Wird der Rentenmarkt zum Pulverfass?
05.10.2026

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Ich werde oft mit der Frage konfrontiert, ob „man“ jetzt zehnjährige Staatsanleihen kaufen soll. Denn, wenn die Zinsen wieder fallen, müssten die Anleihen im Kurs steigen. Das wird in dem Fall auch so sein. Aber der Kurshebel einer langen Laufzeit wirkt auch, wenn die Zinsen weiter steigen. Dann gehen die Kurse nämlich zurück. Die letzte drei Prozent Bundesanleihe (BU2Z07) notiert aktuell bei 95,11 Prozent. Die 2,5 Prozent Bund vom 10.1.2025 bei 92,72 Prozent. Ganz extremes Beispiel: Die null Prozent-Bund vom August 2019 (bis 2050) notiert bei 39,81 Prozent. Wer in dieser Asset-Gruppe möglichst wenig Risiko eingehen will, sollte die Laufzeiten auf zwei – drei Jahre begrenzen. Außerdem ist der Renditeunterschied so minimal (3,2 Prozent für zwei Jahre, 3,6 Prozent für zehn Jahre), dass sich das Risiko von vornherein nicht lohnt.
Fazit: Selbst, wenn im Nahen Osten Frieden herrscht, wird es Monate und Jahre dauern, bis die zerstörten Ölfelder den Markt wieder voll beliefern können. Dadurch könnte der Ölpreis kurzfristig nur langsam zurückgehen. Der Inflationsdruck wird dann nur wenig entlastet.
Ein Riesenproblem ist das permanent wachsende Angebot an Staatsschuldverschreibungen und Anleihen der Industrie (KI-Firmen). Die Anleger sehen vielleicht höhere Risiken und verlangen eine höhere Rendite. Aber sollten die Zinsen steigen, treffen sie den Konsum, die Investitionen, die Wirtschaft und nicht zuletzt den Immobilien- und den Aktienmarkt. Die Aktien auch deshalb, weil die Renditen Basis für die Akzeptanz von KGV´s der Aktien darstellen. Und die „langen“ Anleihen fallen dann auch. Die Zombie-Unternehmen kollabieren, Staats- aber auch verschuldete Privathaushalte ächzen unter der Zinslast und die Schattenbanken sind eh eine Blackbox. Nicht zu vergessen: 79 Prozent der OTC-Derivate sind Zinsderivate.
Es wird meiner Meinung nach Zeit, die Risiken des Kapitalmarktes im höheren Maße zu berücksichtigen. Neben einer strikten Diversifikation, einer erhöhten Liquidität und einem 15 – 20-prozentigen Anteil in Edelmetallen (aktuelle Schwäche nutzen), gehört auch, im Rentenmarkt keine weiteren Risiken einzugehen.
*Kurse und Renditen Stand 01.10.2026

Ein Beitrag von Rolf Ehlhardt, Vermögensverwalter, I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH

KI-Panne oder falsches Management?



