2026: Ein Jahr, das die US-Konjunkturskeptiker überraschen dürfte

25.02.2026

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Die Diskussion über den Zustand der US-Wirtschaft wird seit Monaten von den gleichen Erzählmustern dominiert: ein überhitzter Markt, hohe Bewertungen, politische Unsicherheit, geopolitische Risiken. Trotz dieser Schlagzeilen zeigen die zugrunde liegenden Daten ein Bild, das diametral entgegenläuft. Die Indikatoren, die traditionell Wendepunkte markieren, signalisieren nicht Abschwung, sondern Stabilisierung. Steigende Produktivität, normalisierende Inflation, ein robuster Arbeitsmarkt und ein ungewöhnlich breiter Investitionszyklus führen zu einer Konstellation, die nicht mit einem späten Zyklus zu verwechseln ist. Vielmehr deutet sie auf eine Phase struktureller Expansion hin, die in ihrer Tiefe und Nachhaltigkeit bislang unterschätzt wird.

Der Blick auf 2026 wird dadurch geprägt, dass zyklische Interpretationen mit einer Realität kollidieren, die von langfristigen, technologischen und politischen Kräften getragen wird. Die Dynamik ähnelt keiner klassischen Phase historischer Wirtschaftszyklen. Weder die Muster der Jahre 1999-2000 noch jener der Jahre 2006-2007 liefern eine passende Referenz. Stattdessen entsteht ein Gefüge, das die USA in eine Position struktureller Resilienz führt, die sich nicht allein aus kurzfristigen Konjunkturdaten ableiten lässt. Die wichtigsten Treiber liegen tiefer, nämlich in Produktivitätsmechanismen, technologischer Diffusion, staatlich verankerter Industrieförderung und einer nach innen gerichteten Investitionslogik, die globalen Störfaktoren weitgehend standhält.

Makroökonomisches Gleichgewicht als stabile Basis

Ein zentraler Grund für die Widerstandskraft der US-Konjunktur liegt dabei in einem makroökonomischen Gleichgewicht, das trotz moderater Wachstumszahlen eine ungewöhnlich stabile Ausgangslage schafft. Das erwartete reale BIP-Wachstum von ca. 1,6% für 2026 erscheint oberflächlich moderat. In Verbindung mit dem Inflationspfad ergibt sich jedoch ein makroökonomisches Gleichgewicht, das sich historisch als ausgesprochen günstig für Aktienmärkte erwiesen hat. Viele Volkswirtschaften weltweit kämpfen mit einem Mix aus schwachem Wachstum, politischer Unsicherheit und niedriger Investitionstätigkeit. Die USA hingegen unterscheiden sich in einem wesentlichen Punkt: Es existiert ein robuster, politisch katalysierter Investitionszyklus, der unabhängig vom globalen Umfeld Nachfrage stimuliert.

Der politisch verankerte Investitionszyklus

Ein wesentlicher Treiber der aktuellen US-Dynamik entsteht aus einem politisch verankerten Investitionszyklus, der industrielle Kapazitäten gezielt ins Inland zurückholt und damit eine neue Stabilitätsschicht schafft. IRA, CHIPS Act und ergänzende Programme bilden zusammen den größten politisch gesteuerten Investitionszyklus der USA seit Jahrzehnten. Anders als klassische Konjunkturprogramme beruhen diese Maßnahmen nicht auf kurzfristigen Anreizen, sondern auf langfristigen Strukturentscheidungen. Die USA verfolgen das Ziel, kritische Wertschöpfungsketten wie Energie, Halbleiter, Batterien, elektrische Infrastruktur, Netzausbau und Schlüsselkomponenten industrieller Produktion in das Inland zurückzuholen.

Diese Programme sind keine projektbezogenen Einzelmaßnahmen, sondern erzeugen eine planbare, mehrjährige Investitionspipeline, die in der Privatwirtschaft bereits sichtbar wird. Die Fertigungsindustrien verzeichnen steigende Auftragseingänge in den Bereichen Maschinenbau, Elektronikfertigung, Netzausbau und industrielle Infrastruktur. Der Unterschied zu früheren industriefokussierten Phasen besteht in der strategischen Absicht: Die USA koppeln geopolitische Sicherheit, Energiepolitik und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eng miteinander. Dadurch entsteht ein robuster Nachfragekern, der weniger anfällig für externe Schocks ist.

Small Caps profitieren hiervon überproportional, weil ein erheblicher Teil des inländischen Investitionsvolumens in Unternehmen fließt, die nicht global diversifiziert sind. Die Kombination aus zinssensitiven Geschäftsmodellen und steigenden industriellen Aufträgen schafft ein Umfeld, in dem kleine und mittelgroße Unternehmen erstmals seit Jahren strukturellen Rückenwind erhalten.

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