Nachhaltigkeits-Report 2026
27.01.2026

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Arbeitgeberverantwortung: Engagement steigt, aber Gleichstellung braucht Geduld
Als Arbeitgeber übernehmen Versicherer zunehmend Verantwortung. 54 Prozent fördern gezielt die Nachhaltigkeitskompetenz ihrer Mitarbeiter durch Schulungen und interne Netzwerke. 48 Prozent bieten spezifische Weiterbildungsprogramme für den Vertrieb. 44 Prozent koppeln die Vergütung von Führungskräften an Nachhaltigkeitsziele.
Bei der Gleichstellung zeigen sich Fortschritte, aber auch hartnäckige Defizite. Der Frauenanteil im Aufsichtsrat liegt bei 28 Prozent – knapp unter der gesetzlichen 30-Prozent-Regel. Im Vorstand sind es nur knapp 20 Prozent. Der unbereinigte Gender Pay Gap von 20 Prozent, der deutlich über dem deutschen Durchschnitt von 16 Prozent liegt, ist eine Folge dieser Unterrepräsentation in Führungspositionen, ein Muster, das sich durch alle Führungsebenen zieht.
„Als Arbeitgeber macht die Branche vieles richtig – flexible Arbeitszeiten, Gesundheitsförderung und Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind weitgehend Standard. Bis zur echten Gleichstellung bleibt jedoch noch viel zu tun", sagt Michael Franke.
Gesellschaftliches Engagement: Nur ein Viertel berichtet über Spenden
Beim gesellschaftlichen Engagement zeigt sich ein Rückgang der Berichterstattung – vermutlich, weil das Thema nicht zu den Pflichtangaben in den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) gehört. Von den Versicherern, die berichten, liegt die Spendensumme zwischen 7.836 Euro (Stuttgarter) und rund 5,6 Mio. Euro (Vienna Insurance Group). Die höchsten Spendenquoten in Relation zu den Beitragseinnahmen betragen 0,2 Prozent (VGH) beziehungsweise 0,05 Prozent (SV Sparkasse).
Am häufigsten werden soziale und gemeinnützige Projekte unterstützt (56 Prozent), gefolgt von Kunst und Kultur (35 Prozent). Umweltprojekte werden nur von 25 Prozent gefördert. Ein Viertel der Versicherer ermöglicht Mitarbeitern Freistellung für ehrenamtliches Engagement.
„Über Spendenhöhe und Spendencontrolling wird zu wenig berichtet. Dabei stammen die Mittel aus Kundenbeiträgen – Transparenz über deren Verwendung ist eine Frage der Verantwortung", mahnt Franke.
Neue Maßstäbe mit dem Nachhaltigkeits-Score
Mit dem Nachhaltigkeits-Score 2025 setzt Franke und Bornberg neue Maßstäbe. Der Score verdichtet über 250 Einzelkriterien zu verständlichen Prozentwerten und macht Nachhaltigkeitsleistungen direkt vergleichbar.
Sechs Fokusthemen werden bewertet: Ressourcenmanagement (Branchenschnitt: 41 Prozent), Arbeitgeberverantwortung (58 Prozent), gesellschaftliches Engagement (36 Prozent), nachhaltiges Investment (38 Prozent), Wandel und Innovation (37 Prozent) sowie nachhaltige Produkte (53 Prozent).
Fazit und Ausblick
Der Nachhaltigkeits-Report 2026 zeigt: Die Versicherungsbranche ist auf dem richtigen Weg. Die Transformation schreitet trotz regulatorischer Verzögerungen voran. Doch nicht nur die Berichterstattung weist Lücken auf – auch in der Umsetzung haben einige Versicherer noch erhebliches Potenzial.
„Der Kurs stimmt, aber es bleibt viel zu tun. Nachhaltigkeit muss wirksam in Betriebsablauf, Vergütung und Kapitalanlage verankert werden", fasst Michael Franke zusammen. „Mit dem Nachhaltigkeits-Score schaffen wir zusätzliche Orientierung und machen sichtbar, wer Verantwortung konsequent übernimmt." (mho)

Risiken reduzieren, bevor sie zum Schaden werden











