Aon Marktprognose 2026

24.02.2026

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Der deutsche Versicherungs- und Risikomanagementmarkt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Dies zeigt die Aon Marktprognose 2026, die zentrale wirtschaftliche, technologische und geopolitische Entwicklungen analysiert und ihre Auswirkungen auf Unternehmen und die Versicherungswirtschaft einordnet.

Demnach agieren Unternehmen zunehmend in einem Umfeld wachsender Komplexität: Künstliche Intelligenz (KI) verändert Geschäftsmodelle und Entscheidungsprozesse grundlegend, während geopolitische Spannungen Europas wirtschaftliche Rahmenbedingungen spürbar belasten. Für Entscheider rücken damit Fragen der Resilienz, Prävention und strategischen Risikosteuerung stärker als jemals zuvor in den Fokus. „Wir erleben eine Phase, in der Unsicherheit zum Normalzustand wird. Zukunftsfähig sind Unternehmen, die bereit sind, Komplexität anzunehmen, Risiken bewusst zu steuern und Entscheidungen auf einer fundierten Datenbasis zu treffen“, kommentiert Hartmuth Kremer‑Jensen, Chief Broking Officer DACH und Deputy CEO Germany bei Aon Deutschland.

KI etabliert sich in der Versicherungswirtschaft als zentraler Innovationstreiber – von datenbasierter Risikobewertung über automatisierte Schadenprozesse bis hin zu neuen Produkt‑ und Serviceansätzen. Gleichzeitig bringt ihr Einsatz neue Haftungs‑, Regulierungs‑ und Qualitätsanforderungen mit sich. Die Marktprognose macht deutlich: Der Mehrwert von KI entsteht nicht durch Technologie allein, sondern durch ihr Zusammenspiel mit geschulten Mitarbeitenden, klaren Governance‑Strukturen und verantwortungsvollem Einsatz. Richtig genutzt, ermöglicht KI fundiertere Entscheidungen, höhere Transparenz und eine stärkere Ausrichtung auf Prävention statt reiner Schadenbearbeitung. Gleichzeitig zählt KI weltweit zu den größten unternehmerischen Risiken – gleich hinter Cyberrisiken. Dazu gehören unter anderem neue Haftungsfragen bei KI‑gestützten Entscheidungen, Risiken durch fehlerhafte oder verzerrte Daten sowie Unsicherheiten im Umgang mit neuen regulatorischen Vorgaben wie dem EU AI Act. Unternehmen sind daher gefordert, KI‑Risiken frühzeitig zu identifizieren und aktiv in ihre Risikostrategie zu integrieren.

Parallel dazu steht Europa wirtschaftlich unter erheblichem Druck. Protektionistische Tendenzen, neue Zollregime und geopolitische Rivalitäten belasten insbesondere exportorientierte Industrien wie die deutsche Wirtschaft. Die Folge: steigende politische Risiken, volatile Lieferketten und zunehmende Unsicherheit bei Investitionen. Die Marktprognose zeigt, dass Unternehmen ihre Resilienz deutlich stärken müssen – etwa durch die Diversifizierung von Lieferketten und den verstärkten Einsatz daten- und KI‑gestützter Risikomodelle.

Angesichts dieser Entwicklungen sieht Aon die Versicherungswirtschaft an einem Wendepunkt, weg von reiner Schadenregulierung, hin zu Prävention, Beratung und aktiver Resilienzentwicklung. Ziel ist es, wirtschaftliches Handeln auch unter Unsicherheit zu ermöglichen und Unternehmen langfristig widerstandsfähiger zu machen. „Zukunftsfähigkeit entsteht dort, wo Versicherung über die klassische Police hinausgeht und Prävention, Beratung und datenbasierte Services gleichwertig integriert“ bekräftigt Hartmuth Kremer-Jensen. „Wenn Unternehmen Risiken aktiv gestalten und Versicherung als strategischen Partner verstehen, entstehen daraus nicht nur Schutz, sondern echte Chancen für Wachstum und Resilienz“. (mho)

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