Altersvorsorge jedes Jahr ein Milliarden-Verlust?
07.02.2013

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Eine von der Partei der Grünen in Auftrag gegebene Studie wird von der deutschen Assekuranz wegen mangelnder Datengrundlage und wissenschaftlichen Methodenfehler kritisiert. Der Autor der Studie hätte auch schon im Jahr 2011 analoge Daten in einem umstrittenen Gutachten veröffentlicht.
(fw/db) Die Studie des Bamberger Finanzwissenschaftlers Professor Dr. Andreas Oehler prognostiziert Verbrauchern bei ihrer Altersvorsorge milliardenhohe Verluste. Grund seien mangelhafte Finanzprodukte und nicht ausreichende Verbraucheraufklärung. Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) kritisiert begründet die Art und Weise der Datenerhebung.
Von einer "Lotterie" spricht Oehler, Finanzwissenschaftler in Bamberg und Verwaltungsratschef der Stiftung Warentest, wenn er über die Versicherungswirtschaft redet. Im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion hat er untersucht, welcher Schaden den Versicherten entsteht, weil sie nicht verstehen, was sie abschließen. Rund 50.000 Millionen Euro gehen den deutschen Versicherten jedes Jahr verloren, hat Oehler als Wissenschaftler ausgerechnet.
"Es entstehen Schäden, die so gewaltig sind, dass es richtig ein Weckruf sein müsste an die Politik endlich mehr ganzheitlich von den Verbrauchern her zu denken", erläutert Oehler.
Die größten Verluste entstünden, wenn Anleger oder Versicherte vorzeitig kündigen. Allein bei Lebensversicherungen und privaten Rentenversicherungen kommt Oehler auf eine Summe von 160.000 Millionen Euro. Diese Zahl weist der GDV begründet zurück.
"Diese Zahlen sind falsch. Der Untersuchung liegen so viele offenkundig falsche Annahmen zugrunde, dass ihre erneute Veröffentlichung wirklich erstaunen muss", kommentiert Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender der Hauptgeschäftsführung des GDV, die 2011 erstmals publizierte Untersuchung von Prof. Dr. Andreas Oehler.
Oehler stütze sich auf gerade einmal 1.115 gekündigte Verträge in den letzten zehn Jahren, heißt es in der GDV-Erklärung. Die dabei unterstellte Stornierungsquote sei viel zu hoch angesetzt. Außerdem habe Oehler nicht berücksichtigt, dass die Rückkaufswerte in den ersten fünf Versicherungsjahren seit 2008 gestiegen seien.
Schon 2011 habe Oehler eine Studie als "Gutachten" vorgelegt und damals einräumen müssen, dass die verwendeten Daten nicht repräsentativ waren. Als er im November 2011 meinte, einen den Verbrauchern entstandenen Schaden von 160.000 Millionen Euro aus der Zahlung von Provisionen an Vermittlern herleiten zu können, wurde Oehler einfach durch Fakten widerlegt:
Wenn im Untersuchungszeitraum nur 81,3 Milliarden Euro an Abschlusskosten angefallen sind, kann daraus nur schwerlich ein Provisionsschaden für die Verbraucher von 161,7 Milliarden Euro abgeleitet werden (Quelle: mapfax 45S11 vom 14.11.2011).
Die Kölner Versicherungswissenschaftler Professor Dr. Oskar Goecke und Professor Dr. Jürgen Strobel haben in der Folge den Bamberger Finanzwissenschaftler und Verwaltungsratsvorsitzenden der Stiftung Warentest, Herrn Professor Dr. Andreas Oehler, danach ob seiner Methoden genussvoll auseinandergenommen. (Download der Kritik an der Oehler-Studie vom Frühjahr 2012)
Die aktuelle Oehler-"Studie" ist leider wenig gestreut, so dass die wissenschaftlichen Kollegen den Wahrheitsgehalt kaum überprüfen können. Aber wer einen jährlichen Schaden von 50.000 Millionen Euro behauptet, sollte diesen gigantischen Schaden pro Kalenderjahr auch wissenschaftlich belegen können. Immerhin geht es um eine Summe von 500.000 Millionen Euro, welche die deutschen Verbraucher in den nächsten 10 Jahren verlieren.

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