Unternehmen sehen großen Handlungsbedarf bei der bAV

16.06.2026

Moritz Schumann, Stellv. Hauptgeschäftsführer, Kompetenzzentrum Lebensversicherung, GDV / Foto: © GDV

Um die Verbreitung der bAV spürbar zu erhöhen, ist aus Sicht der Versicherer mehr Verbindlichkeit erforderlich. Beschäftigte sollten künftig leichter automatisch in eine betriebliche Altersversorgung einbezogen werden, etwa über ein Opt-out-Modell auf Betriebsebene. Damit das gerade für kleinere Unternehmen praktisch umsetzbar wird, schlagen die Versicherer ein stark standardisiertes Basisprodukt für die bAV vor. Es ist als Direktversicherung konzipiert, baut auf bestehenden Systemen auf und soll weder tarifliche Lösungen noch weitergehende betriebliche Angebote ersetzen. Das Produkt konzentriert sich bewusst auf wesentliche Punkte: einen einfachen Zugang, wenige und klare Wahlmöglichkeiten, einen klaren Ansparprozess und eine lebenslange Auszahlung im Rentenalter. Administrative Vorgänge wie Beitragseinzug, Datenaustausch oder Versicherungsnehmerwechsel sollen über eine zentrale Clearingstelle abgewickelt werden, die von der Versicherungswirtschaft neu eingerichtet wird. So sollen Arbeitgeber von Komplexität entlastet und Beschäftigte einfacher in zusätzliche Altersvorsorge einbezogen werden.

„Für kleine Betriebe muss die Betriebsrente so einfach wie möglich werden. Einfach den Beitrag zahlen, den Rest übernimmt der Standardprozess“, sagt Schumann. „Ein bAV-Basisprodukt entlastet Arbeitgeber von Komplexität und eröffnet Beschäftigten einen einfachen Zugang zu zusätzlicher Altersvorsorge – gerade dort, wo es heute noch kein Angebot gibt.“

Kernelement des Produkts ist eine Kapitalgarantie in Höhe von 80 Prozent der eingezahlten Beiträge in der Ansparphase. Das schafft Sicherheit für Beschäftigte und lässt zugleich Spielraum für Kapitalmarktteilhabe und bessere Renditechancen. Bei einem Arbeitgeberwechsel soll das Produkt einfach portabel sein. Der vorhandene Vertrag kann kostenfrei in ein neues Basisprodukt oder in eine bestehende bAV-Lösung des neuen Arbeitgebers übertragen werden. Für Arbeitgeber ist vor allem die klare Entlastung bei Administration und Haftung entscheidend. Eine von der Versicherungswirtschaft neu eingerichtete Clearingstelle soll organisatorische Aufgaben bündeln . Arbeitsrechtliche Restrisiken will die Versicherungsbranche absichern beziehungsweise kollektiv abfedern. Dadurch wären Arbeitgeber beim Basisprodukt haftungsbefreit.

Die aktuellen Branchenzahlen zeigen, wie wichtig kapitalgedeckte Vorsorge bleibt. Die deutschen Lebensversicherer, Pensionskassen und Pensionsfonds buchten im Geschäftsjahr 2025 Beiträge von knapp 100 Milliarden Euro – ein Anstieg von 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Leistungsauszahlungen gingen um rund 3 Prozent zurück, bleiben mit rund 99 Milliarden Euro aber auf hohem Niveau. Die Branche erfüllt ihre Versprechen.

Der genaue Blick zeigt ein differenziertes Bild. Das Beitragswachstum wurde vor allem vom Einmalbeitragsgeschäft getragen (+17,1 Prozent), während die laufenden Beiträge nahezu stagnierten (+0,1 Prozent). Auch im Neugeschäft zeigt sich dieses Muster. Die Neuzugangsbeiträge (APE) stiegen um 6,8 Prozent auf rund 10,1 Milliarden Euro, vor allem aufgrund eines starken Einmalbeitragsgeschäfts mit einem Wachstum von 17,0 Prozent. Auch die bAV wächst nur leicht. Die gebuchten Bruttobeiträge in der betrieblichen Altersversorgung stiegen 2025 um 0,7 Prozent auf rund 19,5 Milliarden Euro. Zugleich ging der Vertragsbestand um 1,1 Prozent zurück. (mho)

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