Höher, weiter, schneller?

26.10.2026

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Der ETF-Markt ist längst erwachsen geworden. Die Nettomittelzuflüsse der Vergangenheit stehen symbolisch dafür. Nicht zuletzt das steigende Interesse bei privaten Anlegern und die Produktinnovationen sorgen für stetige Belebung des Segments.

ETFs sind das Maß der Dinge. Laut BVI ist Deutschland der wichtigste europäische Absatzmarkt für ETFs. Deutsche Investoren hielten Ende des 2. Quartals ca. 580 Mrd. Euro der schätzungsweise 3,1 Bio. Euro an ETFs, die in Europa aufgelegt sind. Der europäische ETF-Markt ist allein im vergangenen Jahr um 30 % gewachsen. Und der Siegeszug geht weiter. Mit Mittelzuflüssen von ungefähr 58 Mrd. US-Dollar war der Juli wiederum ein Highlight in der ETF-Historie. Haupttreiber waren erneut Aktien-ETFs mit 44 Mrd. US-Dollar Nettoneuvermögen. Große wie kleine Häuser – alle sind mit von der Partie und wollen ein Stück des ETF-Kuchens haben. Pay Fahlbusch, Leiter Wholesale & ETF Sales für Deutschland und Österreich bei Avantis Investors, sagt in diesem Zusammenhang: „Deutschland spielt derzeit eine zentrale Rolle und ist der größte ETF-Markt Europas. Dies ist insbesondere auf die Entwicklung der Kundenbasis, Innovationen im ETF-Vertrieb sowie die zunehmende Akzeptanz von ETFs zurückzuführen. Deutschland ist für uns daher ein klarer Schwerpunktmarkt, in dem wir unsere Präsenz weiter ausbauen wollen.“ Dabei hat in den vergangenen Jahren ein grundlegender struktureller Wandel stattgefunden, betreffend der Akzeptanz bei Privatanlegern.

Tatsächlich ist die Anzahl der ETF-Sparpläne besonders seit 2020 enorm angestiegen. Zum einen liegt es daran, dass diese Wachstumsdynamik auch durch neue Anbieter wie die zahlreichen Neobroker befeuert wurde. Damit zusammenhängend ist der zweite Grund – das Thema Altersvorsorge. In den Jahren der Pandemie hatten viele Anleger mehr Zeit, sich mit ihrer eigenen finanziellen Vorsorge zu beschäftigen. Corona als Katalysator. Der positive Trend hat bis heute angehalten. Das Pflänzchen der Wertpapierkultur gedeiht. „Gleichzeitig ist das Verständnis für Kapitalmärkte und ETFs deutlich gestiegen. Die Demokratisierung der Geldanlage schreitet voran: Dank Neobrokern und digitaler Plattformen können heute auch Kleinanleger mit minimalen Beträgen investieren. Technologische Innovationen und ein breites Informationsangebot haben die Einstiegshürden weiter gesenkt“, wirft Ivan Durdevic, Leiter ETF-Vertrieb für Deutschland, Schweiz, Österreich und Osteuropa bei J.P. Morgan Asset Management, ein. Und das Wachstum über alle Kundenschichten ist ablesbar. Die Zuflüsse sind langfristig getrieben und hängen weniger von kurzfristigen Marktbewegungen ab. Sowohl Aktien- als auch Anleihe-ETFs verzeichnen seit Jahren stabile Nettozuflüsse.

Beschleunigung durch aktive ETFs

Stillstand und das bloße Abbilden eines Index reichen natürlich nicht aus, um dauerhaft in der Industrie erfolgreich zu sein und Anleger zu überzeugen. So kann man mit Fug und Recht sagen, dass sich die ETF-Industrie in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt hat. Aktive ETFs könnten hier der „neue Kassenschlager“ sein. Das „Beste aus zwei Welten“. Zum einen bieten sie, analog zu den ETFs, Kostenvorteile und deren Liquidität. Sie ergänzen aber das Ganze mit einer aktiven Steuerung, die Anlegern hilft, sich nicht vollends den Schwankungen eines Index auszusetzen. Fondsmanager können theoretisch schnell auf Marktveränderungen reagieren und ihre Portfolios dynamisch anpassen Diese Anpassungsfähigkeit erlaubt es, Chancen zu erkennen und Risiken gezielt zu reduzieren.

„Aktiv und ETF sind keine Gegensätze. Der ETF ist zunächst ein Anlagevehikel, keine Anlagephilosophie. Ein aktiver ETF verbindet die Handelbarkeit, Transparenz und häufig auch die Kosteneffizienz des ETF-Formats mit der Möglichkeit, Wertpapiere gezielt auszuwählen, Risiken aktiv zu steuern und auf Marktveränderungen zu reagieren. Besonders interessant kann das in Bereichen sein, in denen ein Index nicht automatisch die beste Portfoliolösung liefert“, so Martin Bechtloff, Vice President ETF Distribution Deutschland & Österreich, Franklin Templeton. In diesem Zusammenhang stellt sich zwangsläufig die Frage, wie aktiv diese ETFs sind. Eine Studie der HQ Trust sät (aktuell) Zweifel. Jan Tachtler, Leiter der Fonds- und Managerselektion, kommt zum Ergebnis, dass die meisten der analysierten Produkte einen Active Share unter 60 % aufweisen und einen Tracking Error von unter 2 %. Das entspräche eher einem indexnahen als einem wirklich aktiven, konzentriertem Investmentansatz, so Tachtler. Allerdings gibt der Studienautor zu bedenken, dass der Markt für aktive ETFs jung sei und schnell wachse. Was heute gelte, müsse in zwei oder drei Jahren nicht mehr zutreffen. „Einige unserer Research Enhanced Index (REI) ETFs haben inzwischen einen Track Record von fast 8 Jahren und zeigen eindrucksvoll, dass durch viele kleine, auf Fundamentalanalyse basierende Über- und Untergewichtungen ein kontinuierlicher Mehrertrag erzielt werden kann – und das bei einem Risiko- und Sektorprofil, das dem Index sehr nahekommt. Und gerade im Anleihenbereich können aktive ETFs ihre Stärken ausspielen, indem sie Ineffizienzen gezielt nutzen und flexibel auf Marktveränderungen reagieren“, bemerkt J.P. Morgan AM-ETF-Experte Durdevic.

ETFs sind auch dadurch so beliebt, da sie sehr günstig sind. Folglich werden sie weiter an Terrain gewinnen. Neue Produkthighlights, z. B. Verteidigungs-ETFs, wie auch die Kostenfrage dürften dabei ständige Begleiter sein. Auch der Anteil aktiver ETF-Strategien könnte weiter ansteigen. (ah)

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