Ellwanger & Geiger: USA haben große strukturelle Probleme
07.02.2013
Marktbericht der Ellwanger & Geiger Privatbankiers
(fw/ah) "Die internationalen Aktienmärkte haben negativ auf die Zinsanhebung in China reagiert. Die Notenbank hatte zum ersten Mal seit Dezember 2007 ihren Zins auf 5,56 Prozent erhöht und damit die Finanzmärkte überrascht. Der Dow-Jones-Index fiel darauf unter seine psychologische Marke von 11.000 Punkten und auch in Japan musste die Aktienbörse in Tokio einen Verlust von über 2 Prozent in Kauf nehmen. Auch am Devisenmarkt kam es sofort zu Reaktionen. Der Dollar konnte zu Lasten des Euros wieder etwas an Stärke gewinnen und lag kurzfristig unter 1,38. Auf der Unternehmensseite wurden die Aktienmärkte in erster Linie durch die schwachen Zahlen aus der Technologiebranche belastet. Hier lagen insbesondere die Werte von Philips und Nokia auf der Verkaufsseite. Die Marktteilnehmer werden in den nächsten Tagen weiter mit Argusaugen die veröffentlichten Quartalszahlen beobachten, um daraus ihre Rückschlüsse für ihre Positionierung herleiten zu können. Charttechnisch sieht der Aktienmarkt trotz des kleinen Rückschlags positiv aus. Solange der DAX nicht unter 6.200 Punkte fällt, ist weiteres Erholungspotential durchaus möglich. Ob der viel zitierte Vergleich mit einer ähnlichen Situation im Oktober 2004 wirklich zutreffend ist, darf angezweifelt werden. Zum damaligen Zeitpunkt bauten die Aktienmärkte eine Hausse auf, obwohl fallende Konjunkturaussichten prognostiziert waren. So weit besteht Ähnlichkeit zum Jahr 2010, aber alle anderen Rahmeneckdaten sind doch wesentlich schwieriger als vor sechs Jahren. Im Gegensatz zum DAX konnte der Euro Stoxx 50 keine Höchstkurse generieren, hier müsste der Index über 2.600 Punkte steigen, um weitere Kurssteigerungen zu ermöglichen. Eine Unterstützungslinie liegt bei 2.500 Punkten, bei Unterschreiten werden erst wieder 2.350 Punkte als nächste Unterstützungslinie erkennbar. Der Dow-Jones-Index konnte seit Ende August eine nachhaltige Aufwärtsbewegung vornehmen, die momentan zwar unterbrochen wurde, wodurch die wichtige Marke von 11.500 Punkten aber nicht überschritten werden konnte. Trotz allem ist die Aufwärtsbewegung intakt, so dass eine Rückschlagsgefahr zurzeit nur bis maximal 10.500 Punkten möglich erscheint.
In vielen großen Volkswirtschaften bleibt die gesamtwirtschaftliche Situation unverändert schwierig, insbesondere in den USA. Die Hausverkäufe sind massiv eingebrochen und auf dem Arbeitsmarkt ist der Aufschwung bereits wieder vorbei. Dennoch ist davon auszugehen, dass die USA in dieser Phase der Wachstumsabschwächung nicht in eine Rezession abgleiten wird. In Europa übertrifft Deutschland alle Erwartungen und ist mit einem voraussichtlichen Wachstum von über 3 Prozent definitiv die Konjunkturlokomotive Europas. Die starke Binnennachfrage stützt auch weiterhin den Aufschwung, so dass voraussichtlich Deutschland selbst 2011 zu den wachstumsstärksten Industrieländern gehören wird. Anders ist die Lage in vielen übrigen Euroländern, die nach wie unter der Maßnahme zur Haushaltskonsolidierung leiden. Die EZB warnt davor, dass die Krise dadurch noch nicht vorbei ist. Einzelne Länder versuchen der Krise Herr zu werden, indem sie einen Abwertungswettlauf mit ihren Devisen vornehmen. Dieses Mittel dürfte aber auf Dauer nicht durchzuhalten sein. Insbesondere aus den USA kommen immer wieder Meldungen, die eine Erhöhung der lockeren Geldpolitik verkünden und damit das Risiko der Inflation verstärken. Sollte dies geschehen, wäre es ein Zeichen zu Gunsten der Sachwerte und damit des Aktienmarktes. Durch die gefallenen Zinsen ist der Anlagenotstand gewachsen und die Dividendenrenditen vieler Aktien sind für den Investor äußerst interessant. Größere Kursrückschläge sind in den nächsten Wochen nicht erkennbar, auf der anderen Seite zeigen sich die Märkte in einzelnen Branchen aber auch schon überkauft".
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