Altersvorsorgedepot: Wir sind voller Begeisterung dabei
27.10.2026

Dr. Florian Sallmann / Foto: © InterRisk
Die Reform der geförderten privaten Altersvorsorge eröffnet Versicherern und Maklern neue Chancen. Die InterRisk wird zum Start am 01. Januar 2027 mit eigenen Lösungen bereitstehen. Im Interview erklärt Dr. Florian Sallmann, Vorstandsvorsitzender der InterRisk Versicherungen, warum er große Erwartungen an das Altersvorsorgedepot hat, welche Strategie sein Haus verfolgt und wie sich Makler auf diesen neuen Markt vorbereiten können.
finanzwelt: Herr Dr. Sallmann, wie sehen Sie die Reform der geförderten privaten Altersvorsorge? Wird es der erhoffte Neustart nach der Riester-Rente?
Dr. Florian Sallmann: Wir als InterRisk und ich persönlich sind begeistert von dieser neuen Form der privaten Altersvorsorge. Gleich nach Bekanntwerden haben wir uns mit Elan auf die Bearbeitung dieser neuen Herausforderung geworfen und sind überzeugt, dass unsere Kunden und Makler diese Begeisterung teilen. Die Riester-Rente hat wegen zu hoher Kosten und zu geringer Erträge abgewirtschaftet. Das neue Konzept vereint die für die Bevölkerung relevanten Kriterien: hohe Rendite plus staatliche Förderung gleich attraktive private Altersvorsorge.
finanzwelt: Welche Strategie verfolgen Sie im Zuge der Reform? An welchen Lösungen arbeiten Sie gerade und welche konkreten Angebote planen Sie in den Bereichen Altersvorsorgedepot, Altersvorsorgevertrag und Standarddepot ab 2027 anzubieten?
Dr. Sallmann: Unsere Strategie heißt ‚Altersvorsorgedepot first!‘ Wir sind mit unserer Manpower und unserer Expertise frühzeitig in die Entwicklung eigener Angebote eingestiegen und dabei voll im Zeitplan: Per 01. Januar 2027 werden wir als Anbieter bereitstehen. Unser Portfolio setzt sich – dem Kundenbedarf entsprechend – aus zwei Produkten zusammen: Das eine ist das gesetzlich verbindliche Standarddepot ohne Garantie als Direktprodukt. Es wird in der Regel beratungsfrei und damit provisionsarm sein und wendet sich in erster Linie an digitalaffine Kunden. Wenn gewünscht, ist auch eine Beratung möglich. Das Produkt ist kostengünstig, wir erwarten eine hohe Nachfrage. Unser zweites Produkt – ebenfalls ohne Garantie – wird unser Altersvorsorgedepot für Makler sein, für das wir eine zeitgemäße Provision zahlen. Sein Mehrwert besteht in der laufenden Beratung und Betreuung sowie den Services, die, wenn gewünscht, den Wechsel aus der RiesterRente in das Altersvorsorgedepot einschließen.
finanzwelt: Werden Fondspolicen Ihrer Meinung nach in der neuen Förderwelt einen weiteren Aufschwung erhalten?
Dr. Sallmann: Die der neuen Förderwelt zugrundeliegende Idee ist gerade die, kapitalgedeckte Produkte zu nutzen, um höhere Renditen zugunsten der Altersvorsorge zu erzielen. Insofern ist bei der zu erwartenden Nachfrage nach Altersvorsorgedepots mit einem weiteren Aufschwung bei den Fondspolicen zu rechnen. Im Rahmen der zertifizierten Angebote kommen Fonds der Risikoklassen 1 bis 5 (von 7) infrage, aber auch Anleihen können gewählt werden. Bei den Standarddepots wird es nur zwei Fonds geben – einen einer niedrigen Risikoklasse, einen einer etwas höheren Klasse. Gegen Ende der Ansparphase soll die gesamte Anlage ganz in die niedrige Risikoklasse umgeschichtet werden. Bei den Beratungsprodukten wird es eine größere Auswahlmöglichkeit geben, ETFs sollen und werden im Mittelpunkt stehen. Garantieprodukte sind bei uns in jedem Fall ausgeschlossen.
finanzwelt: Wie sollen Makler die Zeit bis zum Start am sinnvollsten nutzen, um sich auf die Reform vorzubereiten? Welche Unterstützungs- und Fortbildungsangebote stellen Sie bereit?
Dr. Sallmann: Im Internet findet man inzwischen viele Informationen zum Thema Altersvorsorgedepot – Veröffentlichungen vom Bundesfinanzministerium, von Beraterfirmen, Unternehmen und Verbänden. Der finanzmarktorientierte Makler wird seine Fonds und speziell ETFs kennen, um sie in seine Beratung zu integrieren. Wir als InterRisk veröffentlichen – neben unserem Internet-Auftritt – derzeit viele Beiträge in Versicherungs- und Finanzpublikationen, die wir den Maklern zur Lektüre empfehlen. Wir entwickeln Faktenblätter, Gesprächsleitfäden und Argumentationshilfen; unsere Vertriebsmitarbeiter stehen für verkaufsorientierte und -fördernde Gespräche im Vorfeld und natürlich nach dem 01. Januar 2027 zur Verfügung. Und auf der DKM werden wir präsent sein, um unsere Angebote und deren Umsetzung der Makler- und der Medienwelt vorzustellen.
finanzwelt: Kritiker befürchten, dass das staatliche Standardprodukt und die Provisionsdeckelung den Wettbewerb verzerren könnten. Was ist Ihre Meinung dazu?
Dr. Sallmann: Wir teilen diese Befürchtungen nicht. Allerdings halten wir es für eine Verzerrung der freien Marktwirtschaft, öffentlichen Trägern den Zugang zum Altersvorsorgedepot zu ermöglichen. Angebote und Abschlüsse sollten in der Zuständigkeit von privaten Unternehmen liegen.
finanzwelt: Wie schreiten Digitalisierung und Prozessoptimierung bei der InterRisk voran?
Dr. Sallmann: Digitalisierung und Prozessoptimierung schreiten bei uns zügig voran. Ende 2025 haben wir einen wichtigen Schritt zur digitalen Transformation analoger Prozesse vollzogen und uns mit vers.diagnose, einer der führenden Plattformen für digitale Risikoprüfungen und Antragsprozesse, angeschlossen. Generell verschlanken wir unsere Prozesse und setzen für einen beschleunigten Workflow auf ausgereifte Branchenstandards und Normen. KI bekommt bei uns eine immer größere Bedeutung, modernste technische Tools werden von uns zielgerichtet eingesetzt. Unser Leistungsversprechen ist und bleibt wertebildend. Für uns stehen Customer Experience, Workflow und Performance im Mittelpunkt. Wir befinden uns in einem dynamischen und kontinuierlichen Verbesserungsprozess, der zu keinem Zeitpunkt abgeschlossen ist. Dies alles ist deswegen so erfolgreich, weil unsere Teams bei dem Change Process motiviert und zielstrebig an Bord sind.
finanzwelt: Welche Rolle spielt dabei die Muttergesellschaft Vienna Insurance Group (VIG) als strategischer Taktgeber und Innovationsnetzwerk?
Dr. Sallmann: Wir sind selbstverständlich in das Netzwerk unserer Gruppe eingebunden und stehen im ständigen Austausch mit unserer Muttergesellschaft zu den verschiedensten Themen, so auch zum Thema Digitalisierung. Dabei profitieren wir von dem Know-how und der geballten Kompetenz der VIG. Ziel der Gruppe ist es, ein gleichmäßig hohes Niveau in allen Bereich gesellschafts- und länderübergreifend zu gewährleisten. In den Zielen stimmen wir uns ab, die Verantwortung für die Umsetzung liegt bei uns. Und natürlich werden auch eigene Impulse und Initiativen von uns erwartet. Wir haben ein eigenes Ressort ‚Projekt- und Prozessmanagement‘, für das Digitalisierung und Prozessoptimierung zentrale Aufgaben sind. Das Altersvorsorgedepot ist ein nationales, von der deutschen Regierung beschlossenes Vorhaben. Insofern sind wir als deutsche Tochtergesellschaft direkt gefordert, eigene Lösungen zu entwickeln, ihre prozessuale Umsetzung zu gewährleisten und den Markterfolg sicherzustellen.
finanzwelt: Was ist abschließend Ihr wichtigster Rat an Versicherungsmakler?
Dr. Sallmann: Ihre Aufgabe verantwortungsbewusst in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit ihren Kunden und mit uns als kompetentem Maklerversicherer wahrzunehmen. Hier bietet das neue Altersvorsorgedepot attraktive Chancen in einem für die Bevölkerung äußerst wichtigen Bereich. (mho)

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