Altersvorsorge - Investieren statt spekulieren

02.11.2026

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Über 80 Prozent der Deutschen glauben nicht daran, dass die gesetzliche Rente für das Alter reicht. Ein Drittel fürchtet sich vor Altersarmut. Die Angst vor Inflation wiegt sogar stärker als vor Krieg, dem Klimawandel oder einer Rezession. Auch die Tatsache, dass das Rentenniveau sinkt, ist keine Neuigkeit. Konnte man Ende der siebziger Jahre im Durchschnitt noch 60 Prozent Rente vom letzten Nettogehalt erwarten, sind es seit 2024 48 Prozent.

Obwohl viele Menschen daraus auch ableiten, dass man für das Alter selbst vorsorgen muss, liegen immer noch ca. vier Billionen Euro auf Giro-, Spar-, Tages- und Festgeldkonten. Da ist das Geld inflationären Effekten aber am stärksten ausgesetzt. Auch wenn es „die eine Anlageklasse“, die permanent vor Inflation schützt oder in jeder Phase stabile Renditen erzeugt, nicht gibt, kann man langfristig an stabilen Unternehmensentwicklungen partizipieren. Macht man das regelmäßig, gewöhnt man sich daran, so dass man nach einiger Zeit nicht mehr darüber nachdenken muss.

Früh starten

Neben der nicht geförderten Möglichkeit, Sparpläne für Minderjährige abzuschließen und Kinder-, Jugend- und „Taschengeldkonten“ zu eröffnen, soll am 1. Januar 2027 die Frühstartrente, rückwirkend für 2026, in Kraft treten. Ziel ist es, Kindern mit inländischem Wohnsitz frühzeitig den Aufbau eines Vorsorgevermögens zu ermöglichen und damit Anreize für eine langfristige zusätzliche Altersvorsorge zu schaffen. Geplant ist dabei, dass zunächst die in den Jahren 2020 und 2021 geborenen Kinder begünstigt sind.

Diese Kinder erhalten vom sechsten bis zum 18. Geburtstag monatlich zehn Euro vom Staat, insgesamt 1.440 Euro pro Kind. Diese Förderung wird von der Deutschen Bundesbank angelegt. Eltern müssen nicht zwingend einen individuellen Vertrag abschließen. Die Förderung muss nicht beantragt werden. Das Geld wird zunächst breit in Aktien gestreut. Eltern können für ihr Kind auch einen individuellen Depotvertrag abschließen, sofern es sich um ein „zertifiziertes Standarddepot“ handelt. Zudem besteht die Möglichkeit, die staatliche Förderung durch freiwillige Beiträge aufzustocken. Nach dem 18. Geburtstag kann das Kapital auf einen anderen zertifizierten Altersvorsorgevertrag übertragen werden (zum Beispiel Altersvorsorgedepot oder Riester). Hinweise finden sich beispielsweise auf der Internetseite des Bundesministeriums der Finanzen.

Berufseinsteiger mit mehreren Optionen

Beginnt man mit der Ausbildung oder direkt mit einer beruflichen Tätigkeit, kann man seiner Personalabteilung mitteilen, dass man monatlich einen bestimmten Betrag direkt vom Bruttogehalt als vermögenswirksame Leistung anlegen möchte. Der Betrag wird dann vom Arbeitgeber an das gewählte Anlagekonto, in eine gesetzlich festgelegte Anlageform, überwiesen. Der berechtigte Personenkreis umfasst Arbeitnehmer (Angestellte, Arbeiter, Auszubildende), Beamte, Richter und Soldaten, die die Anlageform grundsätzlich selbst wählen.

Die gängigen Sparformen sind Bank- und Fondssparpläne, Bausparverträge, die Baukredittilgungen sowie Genossenschaftssparen, Lebens- und Rentenversicherungen oder direkte Beteiligungen am Arbeitgeber (zum Beispiel Aktienkaufprogramme). Wer bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreitet, kann zusätzlich von der staatlichen Arbeitnehmersparzulage profitieren, sofern das zu versteuernde Einkommen im Kalenderjahr maximal 40.000 Euro beträgt (Verheiratete: 80.000 Euro). Gefördert werden Fondssparpläne, Bausparpläne und die Tilgung von Baukrediten, aber keine Banksparpläne.

Bei Fondssparplänen fördert der Staat 20 Prozent der eingezahlten VL, bis zu einem Höchstbetrag von 400 Euro pro Jahr (Verheiratete: 800 Euro). Das ergibt eine maximale Zulage von 80 Euro jährlich (Verheiratete: 160 Euro). Für Bausparverträge und die Baukredittilgung liegt die Förderung bei neun Prozent, bis zu einem Höchstbetrag von 470 Euro pro Jahr (Verheiratete: 940 Euro). Die Förderungen lassen sich kombinieren. Die Einzahlungsphase beträgt grundsätzlich sechs Jahre. Dann kann ein Folgevertrag abgeschlossen werden. Im Gegensatz zu anderen geförderten Altersvorsorgeprodukten kann über die eingezahlten Beträge einschließlich Prämie nach sieben Jahren auch verfügt werden.

Altersvorsorge für alle

Das neue Altersvorsorgedepot kann der Grundstock für die private Altersvorsorge für alle Bürger sein, die noch keine Rente beziehen, und ersetzt die oft kritisierte RiesterRente, die unter der vorgegebenen Beitragsgarantie, hohen Gebühren und der Vorgabe, 70 Prozent des angesparten Kapitals in eine lebenslange Rente umzuwandeln, litt. Hier sind Garantien nur noch optional, man kann zwischen verschiedenen Fonds wählen, bis zu 30 Prozent können bei Rentenbeginn ausgezahlt werden. Der Rest kann als normaler, monatlicher Auszahlplan bis zu einem Alter von 85 Jahren ausgeschüttet werden.

Außerdem muss jeder Anbieter auch ein „Standarddepot“ anbieten, das online abgeschlossen werden kann und dessen Effektivkosten höchstens ein Prozent betragen dürfen. In diesem Depot sind zwei Investmentfonds enthalten. Der offensivere Fonds kommt in der Ansparphase zum Tragen. Der defensive Fonds wird kurz vor der Auszahlphase eingesetzt. Der Staat fördert Einzahlungen von bis zu 1.800 Euro pro Jahr. Für die ersten 360 Euro gibt es eine Zulage von 50 Cent pro Euro. Für die folgenden 1.440 Euro sind es 25 Cent pro Euro. Zusätzlich gibt es pro Kind auf die ersten 300 Euro noch einen Euro Förderung pro Euro. Sparer unter 25 Jahren bekommen bei Depoteröffnung einmalig 200 Euro gutgeschrieben.

Bei der Einkommensteuererklärung findet eine „Günstigerprüfung“ statt. Umschichtungen während der Ansparphase verursachen keine Abgeltungssteuer. In der Auszahlphase unterliegen die geförderten Einzahlungen dem persönlichen Einkommensteuersatz. Ist bereits ein Riester-Vertrag vorhanden und wird ein Altersvorsorgedepot eröffnet, findet die neue Förderung Anwendung. Eine gleichzeitige Förderung beider Verträge gibt es nicht. Es stehen noch nicht alle Ausgestaltungsmerkmale fest. Da die Förderungen aber am Jahresende gezahlt werden, hat man noch genügend Zeit für die Auswahl. Ein Blick auf die Internetseiten https://www.altersvorsorgedepot.de/ oder auch des Bundesministeriums der Finanzen ist hilfreich.

Aufpassen bei Modellberechnungen

Bei Modellberechnungen für langfristige Sparpläne im Zusammenhang mit Kapitalmarktanlagen sollte man, höchstens sechs bis sechseinhalb Prozent anzunehmen, da das in etwa der Gewinnrendite internationaler Konzerne entspricht, auch wenn es Jahre gibt, in denen zweistellige Renditen erzielt wurden (https://www.zinsenberechnen.de/zinsrechner.php) Berechnungsmodelle rechnen die vorgegebene Rendite linear hoch, was in der Praxis nie so stattfindet.

Außerdem hat nicht jeder permanent ein 100-Prozent-Aktienportfolio. Die Anbieter eines gut strukturierten Altersvorsorgeportfolios werden auch keine Wetten auf bestimmte Branchen/Themen eingehen, sondern breit diversifizieren. Spart man beispielsweise 30 Jahre lang 150 Euro pro Monat und nimmt eine Rendite von sechs Prozent netto an, ohne dass Abgeltungsteuer abgezogen wird (gilt beim Altersvorsorgedepot), kommt man auf ca. 147.000 Euro. Rechnet man mit zehn Prozent, entsteht ein Endbetrag von 312.000 Euro. Bei noch längeren Laufzeiten bzw. höheren Sparraten erhöht sich die Differenz deutlich.

Überhöhte Erwartungen bergen erhebliches Enttäuschungspotenzial und führen schlimmstenfalls zu Fehlplanungen hinsichtlich der notwendigen Lebensarbeitszeit oder der einzugehenden Beschäftigungsverhältnisse.

FAZIT

Wer für das Alter konsequent und regelmäßig spart, investiert und spekuliert nicht. Wird schwerpunktmäßig in Aktien investiert, braucht man gute Nerven und Geduld. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das am langen Ende auszahlt, ist aber relativ hoch. Vermögenswirksame Leistungen gibt es schon seit über 60 Jahren. Mit der Frühstartrente und dem Altersvorsorgedepot gibt es nun genügend Vehikel für alle, um früh mit dem Investieren anzufangen. Hieraus lassen sich sehr gute, geförderte Sparplankombinationen aus einer Vielzahl von Investmentfonds zusammenstellen.

Marktkommentar von Andreas Görler, sen. Wealth Manager, zert. Fachmann für nachhaltige Investments, Wellinvest-. Pruschke & Kalm GmbH, Berlin.