Allianz-Studie: Geschäftsrisiken 2013

07.02.2013

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Eine globale Umfrage unter mehr als 500 Allianz Experten aus der Industrie- und Firmenversicherung ergab dass Betriebsunterbrechungen, Naturkatastrophen und Brände weltweit als wichtigste Risiken für Unternehmen gelten, Stromausfälle und Cyberkriminalität würden von den Firmen noch unterschätzt

(fw/db) Unternehmen aus aller Welt eint eine Sorge: Ihr Betrieb steht aufgrund höherer Gewalt still. Betriebs- und Lieferkettenunterbrechungen, Naturkatastrophen sowie Brände und Explosionen sind die bedrohlichsten Risiken für Unternehmen im Jahr 2013.

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage der Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) in 28 Ländern. Auch Veränderungen im Rechts-, Markt und Wettbewerbsumfeld sind wichtige Geschäftsrisiken. Die deutsche Industrie fürchtet sich darüber hinaus vor Qualitätsmängeln und Rufschäden, während der Mittelstand um knappe Fachkräfte und Finanzen bangt.

Betriebs- und Lieferkettenunterbrechungen sind aus Sicht der Allianz Experten das größte Geschäftsrisiko (46 Prozent der Antworten). Viele Unternehmen halten ihre globalen Lieferketten aus Kostengründen schlank und verzichten auf Ersatzlieferanten. "Wie die Flutkatastrophe in Thailand zeigte, können Ausfälle von einzelnen Schlüssellieferanten in einer Region ganze Branchen in Mitleidenschaft ziehen", erklärt AGCS-Sachversicherungsexperte Volker Münch.

Schäden aus Naturkatastrophen nehmen zu

Betriebsunterbrechungen sind oft die Folge von Naturkatastrophen, dem zweitgrößten Unternehmensrisiko (44 Prozent der Antworten). Auch wenn das Jahr 2012 - abgesehen von Hurrikan Sandy - vergleichsweise katastrophenarm war, besteht kein Grund für Entwarnung: "In den letzten 30 Jahren haben sich die Schäden aus Naturkatastrophen um das 15-fache gesteigert. Und die Schäden werden weiter zunehmen, weil die Versicherungsdichte gerade in Asien steigt und gefährdete Küstenregionen immer stärker besiedelt werden", erklärt Dr. Markus Stowasser, Meteorologe bei Allianz Re. Auch in Europa sei häufiger mit lokal auftretenden Wetterphänomenen wie Starkregen zu rechnen.

Überraschend aktuell zeigt sich ein Risiko, das so alt wie die Menschheit ist: Feuer und Explosionen rangieren auf dem dritten Platz der wichtigsten Unternehmensrisiken weltweit. Brände sind zwar selten, können aber - insbesondere im produzierenden Gewerbe - hohe Sach- und Betriebsunterbrechungsschäden verursachen. Beispiel AGCS: Von sieben industriellen Großsachschäden im Jahr 2012 mit mehr als 10 Millionen Euro Folgekosten wurden sechs durch Feuer verursacht. "Unternehmen sollten beim Brandschutz keine Kompromisse aus Kostengründen eingehen", betont Paul Carter, Global Head of Risk Consulting bei AGCS.

Sorge um Gütesiegel "Made in Germany"

Für Deutschland benennen die befragten lokalen Allianz Versicherungsmanager ebenfalls Betriebsunterbrechungen und Naturkatastrophen als die zwei größten Risiken für ihre Unternehmenskunden. An dritter Stelle jedoch - und dies gilt umso mehr für große Industriekonzerne - steht die Angst vor Qualitätsmängeln und Serienfehlern. "‚Made in Germany‘ ist nach wie vor ein wichtiges Qualitätssiegel in Branchen wie dem Auto-, Maschinen- oder Anlagenbau. Daher stellen Qualitätsprobleme und Baufehler, die große Produktionsserien betreffen, für viele deutsche Unternehmen ein gravierendes Risiko dar", erklärt Dr. Thomas Meschede, Head of Risk Consulting AGCS Deutschland. Eng verknüpft damit: Die Angst vor Reputationsschäden rangiert ebenfalls unter den zehn wichtigsten Geschäftsrisiken für deutsche Großunternehmen.

Etwas anders sieht es im deutschen Mittelstand aus: Fachkräftemangel und die alternde Arbeitnehmerschaft sind hier kritische Themen. "Mittelgroße Unternehmen gelten im Vergleich zu Markenherstellern und DAX-30-Unternehmen als weniger attraktiv und haben es daher schwerer, Nachwuchs- und Fachkräfte zu gewinnen", sagt Michael Krause, Leiter Haft-/Vermögenshaftpflicht Firmenkunden bei der Allianz Versicherung AG. Auch Finanzierungsfragen bereiten mittelständischen Unternehmen häufiger Kopfzerbrechen. "Mittelständler sind in der Regel nicht börsennotiert. Sie haben daher keinen Zugang zum Kapitalmarkt als Kreditgeber - sicher ein Grund dafür, dass sie sich über die Verfügbarkeit von Krediten Gedanken machen", erklärt Krause. Zudem sehen die Allianz Experten mittelgroße Unternehmen stärker durch Betrugs- und Korruptionsrisiken gefährdet.

Unternehmen schlecht vorbereitet auf IT- und Stromausfälle

Einige Risiken genießen in Unternehmen hohe Aufmerksamkeit, andere werden aus Sicht der Allianz Experten noch breit unterschätzt. So können etwa IT-Ausfälle - gleich ob selbstverschuldet oder durch Internetkriminalität - hohe finanzielle Folgekosten in der zunehmend digitalisierten Wirtschaft verursachen. Doch nur sechs Prozent der Allianz Experten meinen, dass ihren Kunden dieses Risiko wirklich bewusst ist. Auch die Gefährdung durch breitflächige Stromausfälle ist erst bei wenigen Unternehmen auf dem Risikoradar. "Aufgrund der alternden Infrastruktur und unzureichender Investitionen wird die Zuverlässigkeit der Stromversorgung in Industrieländern künftig abnehmen", erläutert Michael Bruch, Head of R&D Risk Consulting bei AGCS. Durch die hohe Abhängigkeit von Informations- und Kommunikationstechnologien und den in vielen Unternehmen fehlenden Vorkehrungen wären die Folgen eines Stromausfalls heute viel gravierender als noch vor zehn oder 15 Jahren.

Dietmar Braun, Redakteur finanzwelt

Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS)