Fabian Desch, General Manager bei QBE Europe. Foto: © QBE Deutschland
06.11.2026

Fabian Desch, General Manager bei QBE Europe. Foto: © QBE Deutschland
QBE will sein Geschäft in Deutschland weiter ausbauen, allerdings mit klarem Blick auf die Profitabilität. Neben den etablierten Sparten Sach- und Haftpflicht sollen unter anderem Cyber, Marine, Financial Lines und Construction an Bedeutung gewinnen. Im Gespräch erläutert Fabian Desch, General Manager bei QBE Europe, wo er Chancen im deutschen Industrieversicherungsmarkt sieht und warum QBE künftig häufiger die Rolle des führenden Versicherers übernehmen möchte.
Herr Desch, wie entwickelt sich der deutsche Industrieversicherungsmarkt aktuell?
Fabian Desch: Der Wettbewerb hat spürbar zugenommen. In mehreren Sparten geraten Preise und Konditionen unter Druck. An den Risiken hat sich dagegen wenig entspannt. Lieferketten bleiben anfällig, geopolitische Unsicherheiten bestehen fort, und Naturgefahren, Cyberrisiken sowie technologische Veränderungen stellen Unternehmen und Versicherer vor neue Herausforderungen.
Man muss deshalb genau hinschauen. Sinkende Preise bedeuten nicht automatisch, dass Risiken einfacher oder besser kalkulierbar geworden sind. Für uns kommt es darauf an, jedes Risiko sorgfältig zu prüfen und angemessen zu bepreisen. Versicherer, die das nötige technische Know-how mitbringen und verlässlich Kapazität bereitstellen können, finden auch in einem anspruchsvollen Marktumfeld gute Geschäftsmöglichkeiten.
Wo sieht QBE trotz des zunehmenden Wettbewerbs Wachstumspotenzial?
Desch: Wir sehen in Deutschland nach wie vor gute Wachstumsmöglichkeiten, vor allem im Corporate- und Upper-Middle-Market-Segment. In den Sparten Sach- und Haftpflicht haben wir eine etablierte Position, die wir weiter ausbauen wollen. Dabei möchten wir künftig häufiger als führender Versicherer, also als Primary Lead, auftreten. Daneben wollen wir unser Geschäft breiter aufstellen. Cyber, Marine und Financial Lines bieten dafür Möglichkeiten; mit Construction kommt ein weiterer Bereich hinzu, den wir gezielt entwickeln wollen. Es geht uns allerdings nicht darum, möglichst schnell möglichst viel Geschäft zu schreiben. Wir wollen dort wachsen, wo wir die Risiken kennen und unsere Kunden auch langfristig profitabel begleiten können. Deutschland ist dabei Teil einer größeren Wachstumsambition für Nordeuropa. Dazu zählen auch die Niederlande und die nordischen Märkte. In dieser Region investieren wir entsprechend in den Ausbau unseres Geschäfts.
Warum spielen Specialty Lines wie Financial Lines, Haftpflicht und Cyber eine so wichtige Rolle in Ihrer Strategie?
Desch: Wir beschäftigen uns vor allem mit komplexen Unternehmensrisiken. Dafür braucht es Spezialisten, die ihr Geschäft verstehen und Entscheidungen auf einer fundierten technischen Grundlage treffen können. Sach- und Haftpflicht sind wichtige Säulen unseres Geschäfts in Deutschland. Gleichzeitig wollen wir Cyber, Financial Lines, Marine und Construction weiter ausbauen. Ein weiterer Punkt ist die internationale Ausrichtung vieler unserer Kunden. Sie benötigen häufig Versicherungsschutz, der über einzelne Länder und Sparten hinweg funktioniert. Wenn wir unterschiedliche Versicherungslösungen miteinander verbinden und auch internationale Programme begleiten können, ist das ein Vorteil für Kunden und Makler.
Wie verändert sich die Nachfrage nach Cyberversicherungen?
Desch: Cyberversicherung ist heute für viele Unternehmen ein fester Bestandteil des Risikomanagements. Das war nicht immer so. In den vergangenen Jahren sind zudem die verfügbaren Versicherungskapazitäten deutlich günstiger geworden. Die Gespräche mit den Unternehmen sind inzwischen differenzierter. Es geht nicht mehr nur um die grundsätzliche Frage, ob eine Cyberversicherung sinnvoll ist. Kunden wollen wissen, welche Risiken sie konkret absichern können und wie sich Versicherungsschutz und Prävention sinnvoll ergänzen. Bei größeren und international tätigen Unternehmen sind die Anforderungen entsprechend komplex. Wir sehen Cyber deshalb als ein wichtiges Wachstumsfeld in Deutschland und wollen unsere lokale Präsenz und Expertise weiter ausbauen. Zugleich müssen wir mögliche Akkumulationsrisiken im Blick behalten. Auch in einer Sparte mit guten Wachstumschancen können wir nicht jede Kapazität zeichnen, die nachgefragt wird.
Wie wichtig ist Underwriting-Disziplin in einem Markt, in dem der Wettbewerb um Geschäft zunimmt?
Desch: Sie ist unverzichtbar. Wir wollen wachsen, aber nicht um jeden Preis. Ein guter Underwriter muss Chancen erkennen und nutzen. Er muss aber auch Nein sagen können, wenn Preis, Bedingungen und Risiko nicht zusammenpassen.
Dafür reicht es nicht, sich an der allgemeinen Marktentwicklung zu orientieren. Jedes Risiko muss für sich betrachtet werden. Wir müssen verstehen, was wir versichern, und entscheiden, ob die Konditionen dazu passen. Unsere Wachstumsziele sind auf Nachhaltigkeit und Profitabilität ausgerichtet. Das ist auch in unserer europäischen Strategie fest verankert.
QBE ist seit vielen Jahren in Deutschland aktiv. Was steht in der nächsten Entwicklungsphase im Vordergrund?
Desch: Wir haben unser Geschäft hier kontinuierlich ausgebaut und uns eine starke Position erarbeitet. Jetzt geht es darum, diese Position weiterzuentwickeln. Wir wollen nicht einfach zusätzliche Kapazität in den Markt geben, sondern häufiger selbst die führende Rolle in Versicherungsprogrammen übernehmen und Kunden über mehrere Sparten hinweg begleiten. Dafür brauchen wir die passende technische Expertise, weitere Spezialisten in ausgewählten Bereichen und eine starke Präsenz vor Ort. Gleichzeitig können wir auf die internationale Aufstellung der QBE-Gruppe zurückgreifen. Das ist gerade für multinational tätige Unternehmen und komplexe Versicherungsprogramme wichtig. Wir sind längst kein neuer Anbieter mehr. Trotzdem haben wir in Deutschland noch einiges vor und sehen Spielraum, unsere Bedeutung im Markt weiter zu erhöhen.
Welche Rolle spielen die Maklerbeziehungen für Ihre Wachstumspläne?
Desch: Eine zentrale. Unser Geschäft in Deutschland ist stark maklerorientiert. Gerade in der Industrieversicherung entsteht Vertrauen nicht von heute auf morgen. Es kommt auf eine verlässliche Zusammenarbeit an – und darauf, frühzeitig miteinander ins Gespräch zu kommen. Wir möchten über Risiken und mögliche Lösungen sprechen, bevor eine Ausschreibung bereits bis ins Detail vorbereitet ist. Makler und Kunden erwarten von einem Versicherer mehr als die Bereitstellung von Kapazität. Sie brauchen schnelle Entscheidungen, fachliche Kompetenz und einen Partner, auf den sie sich verlassen können. Unsere interne Marktanalyse zeigt, dass Makler QBE gerade für die technische Kompetenz, die Reaktionsfähigkeit und die Qualität der Beziehungen schätzen. Bei komplexen Risiken macht Spezialisierung den Unterschied. Eine möglichst breite Standardlösung hilft hier wenig, wenn das nötige Fachwissen fehlt. Unser Anspruch ist, für Makler und Kunden ein Risikopartner zu sein, der ihre Herausforderungen versteht und tragfähige Lösungen mit ihnen entwickelt. (mho)

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