Wann kommt bei Gold der nächste Schub?
02.11.2026

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Himmelhochjauchzend (Ende Januar bei 5.600 US-Dollar) und nun zu Tode betrübt (4.000 US-Dollar). Während sich im Januar selbst die Boulevardblätter mit Gold beschäftigen, ist das Edelmetall heute so wenig beachtet, als gebe es diesen Markt überhaupt nicht.
Und wieder haben sich alte Börsenweisheiten bestätigt: Je höher der Preis prozentual gestiegen ist, umso länger dauert die Konsolidierung. Was bis heute auch Bestätigung findet: Ein 30prozentiger Rückschlag nach einem kräftigen Anstieg ist eine „ganz normale“ Reaktion. Im Gegenteil: Ein Rücklauf bis zu 38 Prozent bestätigt den starken Aufwärtstrend. Zur Erinnerung: Wer vor ca. drei Jahren Gold gekauft hat, liegt auch nach dem Preisrückgang immer noch 100 Prozent im Gewinn.
Der Preis hatte in 2026 mit weiter steigenden Zinsen (ca. ein Prozent in Euro und USDollar) und einem recht stabilen US-Dollar zu kämpfen. Allerdings ist der US-Dollar nicht stark, sondern der Euro schwächer (Frankreich). Da die Inflation durch die höheren Energiepreise und durch den KI-Boom ebenfalls gestiegen ist, ist die Zinsentwicklung als „normal“ zu bezeichnen. So hat die Börse kurzfristige
Zinssenkungen ausgeschlossen. Rein rechnerisch wird dadurch aber das Problem Staatsverschuldung noch verstärkt. Denn die Finanzierung verteuert sich dadurch enorm. In Deutschland steigen die Finanzierungskosen von heute 33 Mrd. auf 80 Milliarden in 2030. In den USA von 1,2 Bill. auf über 2,0 Bill.. Da nirgendwo auf der Welt ein Sparwille der Regierungen zu erkennen ist, werden die Schulden weiter steigen, also auch die Zinsausgaben, zumal wenn Zinssenkungen kein Thema bleiben. Die Haushaltsdefizite werden dann ebenfalls steigen, selbst wenn die Steuereinnahmen sich leicht erhöhen.
Das wiederum könnte die Fed auf den Plan rufen. Auffällig ist in letzter Zeit, dass es staatliche Interventionen gibt, sowohl für den Yen als auch für fallende Zinsen. So kaufte die USA Yen, um zu verhindern, dass Japan den Yen stützt mittels Verkäufe von USStaatsanleihen und Dollar. Ebenso „unpassend“ war der abrupte Rückgang der zehnjährigen Zinsen auf etwa fünf Prozent, nachdem sie nach guten Wirtschaftsdaten auf 5,3 Prozent geschnellt waren. Sollten die US-Zinsen trotz stabiler Inflationsdaten weiter nach unten „geleitet“ werden, wäre dies das „Halali“ für die Goldnotierungen.
Ein weiteres Problem kommt mit den krawallähnlichen Demonstrationen auf Europa zu. Der Links- und Rechtsruck der Wähler führt über kurz oder lang zu Einbußen in der Wirtschaft. Denn wichtige Ausgaben steigen überproportional: Energie, Nahrungsmittel und Mieten. Verständlich die Proteste, völlig inakzeptabel aber die Gewalt. Hinzu kommt die „Reform“ unserer Regierung: Einführung der Zuckersteuer, Erhöhung der Tabakund Alkoholsteuer, Reduzierung der Krankenkassenleistungen. Wieder trifft es diejenigen, die den Staat aufrecht halten, weil sie arbeiten gehen. Sie werden aber ihren Konsum deshalb auch ändern und verringern müssen. Es ist demnach nur eine Frage der Zeit, wann die finanziellen Probleme auftreten und an der Börse wieder diskutiert werden. Hinzu kommen einzelne Länderrisiken wie Brasilien oder Frankreich. Und natürlich die Wahlen (Midterms am 3.November) in Amerika. Der „safe heaven“ ist und bleibt Gold.
Für die Edelmetalle beginnt nun die Nachfragestarke Zeit (Weihnachten, Hochzeiten in Asien). Gleichzeit bleiben die Käufe der östlichen Notenbanken konstant hoch. Daher sind Neu- oder Ergänzungskäufe aktuell interessant. Dass der Goldpreis weiter steigen wird, deutet sich auch bei den Goldaktien an, die deutlich weniger gefallen sind, wie das Gold selbst. Nicht ganz verständlich sind die starken Rückgänge bei Silber, da dieses Edelmetall durch die hohen KI-Investitionen deutliche Nachfrage erfahren wird. Auch hier sind Käufe Erfolg versprechend. Spätestens wenn der Goldkurs die 4.400 US-Dollar - und Silber die 59 US-Dollar überwindet, werden die Abwärtstrends seit Februar 2026 gebrochen und die Konsolidierung damit beendet.

Marktkommentar von Rolf Ehlhardt, Vermögensverwalter, I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH.

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