Europas Führungsrolle im Versicherungssektor
19.03.2026

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Vor der Sitzung des Europäischen Rates am 19. und 20. März fordert die deutsche Versicherungswirtschaft eine spürbare Vereinfachung der Regulierung im Finanzsektor. „Unsere Versicherer sind Weltspitze und eine starke Säule im globalen Finanzsystem - das müssen wir bewahren“, sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).
Während die EU in vielen Wirtschaftszweigen an Gewicht verloren hat, gilt das für den Versicherungsbereich nicht. „Wir haben in Europa ansässige Versicherer und Rückversicherer, die global führend sind. Die EU muss jetzt die richtigen Weichen stellen, um die Unternehmen im globalen Wettbewerb zu stärken“, sagt Asmussen. Die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten wollen sich bei ihrem Treffen in Brüssel unter anderem mit der Wettbewerbsfähigkeit Europas und der Stärkung des Binnenmarkts befassen.
Im Vorfeld des Gipfels haben die Finanzminister der sechs größten Volkswirtschaften in der EU im Rahmen der sogenannten E6-Gruppe ein umfassendes Vereinfachungspaket für den Finanzsektor, einen sogenannten Financial-Services-Omnibus, gefordert. „Ein Omnibus für den Finanzsektor ist überfällig. Die EU-Kommission hat mit dem Digital-Omnibus bereits gezeigt, dass Vereinfachung möglich ist“, sagt Asmussen. Ein Financial-Services-Omnibus kann helfen, überlappende Regelungen abzubauen und den regulatorischen Rahmen übersichtlicher zu gestalten.
Versicherer sind für die wirtschaftliche Stärke Europas unverzichtbar. Sie ermöglichen es Haushalten und Unternehmen, immer komplexere Risiken zu managen, und finanzieren gleichzeitig die Realwirtschaft als größte institutionelle Investoren in der EU. „Allein in Deutschland treten Versicherer im Durchschnitt für Schäden in Höhe von rund 130.000 Euro pro Minute ein und legen jährlich 200 bis 300 Milliarden Euro neu an – über 70 Prozent davon in der Eurozone“, sagt Asmussen. Damit leisten Versicherer einen direkten Beitrag dazu, dass Risiken beherrschbar bleiben und Kapital dorthin fließt, wo es Europas Wachstum und Beschäftigung stärkt.
Damit Europa seine starke Position im Versicherungssektor halten kann, muss die Politik vor allem eines tun: Regulierung vereinfachen und Wettbewerbsfähigkeit stärker berücksichtigen. Zur Vereinfachung der Regulierung von Versicherern schlägt der GDV vor, Berichtspflichten und administrative Anforderungen unter Solvency II zu vereinfachen und Überschneidungen zwischen verschiedenen Regelwerken – etwa im Bereich Digitalisierung und Cybersicherheit – abzubauen. Auch sollten die Anforderungen für kleine und mittlere Versicherer proportional angepasst werden. „One size fits all passt nicht zu einer wettbewerbsorientierten Regulierung. Außerdem sollten die europäischen Aufsichtsbehörden gesetzlich verpflichtet werden, auch die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzsektors zu berücksichtigen“, so Asmussen. (mho)

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