Unsicherheit treibt Öl: Wird daraus ein Makroschock?

02.03.2026

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Die Makrodaten treten in dieser Woche in den Hintergrund, überschattet von den Entwicklungen im Nahen Osten.

Dabei ist der Kalender eigentlich gut gefüllt: ISM-Umfragen und Arbeitsmarktdaten aus den USA, dazu Inflationszahlen aus der Eurozone. Doch aktuell schreibt die Geopolitik die Schlagzeilen und diktiert die Kurse. Es gibt kaum etwas, das Märkte weniger mögen als Unsicherheit. Der Ölpreis sprang zeitweise fast auf 80 Dollar – der höchste Stand seit Mitte Januar 2025, ein Plus von über 9 Prozent. Hohe Preise kann der Markt einpreisen. Schwieriger wird es, wenn die Kontinuität der Lieferungen infrage steht. Die Folge sind höhere Volatilität, breitere Risikoprämien und eine steigende Nachfrage nach Absicherung. Parallel zog Gold in der ersten Tageshälfte um mehr als 2 Prozent an, während der DAX rund 2 Prozent verlor. Der Fokus am Ölmarkt verschiebt sich vom Überangebot hin zur Versorgungssicherheit. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen einem Preisproblem und einem Mengenproblem. Bei nachhaltigen Störungen könnte Öl in Richtung 90 bis 100 Dollar steigen. Das würde den Inflationsdruck erhöhen, Zinssenkungserwartungen dämpfen und vor allem Wachstumsaktien belasten. Defensive Sektoren und Energie dürften sich in einem solchen Umfeld besser abschneiden. Am Ende geht es um die Stabilität der Lieferketten, Anleger können lediglich auf eine Deeskalation hoffen.

Maximilian Wienke, Marktanalyst bei eToro