Bilanzrating PKV: Nur drei erreichen Bestnote

15.09.2026

Foto: © fotoyou - stock.adobe.com

Nicht das gesamte Bestandswachstum in der Vollversicherung ist echtes Neugeschäft. Ein Teil davon ist reines Wechselgeschäft zwischen den Versicherern. Seit der Gesundheitsreform 2009 dürfen Versicherte, sofern ihr Vertrag ab dem 1. Januar 2009 abgeschlossen wurde, bei einem Tarif- oder Anbieterwechsel einen gesetzlich definierten Teil ihrer Alterungsrückstellungen mitnehmen, den Übertragungswert.

Für die PKV insgesamt entsteht dabei kein zusätzlicher Kunde, ein bereits Versicherter wechselt lediglich von einem Versicherer zum anderen. 2025 verzeichnete die HanseMerkur mit einem Saldo aus erhaltenen und abgeführten Alterungsrückstellungen von 63,05 Mio. Euro den höchsten Nettozugewinn im Markt, vor der Arag mit 21,95 Mio. Euro. Ein Teil ihres Bestandswachstums stammt damit aus dem Wechsel von Versicherten anderer Versicherer.

Kritisch wird dieses Wechselgeschäft insbesondere dann, wenn vor allem gute Risiken den Versicherer verlassen und weniger attraktive Risiken im Bestand zurückbleiben, mit der möglichen Folge steigender Beiträge für die verbleibenden Versicherten. Für Versicherte ist der Wechsel kein Freifahrtschein. Mitgenommen wird nur der gesetzlich definierte Übertragungswert, und eine neue Gesundheitsprüfung kann den Schutz verschlechtern.

Das Bilanzjahr 2025 zeigt für die PKV ein gemischtes, in der Summe aber robustes Bild. Die Beiträge wachsen kräftig, die Zahl der Vollversicherten steigt zum dritten Mal in Folge und die Kapitalerträge verbessern sich. Gleichzeitig schrumpfen die RfB-Puffer und die Bewertungsreserven rutschen weiter ins Minus. Die Unterschiede zwischen den Versicherern bleiben erheblich, sowohl bei Ertrag und Reserven als auch bei Kosten und Bestandsentwicklung.

„Gerade die Bewertungsreserven zeigen, wie stark das Zinsumfeld auf die Bilanzen wirkt. Die jüngste Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) um 25 Basispunkte kann den Druck zusätzlich erhöhen. Steigende Marktzinsen drücken die Kurse älterer Anleihen und erschweren damit eine Erholung der Reserven“ meint Reinhard Klages, Leitung Ratings Unternehmenskennzahlen bei Franke und Bornberg.

Für die kommenden Jahre wird entscheidend sein, ob sich das Wachstum der Versichertenzahlen verstetigt und ob die höheren Beitragseinnahmen mit den weiter steigenden Leistungsausgaben Schritt halten können. In der Zusatzversicherung bestehen weiterhin Wachstumschancen, während das Neugeschäft in der Vollversicherung stark von wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen abhängt. Ebenso bleibt abzuwarten, wie sich das Zinsumfeld künftig auf Kapitalerträge und Bewertungsreserven auswirkt.

Der Fortschritt birgt oft Schattenseiten. Medizinische Innovationen und neue Technologien verbessern die Versorgung nicht immer, schlagen sich wegen ihrer hohen Preise aber direkt in den Bilanzen nieder. Gemeinsam mit vermeidbaren Eingriffen und überdurchschnittlich teuren Arzneimitteln gehören sie zu den dauerhaften Kostentreibern. Für die Versicherer wächst damit die Herausforderung, die Bezahlbarkeit zu sichern, ohne Abstriche beim Leistungsumfang zu machen. Hinzu kommt das Wechselgeschäft: Kurzfristige Vorteile für Einzelne erschweren die Risikokalkulation im Kollektiv. Ob die Versicherer diese Kostendynamik ohne Abstriche beim Leistungsumfang bewältigen, wird das Bilanzrating der kommenden Jahre zeigen. (mho)