"Beimischung in einem diversifizierten Portfolio"

05.02.2026

Sandro Berweiler - Foto: Copyright Commerz Real

Exklusiv

Infrastrukturinvestments erfreuen sich großer Beliebtheit. Die Gründe liegen auf der Hand. Die Comemrz Real hat einen neuen Fonds aufgelegt. finanzwelt im Gespräch mit Sandro Berweiler, Fondsmanager Infravest.

finanzwelt: Wie weit ist Ihr Definitionsansatz von Infrastruktur?

Sandro Berweiler: Mit unserem neuen Infravest ELTIF nehmen wir die gesamte Bandbreite der Assetklasse in den Blick und wollen langfristig ein diversifiziertes Portfolio an Infrastrukturprojekten aufbauen. Zu den Zielsektoren gehören Versorgung, Kommunikation, Transport, Energie und Soziales. Damit decken wir eine Vielzahl zentraler Versorgungsbereiche ab, vom Mobilfunkausbau über soziale Infrastruktur wie Gesundheitseinrichtungen oder Behörden bis hin zu Wasser- oder Heizkraftwerken. Der Schwerpunkt der Investitionen soll dabei auf Direktinvestments in Deutschland liegen. Perspektivisch werden wir einen kleineren Teil der Investments im europäischen Ausland tätigen.

finanzwelt: Warum der Fokus auf Deutschland?

Berweiler: Die Diversifikationsstrategie basiert in diesem Fall auf der Breite der unterschiedlichen Assets, weniger auf geografischer Diversifikation. Wir sehen in Deutschland mehr als genug Investitionsbedarf. Zudem wollen wir Anlegern die Möglichkeit geben, in die Modernisierung der hiesigen Infrastruktur und damit explizit in den Standort Deutschland zu investieren – für ein starkes Deutschland in einem starken Europa.

finanzwelt: Warum wählen Sie das Konstrukt ELTIF?

Berweiler: Der ELTIF ist das ideale Vehikel, um ein breit diversifiziertes Portfolio an nicht börsennotierten Sachwerten für Privatinvestoren zugänglich zu machen. Der ELTIF ist wie geschaffen für diesen Zweck, erst recht seit seiner Reform zum „ELTIF 2.0“. Das Rahmenwerk erlaubt viel Flexibilität bei der Strukturierung des Fonds und der Auswahl der Assets. Perspektivisch ist auch ein internationaler Vertrieb denkbar. Mit unserem anderen ELTIF Klimavest, dem Schwesterprodukt des Infravest, sind wir bereits seit fünf Jahren am Markt und haben mehr als 1,7 Milliarden Euro eingesammelt. Das ist aus unserer Sicht ein echter Erfolg. Wir haben also gute Erfahrungen gemacht und gezeigt, dass wir ELTIF können. Das sind gute Voraussetzungen, auf denen wir mit dem Infravest nun aufbauen wollen.

finanzwelt: Was macht Infrastrukturinvestments aus Ihrer Sicht interessant?

Berweiler: Wir sehen großes Potenzial bei der Assetklasse Infrastruktur, die bislang jedoch vor allem institutionellen Investoren vorbehalten und für Privatanleger kaum zugänglich war. Das wollen wir ändern und der ELTIF bietet den geeigneten Rahmen. Infrastrukturanlagen und damit auch der Infravest sind Anlagemöglichkeiten, die sich durch langfristig relativ stabile Erträge und eine geringe Korrelation mit anderen Assetklassen, insbesondere Aktien und anderen börsengehandelten Wertpapieren, auszeichnen. Dafür sind sie weniger liquide. Letztlich sind sie – wie alle Sachwerte – vor allem zur Beimischung in einem diversifizierten Portfolio gut geeignet.

finanzwelt: Welches Know-how bringt Commerz Real beim Management von Infrastrukturfonds mit?

Berweiler: Aufgrund unseres Flaggschiffs Hausinvest – dem zweiten Schwesterprodukt des Infravest – werden wir oftmals als Immobilienspezialisten wahrgenommen. Allerdings kann die Commerz Real auch auf einen langjährigen Track Record im Infrastrukturbereich verweisen, mit 100 Transaktionen und einem Volumen von rund 4,3 Milliarden Euro. Neben dem Klimavest zählen hier auch Investments für unternehmerische Beteiligungen und Spezialfonds für institutionelle Investoren mit hinein. Übrigens können Immobilien und Infrastruktur nicht immer trennscharf voneinander abgegrenzt werden: Wenn wir zum Beispiel Bildungseinrichtungen, Kitas, Pflegeheime oder Krankenhäuser betrachten, sind das Immobilien der sozialen Infrastruktur.

finanzwelt: Wie grenzen sich Infravest, Klimavest und Hausinvest voneinander ab? Kannibalisieren sich die Produkte nicht im Vertrieb?

Das sind drei unterschiedliche Geschwister, die sich gut ergänzen. Der Infravest investiert in die gesamte Bandbreite der Infrastruktur mit Fokus auf Deutschland und strebt eine höhere Rendite bei einem etwas offensiveren Risikoprofil an. Beim Klimavest geht es im Kern um einen Investitionsbeitrag zur europäischen Energiewende, und der hausInvest ist ein klassischer, solider offener Immobilienfonds mit defensivem Risikoprofil und mehr als 50-jähriger Erfolgsgeschichte. (ah)