„Eine Art Paradigmenwechsel bei der geförderten Altersvorsorge“

24.02.2026

David Krahnenfeld - Foto: Copyright Ampega

Exklusiv

Vor kurzem wurde der terrAssisi Aktien Europa aufgelegt. Eine Ergänzung zum bestehenden terrAssisi Fondsuniversum. Zu den Hintergründen, den Charakteristika, dem Themenfeld Nachhaltigkeit und der geplanten Reform der Altersvorsorge befragte finanzwelt David Krahnenfeld, Leiter Vertrieb Wholesale & Produktmarketing, Ampega Investment GmbH.

finanzwelt: Herr Krahnenfeld, kürzlich haben Sie den terrAssisi Aktien Europa aufgelegt. Was steckt dahinter?

David Krahnenfeld: Ja, wir haben das Universum der terrAssisi Fonds erweitert. Neben dem bekannten global ausgerichteten terrAssisi Aktien, der 2009 gelauncht wurde, und dem terrAssisi Renten sowie dem terrAssisi Stiftungsfonds tritt der neue Fonds mit regionalem Fokus auf Europa hinzu. Der europäische Kontinent hat in einigen Punkten massives Nachholpotenzial. Das Wort „Zeitenwende“ ist in aller Munde (KI, Infrastruktur etc.). In Kombination mit dem Willen der europäischen Institutionen und dem Bereitstellen von Geldern ist jetzt der richtige Augenblick, um gezielt in europäische Aktien zu investieren, die auch aus Bewertungsaspekten interessant sind. Ein höherer Europa-Anteil senkt zudem das Währungsrisiko. In der Summe sprechen wir von einem zusätzlichen Aktienbasisinvestment als Pendant zum globalen terrAssisi Aktien.

finanzwelt: Ist der Investmentansatz analog zum terrAssisi Aktien?

Krahnenfeld: Die Investmentphilosophie ist exakt die des globalen Fonds, lediglich mit der Einschränkung des regionalen Schwerpunkts auf den europäischen Kontinent. Im Kern geht es um europäische Unternehmen mit hoher finanzieller Stabilität, starken Wettbewerbsvorteilen und nachweislich überzeugender ESG-Performance. Die Auswahl erfolgt zunächst nach dem sog. Best-in-Class-Ansatz. Darüber hinaus werden die ethischen Grundsätze des Franziskanerordens bei der Auswahl der Portfoliounternehmen angewandt. Vom ersten Screening (ca. 1.700 Unternehmen) schaffen es letztlich rund 65 Unternehmen ins breit diversifizierte Portfolio. Die Sektoren „Financials“ und „Industrials“ machen in der Allokation mehr als die Hälfte aus. Eine Übergewichtung zum europäischen Aktienmarkt findet sich aktuell auch in den Sektoren „Informations- und Kommunikationstechnologie“. Im Bereich „Healthcare“ sind wir untergewichtet.

finanzwelt: Ihr Investmentprozess ist mehrstufig. Neben der ESG-Integration spielt u.a. das Thema Dividenden eine zentrale Rolle.

Krahnenfeld: Zum Blick auf die Fundamentaldaten zählen Dividenden als ein mitentscheidender Faktor. Hier sind die Nachhaltigkeit der Dividendenzahlungen, das Dividendenwachstum und die Dividendenrendite ausschlaggebende Kriterien für die Aufnahme ins Portfolio.

finanzwelt: Abseits des neuen Fonds – wie ist Ihre Wahrnehmung zum Thema Nachhaltigkeit aktuell?

Krahnenfeld: Das Thema Nachhaltigkeit erfährt Gegenwind. Erinnern wir uns: In den Jahren 2020 und 2021 gab es einen regelrechten Hype um ESG – Vermögensverwalter legten nachhaltige Produkte auf, indem sie entweder neue Fonds auflegten oder bestehende Portfolios nach ESG-Grundsätzen umgestalteten, während das Kundeninteresse stark anstieg. Auf gesellschaftlicher Ebene war das vielschichtige Thema nachhaltigen Investierens zentral. Im Laufe der Zeit haben sich jedoch die Prioritäten verschoben. Andere Themen wie Verteidigung etc. drängten in den Fokus. Auch die Abfrage von Nachhaltigkeitspräferenzen beim Kunden gestaltete sich als schwierig. Dennoch muss man festhalten, dass es nach wie vor Investoren gibt, die aus vollster Überzeugung nachhaltig investieren möchten. In unseren Fonds haben wir strikte Ausschlusskriterien. Daran halten wir konsequent im Wertekanon der Franziskaner fest.

finanzwelt: Abschließend gefragt – die Reform der Altersvorsorge treibt uns um. Sie sind Mitglied im entsprechenden BVI-Ausschuss. Wie bewerten Sie, kurz gesagt, den vorliegenden Referentenentwurf?

Krahnenfeld: Das ist ein erster guter Schritt in die richtige Richtung. Die Politik will die staatlich geförderte private Altersvorsorge attraktiver machen. Das sogenannte Altersvorsorgedepot sieht keine Beitragsgarantien mehr vor. Die Sparer sollen aus einer Vielzahl an Produkten wählen können. Zu den förderfähigen Produkten zählt auch die Palette an Investmentprodukten von Renten- bis hin zu Mischfonds. Mit Blick auf künftige Generationen muss jetzt eine Art Paradigmenwechsel bei der geförderten Altersvorsorge greifen. (ah)