Studie: Theorie und Praxis im Gesundheits-System

07.02.2013

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Etwas „schlecht zu reden“ ist das eine, auf die Mehrheit zu hören das andere. Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Deutschen mit dem Gesundheitswesen zufrieden sind. Die Kosten sind in der Kritik, aber Einheitskost bei den Leistungen und der Auswahl kommt nicht an.

(db/fw) Die Deutschen schätzen ihr Gesundheitssystem - auch wenn sie es zu teuer finden. Die von TNS-Infratest im Auftrag der Continentale Krankenversicherung a.G. erstellte Studie 2012 zeigt, anhand einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung, dass sich die mehrheitliche Einschätzung in der Bevölkerung nicht mit den Einschätzungen in der aktuellen politischen Diskussion deckt.

86 Prozent der Bundesbürger sind der Ansicht, dass das deutsche Gesundheitswesen, so wie es jetzt ist, zu den leistungsfähigsten der Welt zählt. 90 Prozent beurteilen die medizinische Versorgung positiv und 82 Prozent empfinden Behandlungen als wirkungsvoll.

"Noch entscheidender ist aber die Frage, in welchem Land man aus medizinischen Gründen selbst behandelt werden möchte. Und hier nennen 95 Prozent der Bevölkerung Deutschland - ein extrem einhelliges Votum. Man kann also zusammenfassend sagen, dass unser Gesundheitswesen als sehr gut empfunden wird. Es pauschal ‚schlecht zu reden’, bildet nicht die Wahrnehmung und Einschätzung der Menschen ab", sagt Helmut Posch, Vorstandsvorsitzender des Continentale Versicherungsverbundes auf Gegenseitigkeit.

80 Prozent finden das Gesundheitssystem zu teuer

Mehr als 80 Prozent halten das Gesundheitssystem für zu teuer. Mit Blick auf das Thema "Selbst- und Zuzahlungen" verwundert dies nicht. 96 Prozent der befragten deutschen GKV-Versicherten im Alter ab 25 Jahren in den vergangenen zwölf Monaten Leistungen komplett oder teilweise selbst bezahlt hatten. Im Durchschnitt bezifferten die Befragten die geleisteten Zahlungen auf 380 Euro im Jahr - über den eigentlichen GKV-Beitrag hinaus.

"Im Monat sind dies rund 30 Euro und somit das Vierfache der im vergangenen Jahr von verschiedenen Krankenkassen erhobenen und oft kritisierten Zusatzbeiträge. Angesichts der lebhaften Debatte um die Einführung dieser Zusatzbeiträge ist es erstaunlich, wie viel den gesetzlich Versicherten auf kaltem Wege zugemutet wird", so die Einschätzung von Posch.

76 Prozent der befragten gesetzlich Versicherten sagen, bei ihnen hätte die Höhe der Zuzahlungen in den vergangenen fünf Jahren zugenommen; fast ein Drittel meint sogar, sie hätten stark zugenommen. Nur rund ein Fünftel sagt, es hätte keine Veränderung gegeben - dagegen berichtet nahezu niemand von rückläufigen Tendenzen.

Selbst Geringverdiener zahlen noch 325 Euro

Schaut man sich genauer an, wer in Deutschland wie viel privat über den GKV-Beitrag hinaus zuzahlt, fallen zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen zum Teil große Unterschiede auf. So zahlen weibliche Befragte im Schnitt 440 Euro selbst, männliche nur 300 Euro. Westdeutsche leisten 395 Euro Zuzahlung, Ostdeutsche lediglich 325 Euro.

Die Einkommenshöhe spielt zwar eine Rolle, aber auch Bezieher geringer Einkommen zahlen erhebliche Summen. Befragte mit einem Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 2.500 Euro im Monat zahlen im Schnitt 465 Euro dazu, wer weniger als 2.500 Euro zur Verfügung hat, trägt 350 Euro selbst. Bei den Geringverdienern unter den Befragten (Nettoeinkommen von 1.000 bis 1.500 Euro pro Haishalt) summieren sich die Zuzahlungen auf 325 Euro im Jahr.

Den Sinn der Selbst- und Zuzahlungen erkennen die Deutschen laut der Studie nicht. Eine Mehrheit spricht ihnen weder eine Steuerungswirkung zu, noch einen positiven Einfluss dadurch, dass sie mehr Geld in das Gesundheitssystem bringen.

Zukunft und Informiertheit - Keine Trendumkehr erkennbar

Deutlich unerfreulicher ist der Blick der GKV-Versicherten in die Zukunft, wie die seit 2001 gleichlautend in den Continentale-Studien gestellten Trendfragen belegen. So sagen - ähnlich wie in den Vorjahren - 90 Prozent der Deutschen, für eine gute medizinische Versorgung müsse man schon heute oder in Zukunft über den GKV-Beitrag hinaus viel Geld bezahlen.

78 Prozent gehen davon aus, langfristig nicht mehr vom medizinischen Fortschritt zu profitieren. Die traditionell schlechte Informiertheit der GKV-Versicherten zur Leistungsgarantie in GKV und PKV hat sich 2012 sogar noch weiter verschlechtert.

Gesamtzufriedenheit so hoch wie nie

In diesem Jahr erreichte die Unzufriedenheit mit dem Gesundheitswesen den geringsten Wert seit Beginn der Erhebung - nachdem im vergangenen Jahr ein signifikanter Anstieg zu verzeichnen war.

"Diese Entwicklung stützt die These, dass immer dann, wenn die GKV-Versicherten ganz konkret mehr Geld bezahlen mussten, sind diese deutlich unzufriedener", meint Posch.

Im vergangenen Jahr führten einzelne GKV-Kassen Zusatzbeiträge ein und die Unzufriedenheit stieg - wie schon nach der Einführung der Praxisgebühr. In diesem Jahr wurden die umstrittenen Zusatzbeiträge wieder abgeschafft.

Studie Continentale 2012 als Download

Continentale Versicherungsverbundes auf Gegenseitigkeit