selbst der Dow Jones, Heimat der traditionellen US-Industrie, schafft es auf eine Verdreieinhalbfachung. Dementsprechend hinkt der Bewertung der Russell-2000-Unternehmen den Blue Chips nicht selten hinterher.

Nein, weil hinter dem Rekord der Nebenwerte mehr steckt als nur eine BewertungsAufholjagd. Das Allzeithoch ist auch ein Indiz dafür, dass sich die Zeiten geändert haben. Vor allem die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump kommt gerade den Nebenwerten zugute. Denn sie sind häufig nicht so global aufgestellt wie die USSchwergewichte. Dies bedeutet: Kleine und mittelgroße Unternehmen wickeln einen wesentlichen Teil ihres Geschäfts sie in ihrer Heimat, in den USA ab. Und dies wiederum heißt, dass sie von den Handelszöllen kaum bis wenig betroffen sind. Für sie spielt eher die US-Konjunktur eine Rolle. Und hier läuft es nach wie vor gut. Immerhin werden die USA im laufenden Jahr voraussichtlich um rund zwei Prozent wachsen. Damit sind die Vereinigten Staaten innerhalb der G7-Staaten das am schnellsten wachsende Land.

Mit Nebenwerten vor Ort

Dabei spielt insbesondere der heimische Konsum eine Rolle, für die Gesamtwirtschaft wie für die Nebenwerte. Der private Konsum ist quasi die Standsäule für die USWirtschaft und macht fast 70 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus. Und beim privaten Konsum läuft es gut. Auch wenn das Verbrauchervertrauen, das regelmäßig vom Forschungsinstitut Conference Board erhoben wird, zuletzt leicht sank, bewegt es sich mit rund 91 Zählern immer noch auf einem hohen Level. Zum Vergleich: Während der Corona-Pandemie sank der Index deutlich auf zeitweise unter 50 Zähler. Vom starken Verbrauchervertrauen profitieren die inlandsorientierten Nebenwerte direkt. Sie sitzen quasi vor Ort, mit ihren Produkten bedienen sie direkt die Nachfrage der Konsumenten.

Zusammengefasst folgt daraus: Der Rekord der Nebenwerte Ende Juni steht auf soliden Füßen. Auch wenn es in den kommenden Wochen etwas ruhiger um die Nebenwerte

werden könnte, am Ende sollte es mit dem Aufwärtstrend weitergehen. Anleger, die sich langfristig in US-Nebenwerte engagieren wollen und die vergleichsweise größeren Chancen, aber auch höheren Risiken einzelner US-Nebenwerte meiden möchten, können unter anderem auf ETFs setzen.

Marktkommentar von Dr. Markus C. Zschaber, Gründer der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft in Köln.