Mehr Alltagsschutz, weniger Vorsorge fürs Alter

09.04.2026

Jörg Asmussen. Foto: GDV

Die Menschen in Deutschland sichern Alltagsrisiken breiter ab als noch vor wenigen Jahren. Das zeigt eine neue Auswertung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf Basis der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamts, die alle fünf Jahre erhoben wird. Der Versicherungsschutz in Deutschland ist insgesamt breit und stabil, verschiebt sich aber spürbar: Insbesondere kurzfristige und konkrete Risiken werden heute umfassender abgesichert.

„Die Menschen in Deutschland legen großen Wert auf Sicherheit, das zeigt sich besonders in der Schaden- und Unfallversicherung. Mit einem Anteil von rund 90 Prozent ist die Verbreitung der privaten Haftpflichtversicherung sehr hoch“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. „Heute schützen sich die Menschen umfassender vor alltäglichen und existenziellen Risiken. Daran sieht man, welchen Stellenwert finanzielle Sicherheit für viele Haushalte hat.“

Die private Haftpflichtversicherung erreicht den höchsten Wert unter den freiwilligen Versicherungen. Auch Kfz-Versicherungen (81,2 %) und Hausratversicherungen (78 %) sind in Deutschland sehr weit verbreitet. Auffällig ist die Entwicklung bei jüngeren Haushalten: In dieser Gruppe verzeichnet die private Haftpflichtversicherung ein spürbares Plus und etabliert sich weiter als selbstverständlicher Bestandteil der finanziellen Absicherung. Das zeigt, dass grundlegender Versicherungsschutz zunehmend früh im Leben aufgebaut wird.

Auch Rechtsschutzversicherungen gewinnen an Bedeutung, mittlerweile ist fast jeder zweite Haushalt entsprechend abgesichert. Insgesamt deutet die Entwicklung darauf hin, dass das Sicherheitsbedürfnis in unsicheren Zeiten steigt. „Risiken werden zunehmend ernst genommen, eine breitere Basisabsicherung wird zur Selbstverständlichkeit“, sagt Asmussen.

Während sich die Absicherung kurzfristiger Risiken robust entwickelt, zeigt sich bei der Altersvorsorge ein gegenläufiger Trend. Besonders kapitalbildende Lebensversicherungen verlieren an Bedeutung, ihr Anteil ist von rund 32 Prozent auf unter 28 Prozent gesunken. Auch staatlich geförderte Produkte der privaten Altersvorsorge sind leicht rückläufig: Riester- und Basis-Rentenversicherungen liegen bei 27 Prozent, im Vergleich zu 28 Prozent fünf Jahre zuvor.

„Die Ergebnisse zeigen: Durch starre Garantien, wenig Flexibilität und ein geändertes Zinsumfeld haben Vorsorgemöglichkeiten wie Riester zunehmend an Attraktivität verloren“, sagt Asmussen. Stabil bleibt die private Rentenversicherung mit einem Anteil von rund 23 Prozent. Leichte Zuwächse gibt es bei der Berufsunfähigkeitsversicherung, mit 26,7 Prozent (+ 1,1 Prozentpunkte) und den Risikolebensversicherungen mit 18,7 Prozent (+ 1,5 Prozentpunkte).

Vor diesem Hintergrund bewertet der GDV das Altersvorsorgereformgesetz als wichtigen Schritt zur Neuordnung der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge. Mehr Flexibilität bei Garantien und Auszahloptionen sowie einfachere, digital zugängliche Produkte können dazu beitragen, die Vorsorge attraktiver zu machen.

„Die Reform ist ein überfälliger Modernisierungsschritt. Sie kann die zusätzliche Altersvorsorge attraktiver machen. Entscheidend ist aber, dass für staatliche und private Angebote die gleichen Regeln gelten“, sagt Asmussen. „Kritisch ist, dass der Staat erstmals selbst als Anbieter auftritt. Wenn staatliche Angebote strukturelle Vorteile haben, droht eine Verzerrung des Wettbewerbs.“ Gerade dieser Wettbewerb zwischen Anbietern sorgt aus Sicht des GDV für effiziente und passgenaue Produkte. (mho)

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